Fragwürdige Anlageberatung – Kundinnen und Kunden der VVK bangen um ihr Geld – Chef sagt Adieu

Das ist passiert: Die Firma VVK (Vorsorge- und Vermögenskonzepte) mit Sitz in Teufen (AR) vermittelt im Rahmen ihrer Beratung auch Obligationen. Zwei der empfohlenen Geldanlagen haben sich als Flop entpuppt. Die Investitionsvehikel – IDG Drei und Sun Contracting – sind Pleite gegangen. Viele Anlegerinnen und Anleger haben dadurch Geld verloren. Die VVK kam in die Schlagzeilen.
Das erleben betroffene Kundinnen und Kunden: Betroffen vom Konkurs der IDG Drei ist unter anderem ein pensioniertes Ehepaar aus dem Kanton Bern. 10'000 Franken sind weg. Nun zittern sie um weitere 10'000 Franken, eine Investition in die Liechtensteiner Firma MT Performa. Diese ist auf die Finanzierung von Immobilienprojekten spezialisiert. Gemäss Vertrag ist die fünfjährige Anleihefrist Ende 2025 abgelaufen. Seit Januar 2026 wäre also die Rückzahlung fällig. Seither werde er vertröstet, sagt der Pensionär im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Er hat die Nase voll. «Ich fordere, dass die VVK nun endlich etwas tut und versucht, an dieses Geld heranzukommen.»
Ich fühle mich reingelegt und ausgenutzt.
Eine alleinerziehende Mutter und Lehrerin aus dem Kanton St. Gallen bangt gar um 50'000 Franken. Der Lehrerinnen- und Lehrerverband habe ihr die VVK empfohlen, sagt sie. Und deren Berater habe ihr überzeugend dargelegt, dass das Geld via MT Performa in eine Immobilie bzw. in ein Grundstück in Deutschland fliesse. Und dass dies eine sehr sichere Investition sei – mit fünf Prozent Zins. Die Frau befürchtet nun einen Totalverlust. Tatsächlich steht es schlecht um die finanzielle Situation der MT Performa. Die St. Galler Lehrerin kritisiert die VVK, die ihr das eingebrockt hat: «Ich fühle mich reingelegt und ausgenutzt. Der VVK hat ihre eigenen Interessen verfolgt, nämlich möglichst viel Geld zu kassieren.» Tatsächlich streicht die VVK für jede erfolgreich vermittelte Obligation eine Provision ein.
Ich habe den Eindruck, dass es diese Firma mit den Regeln nicht so genau nimmt.
Das sagt der Finanzexperte: Der unabhängige Finanzexperte Christian Dreyer hat sich die konkreten Fälle und die VVK näher angeschaut. Sein Fazit ist wenig schmeichelhaft: «Bei mir drängt sich der Eindruck auf, dass die VVK eine Firma ist, die es mit den Regeln nicht so genau nimmt.» So wäre es unter anderem regelkonform gewesen, die Anleger im Januar auszuzahlen, sagt Dreyer: «Diese Rückzahlung ist längstens fällig und in Verzug.» Anlegerinnen und Anleger könnten nun ihre Ansprüche geltend machen. Am besten mit juristischer Unterstützung. Und zwar bei der VVK und der MT Performa. Letztere ist nach Einschätzung des Experten nicht viel mehr ein risikobehaftetes, «dünn kapitalisiertes Anlagevehikel».
Der Chef der VVK, Willy Graf, nimmt gegenüber SRF ausführlich schriftlich Stellung und weist dabei jede Kritik von sich. Die Betroffenen – das Berner Ehepaar und die St. Galler Lehrerin – «haben bisher mit der MT Performa keinen Schaden erlitten». Graf räumt ein, dass sich die Firma in einem Liquiditätsengpass befinde, bezeichnet die Anlage aber weiterhin als sicher. Man habe die Kundinnen und Kunden vor der Vertragsunterzeichnung aber gleichwohl auf das Risiko eines Totalverlusts hingewiesen. Zudem habe man die Anleger immer wieder über die Situation informiert. Graf argumentiert, unter dem Strich hätten die Kundinnen und Kunden dank der umfassenden Vorsorge- und Finanzberatung der VVK anderweitig finanziell profitiert und unter dem Strich sogar gewonnen.
Die Liechtensteiner Firma MT Performa hat auf die Fragen von SRF nicht reagiert.
Veränderungen bei der VVK: Die VVK hat sich in den letzten Wochen transformiert. Laut Handelsregister wurde ihr Firmenzweck geändert. Neu macht die VVK demnach keine Anlageberatung mehr, sondern nur noch Beratung und Coaching in finanziellen Fragen. Keine bewilligungspflichtigen Geschäfte. Und: Ende September wurden die VVK-Kundinnen und -Kunden darüber informiert, dass sich Chef Willy Graf Ende 2026 zurückzieht und sein «Lebenswerk» einem seiner Berater und dessen eigener Firma, der UFP GmbH, übergibt. Jener Berater, notabene, der damals der St. Galler Lehrerin jene 50'000-Franken-Obligation empfohlen hat.
Die Geschäftsführerin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), Antoinette Killias, bestätigt auf Anfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso», dass der Verband bei seinen Mitgliedern fast 30 Jahre lang Werbung gemacht habe für die Vorsorge-Workshops der VVK. Man bedaure es, dass die bis zum Bekanntwerden der beiden Firmenkonkurse «sehr positiv wahrgenommene Dienstleistung» nun für einzelne Mitglieder finanzielle Einbussen zur Folge hatte. «Wichtig festzuhalten ist aber, dass der LCH keine Empfehlung abgegeben hat für den Kauf von Anlagen, welche die VVK anbietet.» Obwohl seitens der VVK bislang keine rechtlich relevanten Unterlassungen bekannt geworden seien, habe sich der LCH nach Bekanntwerden des zweiten Konkurses dazu entschieden, die Zusammenarbeit mit VVK zu sistieren.
Pikant: Der ehemalige, langjährige Präsident des Schweizer Lehrerverbandes, Beat W. Zemp, und VVK-Chef Willy Graf kennen sich seit vielen Jahren. Die beiden sitzen nun zusammen im Vorstand des Vereins «Ombudsstelle für Finanzdienstleister», der sich für qualitativ gute Finanzberatungen einsetzt.
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