Was Jena noch zum absoluten Titelfavoriten fehlt
Der FC Carl Zeiss Jena hat sich stabilisiert, doch ausgerechnet im entscheidenden Bereich fehlt der letzte Schritt. Nach dem torlosen Remis gegen den BFC Dynamo steht die Mannschaft von Trainer Marco Grote mit 26 Punkten auf Rang 5 der Regionalliga Nordost. Der Rückstand auf Spitzenreiter Rot-Weiß Erfurt beträgt fünf Zähler.

Erfolgreichster Jenaer Torschütze: Youngster Emilio Munser IMAGO/Bild13
Mit nur zwölf Gegentoren besitzt der FCC ein solides Fundament, vorne aber lässt Jena momentan zu viel liegen. 23 Treffer nach 14 Spielen sind ordentlich, doch gerade in engen Partien fehlt zu häufig die Konsequenz im Abschluss. Gegen den BFC bot sich mehrfach die Chance, das Verfolgerduell auf die eigene Seite zu ziehen. Stattdessen stand zum ersten Mal nach drei Siegen in Serie wieder kein eigener Treffer.
Dabei zieht sich das Thema Chancenverwertung inzwischen durch mehrere Wochen. Beim 2:1 gegen Magdeburg II benötigte Jena einen späten Treffer von Timon Burmeister für den Sieg. In Luckenwalde folgte das nächste 2:1, wiederum mit vergebenen Möglichkeiten.
Gegen Dynamo blieb schließlich selbst der Lucky Punch aus. Luca Wollschläger hatte eine der besten Möglichkeiten der zweiten Hälfte, setzte den Ball bei seinem Alleingang jedoch knapp am Tor vorbei. Schon zuvor agierte Jena im letzten Drittel teilweise zu überhastet. Es fehlt weniger am Aufwand als an der Konsequenz. Jena gelangt in Abschlusspositionen, belohnt sich dafür aber zu selten. Genau das verhindert derzeit, dass aus einer stabilen Mannschaft ein Team wird, das die Spitze noch stärker unter Druck setzt.
Verschärft wird die Situation durch die personellen Probleme. Gegen den BFC musste Marco Grote in seiner Offensive erneut reagieren. Timon Burmeister, dessen Vertrag erst vor wenigen Tagen vorzeitig bis 2028 verlängert wurde, plagt sich mit Rückenproblemen herum. Der 23-Jährige ist mit seiner Vielseitigkeit wichtig, hatte gegen Magdeburg II noch den Siegtreffer erzielt und gehört zum Stammpersonal.
Kaltschnäuzigkeit im Sechzehner fehlt
Auch Elias Löder und Emilio Munser bereiten nach dem BFC-Spiel Verletzungssorgen. Was die beiden genau plagt, soll am Montag bei einer intensiven ärztlichen Untersuchung herausgefunden werden. Gerade ein längerer Ausfall Munsers würde Jena treffen: Der 18-Jährige hatte sich früh in der Saison als einer der auffälligsten Offensivspieler etabliert, wurde für die deutsche U19 nominiert und verlängerte seinen Vertrag beim FCC bis 2029.
Für Grote entsteht damit eine schwierige Gemengelage. Defensiv ist seine Mannschaft inzwischen verlässlich, spielerisch reicht es ebenfalls regelmäßig, um sich Möglichkeiten zu erarbeiten. Doch im Aufstiegsrennen entscheiden nicht allein Spielkontrolle und Stabilität. Jena benötigt mehr Tore aus seinen guten Phasen und mehr Kaltschnäuzigkeit im Strafraum.
Mit Erfurt, Chemnitz, Halle und Altglienicke stehen vier Mannschaften vor dem FCC. Noch ist der Abstand überschaubar. Aber die Thüringer müssen verhindern, dass sich aus fehlender Effektivität ein dauerhaftes Problem entwickelt. Gerade angesichts der angeschlagenen Offensivkräfte werden nun auch Spieler aus der zweiten Reihe gebraucht. Die Ausgangslage ist klar: Jena ist nah genug dran, um weiter nach oben schauen zu können. Doch dafür müssen aus Chancen wieder häufiger Tore und aus engen Spielen drei Punkte werden. Stabilität hält den FCC im Rennen. Effektivität entscheidet, ob er darin auch bis zum Ende eine entscheidende Rolle spielen kann.
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