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Tuesday, October 27, 2026

Artemis 3: Nasa bläst zur grossen Materialschlacht im Orbit

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  • Die Nasa testet bei Artemis 3 im Sommer 2027 die Mondlandefähren von SpaceX und Blue Origin im Erdorbit.
  • Die Mission mit vier Astronauten an Bord des Orion-Raumschiffs soll 14 bis 17 Tage dauern.
  • Orion dockt zuerst an der Landefähre Blue Moon an, am achten Flugtag dann an das Starship.
  • Welche Fähre bei Artemis 4 im Jahr 2028 zum Einsatz kommt, will die Nasa nach der Mission entscheiden.

«Wir starten drei der leistungsstärksten Raketen der Welt und führen damit die wohl komplizierteste Startkampagne durch, die es je gab» – Jeremy Parsons, der Chef des Artemis-Programms der Nasa, geizte nicht mit Superlativen, als er am Freitag den Ablauf der anstehenden Artemis-3-Mission erläuterte. Tatsächlich geht es um viel: Während der rund zweiwöchigen Mission sollen Andockmanöver in der Erdumlaufbahn geübt und zwei Mondlandefähren getestet werden. Es soll die letzte Vorbereitungsmission vor der geplanten Rückkehr des Menschen zum Mond mit Artemis 4 im Jahr 2028 sein.

Hintergrund der Mission ist, dass die Nasa im Gegensatz zum Apollo-Programm der 1960er-Jahre die Mondlandefähre nicht selber konstruiert. Sie hat diese Aufgabe an zwei private Unternehmen ausgelagert: SpaceX von Elon Musk und Blue Origin von Jeff Bezos. Und die Praxistests im Rahmen von Artemis 3 werden den Ausschlag geben, welche der beiden Landefähren bei der ersten Mondlandung seit 1972 zum Einsatz kommt. Für die beiden konkurrierenden Tech-Milliardäre steht viel auf dem Spiel.

Blue Origin macht den Anfang

Als erste Rakete der Artemis-3-Mission wird im Sommer 2027 New Glenn von Blue Origin abheben. Sie wird die Mondlandefähre Blue Moon in die Erdumlaufbahn bringen. Kurz darauf wird eine abgespeckte Version der Nasa-Mondrakete Space Launch System (SLS) ohne Oberstufe mit dem Raumschiff Orion und einer vierköpfigen Crew abheben. Die Oberstufe der gewaltigen SLS-Rakete wird nicht benötigt, um eine niedrige Erdumlaufbahn zu erreichen.

Nach ausgiebigen Systemchecks soll Orion dann am dritten Flugtag in einer Höhe von 439 Kilometern an Blue Moon andocken. Danach sind zwei Tage für verschiedene Tests reserviert. «Die Crew wird die Luke öffnen. Sie wird die Landefähre betreten. Sie wird die Klimaregelung und die Lebenserhaltungssysteme überprüfen», erklärte Parsons den weiteren Ablauf. «Wir werden ausserdem Notfallszenarien sowie die Steuerung beider Fahrzeuge testen und unsere Teams in der Missionskontrolle am Boden auf Herz und Nieren prüfen.»

Starship folgt an Flugtag 6

Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, wird sich das riesige Starship von SpaceX auf den Weg in den Orbit machen, voraussichtlich am sechsten Flugtag. Für die geplanten Andockmanöver erhält seine Spitze einen speziell angefertigten Adapter. Die 52 Meter hohe Oberstufe der vollständig wiederverwendbaren Megarakete wird am achten Flugtag in einer Höhe von 381 km auf Orion treffen. Diese Begegnung wird sich jedoch deutlich vom Rendezvous mit Blue Moon unterscheiden.

«Die Demonstration mit dem Starship ist kürzer, sie dauert etwa zwei Stunden», so Parsons. «Die Besatzung wird das Starship nicht betreten.» Denn das SpaceX-Raumfahrzeug wird nicht mit einer Crew-Kabine ausgestattet sein. Das Rendezvous mit dem Starship soll der Nasa dennoch wichtige Daten liefern und es ermöglichen, die beim Andocken auftretenden Kräfte zu verstehen.

Weitere Tests mit Orion

Nach dem kurzen Date mit dem SpaceX-Raumschiff werden die Astronauten weitere sechs bis neun Tage an Bord des Orion-Raumschiffs verbringen. Während dieser Zeit werden sie ihre Überlebensanzüge testen, was offenbar während des zehntägigen Artemis-2-Flugs um den Mond im vergangenen April nicht möglich war. Zudem gilt es, eine Vielzahl weiterer Aufgaben zu erledigen, von detaillierten Gesundheitsuntersuchungen bis hin zu wissenschaftlichen Experimenten und Technologiedemonstrationen.

