Er trägt Designer-Gürtel: Yousef (11) plünderte Luxus-Boutique

- Die Mailänder Polizei hat nach den Ausschreitungen vom Wochenende einen elfjährigen mutmasslichen Plünderer identifiziert.
- Ermittler erkannten den Schüler anhand von Videos in sozialen Medien und fanden ihn am Montag in seiner Mittelschule.
- Er soll zur Gruppe gehören, die das Geschäft «Luigi Fusaro» plünderte, und ist wegen seines Alters strafunmündig.
Er ist elf Jahre alt, italienische Medien nennen ihn «Yousef»*. Nach den schweren Ausschreitungen am Wochenende in der Mailänder Innenstadt hat die italienische Polizei den bislang jüngsten mutmasslichen Plünderer identifiziert. Ermittler sollen den Schüler mithilfe von Videos in sozialen Medien erkannt haben. Am Montag spürten sie ihn in seiner Mittelschule im Südwesten Mailands auf.
Nach bisherigem Ermittlungsstand soll das Kind zu jener Gruppe gehört haben, die das Bekleidungsgeschäft «Luigi Fusaro» an der Via Dante, Ecke Largo Cairoli, geplündert haben soll. Auf Instagram-Videos ist zu sehen, wie ein sehr junger Bub mit mehreren Designer-Gürteln aus der Boutique kommt.
Ein schwieriges Kind
In seiner Wohnsiedlung an der Via Ovada, einem Quartier mit Sozialbauten, sei Yousef weithin bekannt. Ein gleichaltriger Nachbarsjunge berichtet: «Er schlägt Leute, mich hat er schon oft verprügelt.» Häufig sehe er Yousef auf seinem Trottinett zwischen den Häusern herumflitzen. «Vor einer Weile hat er sogar eine alte Frau angefahren und sie dabei invalid gemacht.»
Auch ein Zeitungsverkäufer an der Piazza Miani will den Buben gut kennen. «Er ist ein Provokateur. Er schaut einen immer so herausfordernd an», sagt der Mann gegenüber «La Repubblica».
Familie nie integriert
«Heute Morgen kam er in den Unterricht – wobei er gar nicht so oft da ist. Er strahlte über das ganze Gesicht», erzählt Klassenkameradin Mariam. «Er erzählte uns, dass ihm einiges passiert sei, ohne aber genau zu erklären, was. Aber wir wissen ja schon Bescheid. Er ist viral, viral …»
Ihre Freundin Fatima stimmt ihr zu: «Er ist ein schwieriger Bub. Er ist einfach … wild.» Über Yousefs familiäre Situation sagt sie: «Er ist völlig auf sich allein gestellt.»
Andere Schülerinnen und Schüler erzählen gegenüber «La Repubblica»: «Er kam mit acht Jahren in meine Klasse, direkt aus Marokko.» Sie grenzen sich von Yousef ab. «Meine Eltern sind Arbeiter, seine nicht», sagt einer. Er habe gehört, der Vater sei Drogendealer. Die Familie sei in Italien kaum integriert. «Solche Leute bringen uns in Verruf», sagt der Sohn eines in Italien tätigen Maurers.
Schulleiterin kämpft mit den Tränen
Yousefs Lehrkräfte beschreiben ihn als ein Kind «mit erheblichen psychischen oder sozialen Schwachstellen». Die Schule habe nach eigenen Angaben «ein massgeschneidertes Programm für ihn entwickelt». Die Schulleiterin erklärt: «Aufgrund seines Charakters kann Yousef nicht am regulären Unterricht im Klassenzimmer teilnehmen.» Der Bub sei Teil eines «Eins-zu-eins-Projekts», bei dem Lehrkräfte mit ihm in einem separaten Raum arbeiteten.
Auf die Frage von «La Repubblica», ob Yousef ein verlorener Fall sei, antwortet die Schulleiterin: «Ich hoffe nicht.» Dabei kommen ihr beinahe die Tränen.
Wegen seines Alters ist Yousef strafunmündig. Die italienischen Behörden prüfen jedoch offenbar, die Jugendstaatsanwaltschaft und die Sozialdienste einzuschalten.
* Yousef ist nicht der echte Name des Elfjährigen, da es sich um einen Minderjährigen handelt.
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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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