Kreuzfahrt wird zum Fiasko: «Nach 2 Jahren von Bord geschmissen»

Sie gaben ihr Leben auf Hawaii und ihr Autogeschäft auf, um 15 Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff zu wohnen: Lanette Canen und Johan Bodin zogen Mitte 2024 auf die Villa Vie Odyssey. Auf ihrer dreieinhalbjährigen Weltreise sollte das Schiff 425 Häfen in 147 Ländern ansteuern.
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Nun liegt die Odyssey wegen finanzieller Probleme in Kambodscha still. Am Dienstag erfuhren die beiden und Hunderte andere Bewohnerinnen und Bewohner gegen 6 Uhr morgens, dass sie bis 14 Uhr von Bord müssen. «Mein erster Gedanke war: Was packe ich ein?», schreiben sie auf Anfrage von 20 Minuten. «Wir waren am Boden zerstört. Es gab viele Umarmungen und Tränen.»
100’000 Dollar für die Kabine bezahlt
Nun nennen die beiden gegenüber 20 Minuten ihre Kosten: «Wir haben ungefähr 100’000 US-Dollar für unsere Kabine bezahlt.» Dazu kamen vereinbarte monatliche Gebühren von rund 3500 Dollar für beide zusammen, inklusive Essen, Reinigung, Wäsche, Internet und der Angebote an Bord.
Mit einer Rückzahlung rechnen sie nicht. «Nach unserem Verständnis ist schlicht kein Geld vorhanden, um uns etwas zurückzuzahlen.» Der Betreiber Villa Vie Residences nennt stark gestiegene Treibstoffkosten seit Beginn des Iran-Kriegs als Grund für den vorläufigen Betriebsstopp, wie NBC News berichtet. In den nächsten 60 Tagen will sich das Unternehmen neu aufstellen und frisches Kapital beschaffen. Ob das gelingt, ist offen.
«Wir hofften noch auf einen Wunderinvestor»
Für Lanette und Johan kam die Krise nicht aus dem Nichts. In ihrem Youtube-Video beschreiben sie die vergangenen zwei Monate als emotional erschöpfend: Immer wieder folgten auf schlechte Nachrichten neue Hoffnungen auf eine Rettung.
Gegenüber 20 Minuten erklären sie nun, ein möglicher Investor habe das Schiff geprüft. Wenige Tage vor der Aufforderung, von Bord zu gehen, hätten sie erfahren, dass die Investition nicht zustande komme. «Damit wurde die Möglichkeit, gehen zu müssen, viel realer. Trotzdem hofften wir noch auf einen Wunderinvestor.»
Sie wollen nicht zurück auf die Odyssey
Die beiden wohnen aktuell in einem Hotel in Sihanoukville. Villa Vie helfe mit Shuttles und beim Gepäck. «Wir erhalten keine finanzielle Unterstützung von der Firma», schreiben sie. Gründer Mikael Petterson kündigte gegenüber Bloomberg hingegen an, Unterkunft und lokale Transporte zu übernehmen. 20 Minuten hat Villa Vie angefragt, bisher aber keine Antwort erhalten.
Einen Termin für eine mögliche Rückkehr habe Villa Vie ihnen nicht genannt. Für das Paar steht ohnehin fest: «Unabhängig davon, ob der Betrieb wieder aufgenommen wird, haben wir beschlossen, weiterzuziehen.» Denn der Betreiber habe höhere Monatsgebühren geplant. «Die geplante Erhöhung hätte das Leben an Bord für uns unbezahlbar gemacht.»
Nach etwa einer Woche in Sihanoukville wollen sie zunächst nach Phnom Penh. Danach möchten sie Südostasien bereisen, etwa Vietnam, Bali und Thailand. Die tieferen Lebenshaltungskosten sollen ihnen ermöglichen, weiterzureisen, während sie ihre Zukunft planen. Auch andere ehemalige Mitreisende bleiben an Land zusammen. Freundschaften und Gemeinschaft bestehen weiter.
«Die Erfahrung war es trotzdem wert»
Ihre Begeisterung für das Leben auf See ist geblieben: «Ganz klar: Wir würden uns wieder für ein Leben auf einem Kreuzfahrtschiff entscheiden», schreiben Lanette und Johan. Besonders liebten sie die Gemeinschaft.
«Obwohl wir viel Geld investiert haben, finden wir immer noch, dass die Erfahrung es wert war. Es bricht uns das Herz, dass unsere Zeit an Bord vorzeitig zu Ende ist. Aber wir schätzen alles, was uns diese zwei Jahre gegeben haben.»
Würdest du dein altes Leben aufgeben, um auf einem Kreuzfahrtschiff zu leben?
Laura Zygmunt (lmz) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Lifestyle und schreibt über die Welt des Reisens.
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