«Kann tödlich sein»: Psychiater warnt vor Presleys Sucht-Therapie

- Im März sprach Presley Gerber öffentlich auf Instagram über eine Ibogain-Therapie gegen seine Drogensucht.
- Kurz darauf stirbt der 27-jährige Sohn von Cindy Crawford (60) in einer Rehabilitationsklinik. Untersucht wird eine mögliche Überdosis.
- Ibogain ist in der Schweiz nicht zugelassen – Suchtmediziner Thilo Beck warnt vor tödlichen Herzproblemen als Risiko.
Presley Gerber ist am Sonntag im Alter von 27 Jahren überraschend gestorben. Der Sohn von Cindy Crawford (60) und Rande Gerber (64) starb laut US-Medien in einer Rehabilitationsklinik, wo er sich für seine Drogensucht behandeln liess. Untersucht wird eine mögliche Überdosis. Presley sprach im März auf Instagram offen darüber, eine Ibogain-Therapie auszuprobieren, um seine Erkrankung zu bekämpfen.
Dabei handelt es sich um eine Substanz, die aus einer westafrikanischen Buschpflanze gewonnen wird. Das Halluzinogen ist in der Schweiz nicht zugelassen. Dr. med. Thilo Beck, Chefarzt am Arud Zentrum für Suchtmedizin in Zürich, warnt auf Anfrage: «Ibogain kann Herzprobleme verursachen, die im schlimmsten Fall tödlich enden. Die Substanz stört die elektrische Reizleitung im Herzen, wodurch Herzflimmern entstehen kann.»
Über den Experten
Dr. med. Thilo Beck zählt zu den führenden Suchtmedizinern der Schweiz. Er ist Chefarzt am Arud Zentrum für Suchtmedizin in Zürich. Seine Schwerpunkte liegen in der Psychiatrie und Psychotherapie von Abhängigkeitserkrankungen.
Ibogain ist vielversprechend, braucht aber mehr Forschung
Unter medizinischer Aufsicht sei das Risiko relativ gering. Ibogain müsse aber allgemein noch stärker untersucht werden. «Seit den 80er-Jahren gibt es Hinweise dafür, dass die Substanz in der Therapie von Personen mit einer Suchterkrankung hilfreich sein kann», so der Experte. Noch fehle es aber an Studien, insbesondere was die Langzeiteffekte betreffe: «Es ist unklar, ob Ibogain auch langfristig in der Sucht-Therapie hilft oder nur in der Phase des Entzugs.»
Der Stoff ist laut Beck aber «sehr vielversprechend». «Ibogain wirkt wie Psychedelika, die gerade in der Sucht-Therapie immer mehr in Betracht gezogen werden», so der Psychiater. Im Vergleich zu anderen Stoffen wie LSD spricht Ibogain aber ein breiteres Nervennetzwerk im Gehirn an, weshalb es bei diversen Drogensüchten effektiv sein könnte.
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Presley Gerber: Todesursache unklar
Die Substanz kann aber nur als Unterstützung in einer begleitenden Psychotherapie gesehen werden, betont Beck. «Wir sprechen hier von ein bis zwei Einnahmen», so der Arzt. Die betroffene Person habe dann über mehrere Stunden eine erweiterte Wahrnehmung, oft mit starken Halluzinationen. Währenddessen könne sie unter medizinischer Begleitung tiefgehende und neue Erfahrungen über sich und das Suchtverhalten machen, eine Art «Reset des Gehirns».
Der Arzt führt aus: «Bisherige Gewohnheiten kann man unter einer anderen Sichtweise betrachten. Das hilft, mit dem Suchtverlangen besser umzugehen und Rückfälle zu verhindern.» Noch sind wir in der Schweiz aber Jahre von einer Zulassung von Ibogain entfernt.
Zu Presleys Todesursache gibt es derweil noch keine Angaben. Die Autopsie stehe noch aus, berichtet TMZ. Seine Familie äussert sich bislang nur knapp. «Die Familie bittet in dieser sehr schwierigen und schmerzhaften Zeit um Privatsphäre», liess ein Sprecher von Crawford, Rande Gerber und Presleys Schwester Kaia Gerber (25) mitteilen.
Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?
Hier findest du Hilfe:
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen
Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit Suchtmitteln?
Hier findest du Hilfe:
Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen
Feel-ok, Informationen für Jugendliche
Infodrog, Information und Substanzwarnungen
Vergiftungsnotfälle, Tel. 145
Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
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