Doppelter Schweizer Podest-Jubel in Sölden

Bei Odermatts Jubiläums-Rennen
Doppelter Schweizer Podest-Jubel in Sölden
Doppelter Schweizer Podestjubel zum Saisonauftakt. Loïc Meillard und Marco Odermatt werden nur von einem Mann geschlagen: Lucas Braathen.
Publiziert: vor 23 Minuten
Ramona BieriRedaktorin Sport
Das Podest
- Lucas Braathen (Bra) 1:44,72
- Loïc Meillard (Sz) +0,48
- Marco Odermatt (Sz) +0,49
Das Rennen
Seit seinem Olympiasieg ist Lucas Braathen im Riesenslalom ungeschlagen, hat drei Triumphe aneinander gereiht und sich die kleine Kugel geschnappt. Beim Saisonauftakt zeigt er, dass das daraus gewonnene Selbstvertrauen über den Sommer geblieben ist. Mit einer angriffigen Fahrt liegt er zur Halbzeit in Führung – und spürt den Atem von zwei Schweizern im Nacken. Loïc Meillard liegt mit 0,24 Sekunden Rückstand auf Platz 2, Marco Odermatt verliert als Vierter etwas mehr als eine halbe Sekunde.
Und die beiden blasen im 2. Lauf zum grossen Angriff. Erst setzt sich Odermatt an die Spitze, dann wird er von Meillard um einen Hauch verdrängt. Nur noch einer kann den Schweizer Doppelsieg verhindern: Braathen. Und der setzt seine Riesenslalom-Dominanz fort. Mit einer Machtdemonstration sichert er sich den vierten Sieg in Serie – erstmals fiebert im Zielraum Freundin Isadora Cruz mit. Als Braathens Triumph feststeht, kann sie sich ein paar Freudentränchen nicht verkneifen
Die Schweizer
23. Thomas Tumler +1,89
25. Lenz Hächler +2,14
Den 2. Lauf verpassen: 41. Fadri Janutin +1,96; 42. Luca Aerni +1,97; 49. Gino Caviezel +2,46; 61. Giuliano Fux +3,06
Mit Startnummer 43 zeigt Lenz Hächler einen starken 1. Lauf. Als 27. schafft er zum zweiten Mal nach Beaver Creek letzten Winter den Sprung in die Entscheidung. Dort kann er die tiefe Startnummer nicht ausnutzen. Er verpasst den zwischenzeitlichen Sprung an die Spitze, darf sich aber über seine zweiten Riesenslalom-Punkte freuen.
Thomas Tumler bekundet mit den Bedingungen im 1. Lauf Mühe, er verliert fast anderthalb Sekunden auf die Bestzeit. Als 25. profitiert er dafür in der Entscheidung von einer tieferen Startnummer. Aber auch das nützt nichts, die grosse Aufholjagd bleibt aus.
Gino Caviezel startet zum Comeback 2.0. Nach seiner schweren Knieverletzung, die er im Dezember 2024 erlitten hat, bestritt er letzten Winter schon den Riesenslalom in Schladming, nun ist er endgültig zurück. Für den 2. Lauf reicht seine Leistung nicht, er verliert zu viel Zeit. Auch Fadri Janutin, Luca Aerni und Giuliano Fux, der den ersten Weltcup-Riesenslalom seiner Karriere bestreitet, verpassen die Entscheidung deutlich.
Die Stimmen gegenüber SRF
Loïc Meillard: «Bis jetzt hat es nicht funktioniert in Sölden. Jetzt bin ich richtig froh, hats mit dem ersten Podestplatz hier geklappt. Der Steilhang war bisschen weniger gut als im ersten Lauf, dafür das Flache besser. Es waren zwei solide Läufe. Wenn wir am Abend als Familie zusammen sind, werde ich den Unterschied merken, dass ich jetzt erstmals als Papi gefahren bin. Nach dem Rennen bleibt dafür noch keine Zeit.»
Marco Odermatt: «Der Podestplatz hat viel Wert. Ich habe mich noch nicht auf dem gleichen Level gefühlt wie in anderen Jahren. Wenn man trotzdem aufs Podest fahren kann, ist es richtig cool. Ich glaube im zweiten Lauf bin ich auch wieder richtig Rennen gefahren und nicht einfach schön. Ich habe am Morgen genau das nicht gemacht, was mich jahrelang schnell gemacht hat und das ist die Ski bergab stellen und erst bremsen wenn der Fehler kommt und nicht schon davor.»
Thomas Tumler: «Ich bin nicht zufrieden. Im zweiten Lauf habe ich versucht, alles reinzulegen. Das ist mir nicht gelungen. Mein Gefühl war besser als die Zeit. Ich muss über die Bücher gehen, was ich besser machen kann. Schon im ersten Lauf hatte ich kein schlechtes Gefühl. Dann wollte ich die Ausgangslage mit der tiefen Startnummer ausnutzen, das ist mir nicht gelungen. Ich kämpfe weiter, jetzt kommen meine Rennen in Amerika. Da hoffe ich wieder auf ein gutes Gefühl und eine schnelle Zeit.»
