Textilien im Check – Sollen neue Kleider zuerst gewaschen werden?

Grundsätzlich empfehlen Expertinnen, neue Kleider vor dem Tragen zu waschen. «Vor allem Sachen, die man online bestellt, sollten vor dem Tragen gewaschen werden», sagt Andrea Hagmann, Dozentin an der Schweizerischen Textilfachschule. Man wisse nicht, was mit diesen Kleidern schon alles passiert ist.
In Kleidern stecken diverse Chemikalien. Viele sind völlig ungefährlich und klar reguliert. «Kleider aus der Schweiz und dem EU-Raum sind in der Regel unproblematisch», sagt Hagmann. «Wenn man hingegen aus dem asiatischen Raum bestellt, können Kleider gefährliche Chemikalien enthalten.»
Im Onlinehandel ist besondere Vorsicht geboten
Besonders bekannt ist Formaldehyd. «Es wird als Knitterschutz eingesetzt», erklärt Hagmann. Formaldehyd ist von der EU als krebserregend eingestuft. Deshalb gibt es klare Grenzwerte, die auch in der Schweiz gelten. «Wenn die Grenzwerte eingehalten werden, ist Formaldehyd ungefährlich», so die Fachfrau.
Allerdings wird nur ein Bruchstück der Kleider, die in die EU und in die Schweiz geliefert werden, auf die Chemikalien-Grenzwerte kontrolliert. Ausserdem werden viele Produkte mit Schiffscontainern geliefert. Die Kleider riechen danach teilweise nach Brennstoff.
In fast allen Kleidern stecken zudem Weichmacher, die dafür sorgen, dass sich die Textilien im Laden schön weich anfühlen. Das sind ähnliche Produkte wie die Weichmacher, die in der Waschmaschine zu Hause eingesetzt werden. Ausserdem können die Kleider Rückstände von Färbe- und Bleichmitteln enthalten.
Ich käme nie auf die Idee, etwas anzuziehen, das ich nicht vorher in der Waschmaschine hatte.
Farbrückstände können mit Waschen entfernt werden. Diverse Chemikalien hingegen bleiben auch nach dem Waschen an den Kleidern haften. Dadurch können die Eigenschaften dieser Chemikalien, wie beispielsweise bei bügelfreien Hemden, über einen längeren Zeitraum erhalten bleiben.
Allergikerinnen und Kleinkinder besonders gefährdet
Auch Dermatologin Liv Kraemer empfiehlt, neue Kleider vor dem Gebrauch zu waschen: «Ich käme nie auf die Idee, etwas anzuziehen, das ich nicht vorher in der Waschmaschine hatte. Vor allem Kleider, die direkten Hautkontakt haben. Strumpfhosen, Jeans oder Unterwäsche bleiben stundenlang auf der Haut und sollten unbedingt gewaschen werden.»
Chemikalien und Farbrückstände in den Kleidern können die Haut reizen. Die grösste Gefahr seien allergische Reaktionen – sogenannte Kontaktdermatitis, sagt Kraemer: «Man kommt mit dem Material in Kontakt, dann färbt sich die Haut rot, es bilden sich rote Bläschen und man bekommt Juckreiz. Wenn jemand sehr empfindliche Haut hat, kann es auch zu einem Ekzem kommen.»
Zu den besonders gefährdeten Gruppen zählen Menschen mit Neurodermitis, Allergikerinnen und Allergiker sowie Kleinkinder. Kraemer empfiehlt zudem, auf den eigenen Körper zu hören: «Wenn man merkt, dass die Haut in anderen Fällen bereits auf neue Kleider reagiert hat, dann sollte man die Kleider auf jeden Fall waschen.»
Auch empfiehlt sich das Waschen aus hygienischer Sicht. «Man weiss nicht, wer die Kleider im Laden vorher schon anprobiert hat», sagt Kraemer.
Wer ganz sichergehen will, kann sich an Labels orientieren. Gewisse Bio-Label versprechen, die Kleider ohne Chemikalien zu produzieren.
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