Parkschäden: Reparaturkosten sind bis 45 Prozent höher als 2023

- Reparaturen nach Parkschäden sind in der Schweiz seit 2023 deutlich teurer geworden, wie eine Analyse von Comparis zeigt.
- Die Reparaturkosten an einer Hintertür stiegen von 92 Franken im Jahr 2023 auf 134 Franken im Jahr 2025.
- Comparis-Experte Harry Büsser nennt komplexere Fahrzeugtechnik und höhere Werkstatt-Stundensätze als Hauptgründe.
Die Prämien für die Autoversicherungen sind dieses Jahr deutlich gestiegen. Auch die Kosten für die Behebung von Parkschäden sind deutlich höher. Das zeigt eine Analyse der Schadenkalkulationen der letzten zwei Jahre des Vergleichsdiensts Comparis.
Besonders stark erhöht haben sich demnach die durchschnittlichen Kosten für Reparaturarbeiten an Türen und anderen Karosserieteilen. So stiegen die Kosten für die Reparatur an einer Hintertür von 92 Franken im Jahr 2023 auf 134 Franken im Jahr 2025. Das entspricht einer Zunahme von 45,9 Prozent (siehe Tabelle).
Die Lackierkosten für eine Tür stiegen deutlich moderater. Die Lackierung einer Hintertür kostete 2023 im Durchschnitt 238 Franken. Zwei Jahre später waren es 246 Franken – eine Zunahme von 3,5 Prozent. Reparaturarbeit und Lackierung zusammen verteuerten sich bei der Hintertür damit von rund 330 auf 380 Franken beziehungsweise um rund 15 Prozent.
Auch der Ersatz beschädigter Bauteile wird teurer
Die durchschnittlichen Kosten der Ersatzposition einer Hintertür stiegen von 1006 Franken im Jahr 2023 auf 1098 Franken im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von 9,2 Prozent.
Rückleuchten spielen bei Parkschäden eine besonders grosse Rolle: 2025 entfiel fast jede dritte der ausgewerteten Arbeiten an den zehn untersuchten Bauteilen auf eine Rückleuchte. Gleichzeitig stiegen die durchschnittlichen Kosten für deren Ersatz von 337 Franken im Jahr 2023 auf 369 Franken im Jahr 2025 – ein Plus von 9,4 Prozent.
Experte staunt über Anstieg
Die allgemeine Teuerung kann die teilweise deutlich zweistelligen Kostensteigerungen nur zu einem kleinen Teil erklären, wie Comparis-Versicherungsexperte Harry Büsser sagt. Ein Kostentreiber dürfte seiner Meinung nach die zunehmend komplexe Fahrzeugtechnik sein.
Das durchschnittliche Auto auf Schweizer Strassen stammt heute aus einem neueren Jahrgang als noch vor drei Jahren und verfügt entsprechend häufiger über Sensoren, Elektronik und komplexe Bauteile. Allerdings erkläre das kaum die teils sehr hohen Anstiege bei den Reparaturkosten.
Deshalb dürften auch höhere Verrechnungssätze einen Teil der Entwicklung erklären. Gemäss dem Branchenspiegel der auf das Schweizer Autogewerbe spezialisierten Treuhand- und Beratungsfirma Figas stieg der durchschnittliche Werkstatt-Stundensatz 2024 um rund drei Prozent auf 172.30 Franken.
So entstand die Analyse
Die Analyse basiert auf Daten zu den zehn Fahrzeugteilen, die bei Parkschäden besonders häufig betroffen sind. Comparis bediente sich dabei der Daten von Solera, einem international tätigen Anbieter von Software- und Datenlösungen für die Berechnung und Abwicklung von Fahrzeugschäden. Ausgewertet wurden die Jahre 2023 bis 2025 sowie die durchschnittlichen Kosten für Reparatur, Lackierung und Ersatz. Je nach Bauteil, Arbeitsart und Jahr lagen zwischen 8895 und 619'000 erfasste Arbeitsvorgänge vor. Insgesamt umfasst die Analyse mehr als 7 Millionen Arbeitsvorgänge. Ein einzelner Schadenfall kann mehrere Arbeitsvorgänge umfassen, beispielsweise die Reparatur und die anschliessende Lackierung eines Bauteils.
Gleichzeitig nahm die Rentabilität des Werkstatt- und Ersatzteilgeschäfts zu, während die Margen im Neu- und Occasionshandel sanken. «Das Werkstatt- und Ersatzteilgeschäft wird für Garagen wirtschaftlich immer wichtiger. Ob höhere Verrechnungssätze oder Margen den Kostenanstieg in unseren Daten mitverursacht haben und, falls ja, in welchem Ausmass, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten», sagt Büsser.
Autofahrer sollten Versicherung prüfen
Der Experte empfiehlt wegen der höheren Schadenkosten die regelmässige Überprüfung der Autoversicherung. So lohne sich die Parkschadendeckung nicht immer. Begrenzte Parkschadendeckungen übernähmen häufig 1000 oder 2000 Franken pro Schadenfall und höchstens zwei Schäden pro Jahr.
«Versichern sollte man vor allem Schäden, die das eigene Budget empfindlich treffen.» Wer eine Rechnung von 1000 oder 2000 Franken problemlos selbst bezahlen könne, brauche nicht zwingend eine Parkschadendeckung. «Würde ein solcher Betrag finanziell stark schmerzen oder hat das Auto eine besonders teure Lackierung, kann die Versicherung sinnvoll sein», so Büsser.
Tipps vom Comparis-Experten Harry Büsser
- Autoversicherung vergleichen: Nicht nur die Prämie, sondern auch Selbstbehalt, Deckungslimite und die Zahl der versicherten Schadenfälle vergleichen.
- Deckungslimite prüfen: Eine Versicherungssumme von 1000 Franken kann bei einem aufwendigen Schaden oder einer Speziallackierung zu tief sein.
- Selbstbehalt berücksichtigen: Bei kleineren Schäden kann es günstiger sein, die Rechnung selbst zu bezahlen.
- Folgekosten beim Autokauf beachten: LED-Leuchten, Kameras, Sensoren und Speziallackierungen können spätere Reparaturen verteuern.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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