BYD bringt Premiumautos: Müssen Mercedes, BMW und Co. zittern?

- BYD lanciert in der Schweiz die Premiummarke Denza und greift damit europäische Luxusautohersteller an.
- Die ersten Modelle Z9 (ab 101'000 Franken) und D9 (ab 84'000 Franken) sind seit Mittwoch erhältlich.
- Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zweifelt am Erfolg: Denza fehle ausser dem Preis ein klares Alleinstellungsmerkmal.
BYD ist seit gut einem Jahr in der Schweiz aktiv. Im vergangenen Monat hat der chinesische Autohersteller erstmals Tesla bei den Auslieferungen überholen können und sich in den Top 10 klassiert. Jetzt greift BYD mit einer neuen Marke den Premiumbereich an.
Am Mittwoch gab der neue BYD-Schweiz-Chef Ferdinando D'Apice im Nobelhotel Dolder Grand den Marktstart der E-Automarke Denza bekannt. Den anwesenden Partnern, Autohändlern und Journalisten stellte er die Modelle der Marke vor.
Das ist Denza
Die Marke Denza war ursprünglich ein 2010 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen von BYD und Daimler (heute Mercedes-Benz). Mittlerweile gehört Denza komplett BYD.
Seit Mittwoch sind die Modelle Z9 und D9 in der Schweiz erhältlich.
Denza Z9
Der Denza Z9 ist eine elektrische Limousine. Er orientiert sich an der deutschen Oberklasse wie Porsche Taycan, Mercedes EQS und BMW i5. Das Modell verfügt über drei Elektromotoren und bietet eine Reichweite von bis zu 705 Kilometern.
Punkten will Denza mit 1156 PS und einer Beschleunigung von 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Ende des Jahres soll es zudem eine schnellere Ladegeschwindigkeit geben. Dann soll der Wagen in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent aufgeladen sein.
Dazu gibt es Gimmicks wie eine seitliche Fahrt («Crab Walk»). Mit der Funktion «Pencil Compass Turn» lässt sich das Auto nahezu auf der Stelle um die eigene Achse drehen.
Den Z9 gibt es in zwei Versionen zu Einstiegspreisen von 101'000 Franken (Z9GT DM) und 115’000 Franken (Z9GT EV).

Denza D9
Der Denza D9 ist ein Minivan für Familien. Er soll Platz für sieben Erwachsene, sieben Koffer und sieben Handgepäckstücke bieten. Seine Reichweite beträgt 950 Kilometer.
Im Innern sind 20 Lautsprecher der französischen Marke Devialet verbaut mit insgesamt 1100 Watt. Dazu gibt es wie beim Z9 Extras wie einen integrierten kleinen Kühlschrank, der auch eine Heizfunktion bis 50 Grad bietet. Alle Sitze verfügen zudem über Heiz-, Belüftungs- und Massagefunktionen sowie einen Nappa-Leder-Bezug.
Das Modell ist in zwei Versionen erhältlich ab 84'000 Franken (D9 Elegance) respektive 89'000 Franken (D9 Ultimate).

Noch in diesem Jahr sollen weitere Modelle in der Schweiz erhältlich sein. Den Offroader Bao 5 soll es ab 77'900 Franken geben.
Konkurrenz für Ferrari und Lamborghini?
Ebenfalls noch in diesem Jahr soll es das Modell Z geben. Es erregte bei den Gästen des Anlasses die grösste Aufmerksamkeit. Die Rennversion bietet Leistungswerte wie 1604 PS, eine Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h von 1,96 Sekunden und 350 km/h Topspeed.
Damit greift Denza die Sportwagenhersteller Ferrari und Lamborghini an, ist mit Preisen ab 149'900 Franken (Coupé) bis 179'900 Franken (Racing) aber weit darunter.

Acht Jahre Garantie
BYD setzt auf ein Händlervertriebsmodell. Bisher bieten rund 40 Partnerunternehmen die Autos zum Kauf an. Drei davon verkaufen ab sofort auch die ersten Denza-Modelle. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen die Zahl der Denza-Händler auf sechs erhöhen und bis Ende 2027 auf mindestens 18.
BYD-Chef Ferdinando D'Apice verspricht für die Denza-Modelle exklusiv in der Schweiz acht Jahre Garantie. In Europa sind es sechs Jahre. Zudem sind die Wartungskosten während sechs Jahren inbegriffen.
Das sagt der Experte
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Bochum sieht die BYD-Strategie kritisch. BYD setze auf das Massenprinzip mit vielen Modellen und Marken, doch das könne zu Kundenverwirrung führen, wie sich in der Vergangenheit oft gezeigt habe. «Es fehlt bei BYD das Verständnis von der Funktionsweise und dem Wert von Marken», sagt Dudenhöffer zu 20 Minuten.
Damit sei BYD das Gegenteil von Tesla. Die US-Marke habe mit sehr präziser Positionierung und innovativer Technik eine starke Marke aufgebaut. Deshalb sei Tesla auch in China sehr beliebt, während die Verkäufe von BYD abnähmen.
Wie schätzt du die Chancen von Denza im Schweizer Premium-Markt ein?
Für Denza sieht er keine grosse Zukunft in der Schweiz. Ausser dem Preis fehle das Alleinstellungsmerkmal. Für Elektromobilität stehe Tesla, gute Technik gebe es beispielsweise bei Xiaomi, Qualität und Hochwertigkeit bei Mercedes und die bessere Fahrleistung bei Porsche, Audi oder BMW. «Bei Denza gibt es das Elektroauto billiger, aber ist das Premium?»
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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