«Alles, was wir bei Artemis 3 tun, dient dazu, die Risiken für unsere zukünftigen Mondlandungsmissionen zu verringern», sagte Parsons. «Wir bringen diesen Teams bei, wie sie zusammenarbeiten und wie sie wichtige Missionsentscheidungen in Echtzeit treffen – und das alles in der erdnahen Umlaufbahn, wo wir im Falle eines Problems viel schneller zur Erde zurückkehren können.»

Enger Zeitplan für Musk und Bezos

Bis zum Start von Artemis 3 gibt es besonders bei den beiden privaten Raumfahrtunternehmen noch einige Hürden zu überwinden. Bei Blue Origin von Jeff Bezos ist die New-Glenn-Rakete das Sorgenkind. Sie ist seit der spektakulären Explosion eines Exemplars im Mai nicht mehr gestartet. Parsons erklärte, das Unternehmen rechne damit, die Starts im November wieder aufzunehmen. Es gebe keine Pläne, Blue Moon an Bord eines anderen Trägers ins All zu schicken.

Derweil plant SpaceX von Elon Musk, im nächsten Monat einen weiteren Test des Starship durchzuführen, bei dem auch Verbesserungen an den Raptor-Triebwerken des Raumschiffs vorgenommen werden sollen. Das Starship hatte bisher mit einer Reihe von Rückschlägen zu kämpfen, darunter mehrere Explosionen während Testflügen. Bei seiner jüngsten Demonstration gelang es dem Raumschiff jedoch erstmals, in die Umlaufbahn zu gelangen.

Nasa hält sich alle Optionen offen

Je nachdem, welche Mondlandefähre schliesslich gewählt wird, wird sich der Ablauf der Artemis-4-Mission sehr unterschiedlich gestalten. Bekommt Blue Origin den Zuschlag, wird Orion in der Mondumlaufbahn mit Blue Moon zusammentreffen. Bei SpaceX hingegen wird Starship wahrscheinlich in der Erdumlaufbahn an die Nasa-Kapsel andocken und diese mitsamt der Landefähre zum Mond befördern.

Für die endgültige Entscheidung zwischen den beiden Optionen will sich die Nasa so lange wie möglich Zeit lassen. Dies, «um unseren beiden Partnern für die Mondlandung die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten, damit sie für die Landung der Astronauten auf dem Mond im Jahr 2028 bereit sind», erklärte Nasa-Administrator Jared Isaacman. «Wir haben nicht die Absicht, einen gangbaren Weg zur Mondoberfläche aufzugeben, bevor uns die Daten und der Zeitplan dazu zwingen», fügte er hinzu.

Rückkehr zum Mond: Die Artemis-4-Mission

Start: Die Nasa peilt Anfang 2028 an. Artemis 4 soll die erste Mondlandung mit Menschen im Artemis-Programm werden.

Besatzung: Vier Astronautinnen und Astronauten sollen mit dem Orion-Raumschiff zum Mond fliegen. Zwei von ihnen sollen auf der Mondoberfläche landen.

Ziel: Die Landung ist nahe dem Südpol des Mondes geplant. Die beiden Crewmitglieder sollen dort ungefähr eine Woche verbringen, Proben sammeln und wissenschaftliche Untersuchungen durchführen.

Rakete und Raumschiff: Die Crew startet mit der SLS-Rakete vom Kennedy Space Center in Florida. Das Raumschiff Orion bringt sie in eine Umlaufbahn um den Mond und später zurück zur Erde.

Mondlandefähre: Entweder ein System von SpaceX oder Blue Origin.

Mondanzüge: Für die Ausstiege auf der Mondoberfläche sind Raumanzüge von Axiom Space vorgesehen.

Rückkehr: Nach der Mission soll Orion mit allen vier Crewmitgliedern zur Erde zurückfliegen und im Pazifik wassern.

Stand: 27. Oktober 2026.

Was denkst du über die Idee, Mondmissionen heute mit privaten Firmen statt mit eigener Nasa-Entwicklung zu planen?

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Jean-Claude Gerber

Jean-Claude Gerber (jcg) arbeitet seit 2005 für 20 Minuten. Er ist seit 2013 Leiter des Ressorts Wissen, History und Digital und seit 2020 Blattmacher.

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