Glosse zu Sprache und Politik – Trump macht KI zu Superintelligenz – What's next, Mr. President?

Donald Trump schraubt mal wieder an der Sprache herum. Neulich liess er auf «Truth Social» verlauten, sein «FEIND» sei, wer von «Künstlicher Intelligenz» rede statt «Superintelligenz». Das hat seine eigene, Trump’sche Richtigkeit. In «His Master’s Language Universe» ist jede Tat (und Untat) ein Weltereignis, alles dauerbestens und welthistorisch einmalig. Wenn nicht sogar superstduperst!!!
Und was noch nicht ist, kann noch werden: Hier sind sechs Begriffe, die un-be-dingt! ein Trump'sches Superlativismus-Update brauchen, alles in betont nachlässiger nicht-alphabetischer Reihenfolge.
Stefan Gubser
Kulturredaktor
Stefan Gubser macht Online-Journalismus, seit es das Internet gibt. Früher befragte der gelernte Germanist berühmte Schauspieler. Heute wird er gerne mit einem verwechselt. Nur des Namens wegen!
P wie Präsident
Donald Trump mag gewählter US-Präsident sein – aller Voraussicht nach noch für die nächsten zwei Jahre. (Es sei denn, ihm gelingt ein juristischer Wahnsinnswinkelzug.) Dieser Mann kann alles und ein bisschen mehr. Präsident: Das klingt nach zu wenig. Gestatten: «Superman.» Oder wenigstens: «God.»
U wie USA
Auch das Land, das Donald Trump regiert, braucht ein sprachliches Rebranding. «Die Vereinigten Staaten von Amerika»? Merkwürdig schwach als Marke. Viel zu lang. Zu unpathetisch. Und in der Sache falsch: 51 Staaten, wo doch nur einer das letzte Wort hat? Das «stärkste und beste Land» der Welt verdient Besseres. «Überland» wäre ein guter Move. Ach was: «Paradise» passte wie die Faust aufs Auge.
M wie Mega
Wir sind alle etwas Maga-müde bis Maga-gaga, man merkt es auch an diesen Zeilen. «Superman» droppt etwas – und seine ihm ergebene Entourage flüstert: Können wir demLautsprecher nicht noch einen Wunsch von den Lippen ablesen? Yes, we can: Graden wir die Maga-Bewegung up. Maga ist längst mehr. Nämlich: MEGA. Geht auch IN GROSSBUCHSTABEN!!!
T wie Tramp
Geht’s ums Showbiz, steht Trump auf alte weisse Männer. Mel Gibson, Jon Voight, Sylvester Stallone, der davon nichts wissen will: Das sind seine «Hollywood-Ambassadors». Was genau sie in dieser Funktion tun sollen – es ist bis heute ihnen selbst nicht klar. Zu Charlie Chaplin hat Donald Trump sich bisher nicht öffentlich geäussert. Noch nicht. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Chaplins Kunstfigur nicht mehr als «Tramp» durchgeht.
S wie Supertramp
Eine Band, ein Tippfehler, der sich supereasy korrigieren lässt: «Give it up for ... Supertrump!»
E wie Englisch
Einzelne Wörter umzuschreiben, das ist kleinkariert. Warum nicht gleich das ganze sprachliche Koordinatensystem neu justieren? Der «Golf von Mexiko» heisst (bei Google) neu «Golf von Amerika». Vor einigen Tagen spielte Trump öffentlich mit dem Gedanken, er werde den Pazifik oder Atlantik vielleicht in «Trump Ocean» umbenennen. Aus Grönland wird «Red, White, and Blueland», sobald Trump im ewigen Weiss eine Iglu-Filiale des Weissen Hauses errichten will. Warum aber ist die Sprache, um die sich hier alles dreht, immer noch als «Englisch» in aller Munde? Als wären die Loser-Briten bis heute die Herren der Welt. «Make English Great Again?» Einzig richtige Antwort: Nennen wir es «Amerikanisch».
Das war übrigens der Teil dieses Textchens, den ich mir NICHT ausdenken musste.
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