Brandy Melville schliesst die Umkleiden – jetzt auch in Zürich

Noch Anfang Juni sagte eine Mitarbeiterin in der Zürcher Brandy-Melville-Filiale gegenüber 20 Minuten, sie wisse nichts von einer möglichen Schliessung der Umkleidekabinen. In Läden in den USA und einem Shop in London hatte die Modemarke damals bereits damit begonnen, Kabinen abzubauen.
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Nun ist es auch hierzulande so weit. In der Zürcher Filiale am Rennweg sind die Umkleidekabinen bereits geschlossen. Ein Schild weist laut dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» darauf hin: «Um die Qualität unserer Waren zu gewährleisten, ist das Anprobieren von Kleidung nicht erlaubt.»
Wie beurteilst du es, wenn ein Laden das Anprobieren von Kleidung verbietet?
Und schnell ein Shirt über das eigene Oberteil ziehen? Ebenfalls verboten, wie mehrere aktuelle Google-Rezensionen zur Zürcher Filiale berichten. Eine Kundin nennt die Regel «einfach nur einen Witz». Andere schreiben, sie hätten ihre ausgewählten Kleider wieder zurückgelegt und den Laden ohne Einkauf verlassen.
Umkleidekabinen in Basel und Genf noch offen
Brandy Melville betreibt aktuell vier Schweizer Filialen: in Zürich, Basel, Genf und Lugano. 20 Minuten hat nachgefragt, ob die Umkleidekabinen auch in den anderen Stores bald schliessen. Eine Mitarbeiterin in Basel verneint: «Unsere Umkleiden sind noch offen und ich glaube auch nicht, dass wir sie demnächst schliessen werden.» Auch der Store in Lugano teilt mit: «Unsere Umkleidekabinen sind geöffnet.» In Genf ist man zurückhaltender. Eine Mitarbeiterin sagt auf Anfrage von 20 Minuten, sie sei nicht befugt, Nachfragen zu dem Thema zu beantworten. «Das Einzige, was ich sagen kann: Noch kann man Kleidung anprobieren.»
Kaugummi war schon im Juni ein Problem
Als 20 Minuten im Juni die Zürcher Filiale besuchte, waren die Umkleiden noch geöffnet. In mehreren davon klebten jedoch alte Kaugummis an den Wänden, mit denen Kundinnen offenbar die Vorhänge fixiert hatten.
Dieses Problem nannten Angestellte in den USA damals gegenüber der BBC als einen Grund für die geschlossenen Kabinen. Auf Tiktok zeigten Mitarbeiterinnen, wie sie Kaugummireste von Wänden und Vorhängen entfernten. Für Zürich nennt eine Verkäuferin nun einen anderen Grund. Gegenüber «Espresso» sagt sie, es sei zu viel gestohlen worden. Brandy Melville selbst beantwortete laut SRF mehrere Anfragen nicht. Der Kundendienst verwies darauf, nur für Onlinebestellungen zuständig zu sein.
«Dann kauft man Kleidung, die nicht passt»
Bei der Kundschaft kommt die Regel schlecht an. Besonders heikel: Brandy Melville verkauft einen grossen Teil seiner Kleidung nach dem Modell «One Size fits most», also in Einheitsgrössen. Ob ein Teil tatsächlich sitzt, lässt sich damit erst nach dem Kauf herausfinden.
«Mich als Kundin wird man nicht mehr sehen, denn ich kaufe nichts, von dem ich nicht weiss, ob es gut sitzt», schreibt eine Frau in einer Google-Rezension zur Zürcher Filiale.
In einer zweiten Rezension schreibt jemand, ihre Töchter hätten mehrere Teile anprobieren wollen. Weil das nicht möglich gewesen sei, hätten sie am Ende nichts gekauft. Andere berichten, Mitarbeiterinnen hätten sie daran gehindert, Oberteile über der eigenen Kleidung anzuprobieren.
Dazu kommt: Eine Rückerstattung in Bargeld gibt es bei Brandy Melville generell nicht. Man kann nur gegen eine Gutschrift umtauschen.
Verboten ist der Abbau der Umkleiden nicht
So ungewöhnlich das Konzept ist: Rechtlich darf Brandy Melville das Anprobieren verbieten. Der Dachverband des Schweizerischen Detailhandels, die Swiss Retail Federation, erklärt gegenüber «Espresso», Ladenbetreiber könnten aufgrund ihres Hausrechts selbst bestimmen, ob und wie Kundinnen Kleidung anprobieren dürfen. Dem Verband seien aber keine anderen Kleidergeschäfte in der Schweiz bekannt, die so vorgingen.
Bei der Stiftung für Konsumentenschutz sind bereits mehrere Meldungen zum Fall eingegangen. Livia Kunz vom Konsumentenschutz kritisiert die Regel gegenüber SRF deutlich: «Dass diese Möglichkeit den Kundinnen verwehrt bleibt, ist für uns unverständlich und sehr kundenunfreundlich.»
Wie gehst du sicher, dass dir Teile, die du nicht anprobieren kannst, auch passen?
Malin Mueller (mmu) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin Lifestyle und Beauty-Redaktorin. Ihr Fokus: Hautpflege, Frisuren und Trend-Checks.
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