Lenz Hächler: «Das Grundziel habe ich erreicht. Im ersten Lauf war noch ein Fehler drin, doch es waren zwei solide Läufe. Im zweiten hätte ich noch etwas mehr angreifen können. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Im Steilen fehlt mir noch etwas das Selbstvertrauen, um wirklich anzugreifen. Dafür habe ich gezeigt, dass ich im Flachen schnell sein kann.»
Das gab zu reden
Jubiläum für Marco Odermatt. In Sölden, wo er vor zehn Jahren als 17. seine ersten Weltcuppunkte (14 waren es) eingefahren hat, bestreitet er sein 200. Rennen auf höchster Stufe. Und hat die Chance, gleich mehrere beeindruckende Marken zu knacken. Mit seinem vierten Sölden-Triumph nach 2021, 2022 und 2025 könnte er mit Rekordsieger Ted Ligety (USA) gleichziehen. Gleichzeitig würde er mit seinem 55. Weltcupsieg mit Vreni Schneider gleichziehen, die geschlechterübergreifend noch der Schweizer Ski-Star mit den meisten Siegen ist. Und in der ewigen Bestenliste der Männer würde Odermatt den Österreicher Hermann Maier hinter sich lassen und wäre neu alleiniger Drittplatzierter hinter Ingemar Stenmark (Sd, 86 Siege) und Marcel Hirscher (Ö/Ho, 67 Siege). Dafür brauchts im 2. Lauf eine Aufholjagd, Odermatt liegt 55 Hundertstel hinter Leader Lucas Braathen. Die Aufholjagd kommt zwar, zu mehr als Platz 3 reicht sie nicht. Damit steht Odermatt zum 103. Mal auf dem Podest und lässt dennoch zwei Legenden hinter sich: Mit seiner 47. Top-3-Klassierung im Riesenslalom überflügelt er Vreni Schneider und Michael von Grünigen (je 46) und ist damit neu der erfolgreichste Schweizer Riesenslalomfahrer.
Das gab zu reden II
69 Fahrer nehmen den 1. Lauf unter die Ski – nur vier schaffen es auf dem verkürzten Kurs nicht ins Ziel. Unter den ersten 50 Startern gibts nur einen Ausfall, dafür einen prominenten. Mit Marco Schwarz erwischts ausgerechnet einen Lokalmatador. Der Österreicher hat im Hinblick auf diese Saison dem Slalom den Rücken gekehrt und richtet den Fokus neben dem Riesenslalom auch vermehrt auf die Speed-Disziplinen. Zum Saisonauftakt erleidet er das gleiche Schicksal wie Teamkollegin Julia Scheib am Samstag. Wobei Schwarz bei seinem Ausfall, der auf zu viel Risiko zurückzuführen ist, immerhin einen Sturz verhindern kann. Eine Enttäuschung ist dennoch. Oder ein gutes Omen? Denn in den letzten beiden Jahren sind die Kugelgewinner – Odermatt 2024 und Braathen 2025 – in Sölden jeweils im 1. Lauf ausgeschieden.
Das gab zu reden III
Zwölf Jahre ist es her, seit die Österreicher in Sölden den letzten Heimsieg gefeiert haben. 2014 triumphierte Marcel Hirscher vor Fritz Dopfer (De) und Alexis Pinturault (Fr). Nur zu gerne würden die Gastgeber diese Durststrecke beenden. Zur Halbzeit sind die Chancen intakt – Stefan Brennsteiner lauert als Dritter mit 0,49 Sekunden Rückstand. Die Ausgangslage kann er nicht nutzen, er fällt noch auf Rang 11 zurück. Und das Warten geht weiter.
Das gab zu reden IIII
Mit Startnummer 46 überrascht Freddy Carrick-Smith. Der 19-jährige Brite prescht auf Rang 21 vor, büsst im Vergleich mit Braathen nur 1,37 Sekunden ein. Damit qualifiziert er sich in seinem fünften Weltcuprennen zum ersten Mal für die Entscheidung. Gleichzeitig ist er der erste Brite, der im Sölden-Riesenslalom den 2. Lauf erreicht. Dort zeigt er einen weiteren soliden Lauf und sichert sich als Zwölfter seine ersten Punkte.
Die Bedingungen
Es windet in Sölden, die Bedingungen sind garstig. Denn die Sicht ist durch den bewölkten Himmel flach. Daran ändert auch die Sonne nichts, die zwischendurch leicht durchdrückt. Wegen des Windes wird der Start zum Reservestart versetzt. Zudem muss der Zielbogen abmontiert werden. Aber die Piste hält. Am Nachmittag ist es mit dem Wind besser, auch die Sonne drückt mehr durch die Wolkendecke.
So gehts weiter
Das nächste Rennen findet in drei Wochen mit dem Slalom von Levi (Fi) statt. Noch länger dauerts bis zum zweiten Riesenslalom in diesem Winter. Dieser geht erst am 29. November in Beaver Creek (USA) über die Bühne.
Externe Inhalte
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