PunchNDLEA intercepts N3.4bn drugs, arrests fake cop, mechanicDaily MaverickSOCCER: Ahead of the game: How Safa chief Danny Jordaan keeps iron grip on powerInquirerPeñafrancia procession in Naga draws 1.2 million, ends peacefullyThe Jerusalem PostEl-Sayed visits Jewish Michiganders for Rosh Hashanah meal after accusations of antisemitismוואלהרצח ושיבוש הליכי משפט: כתב אישום נגד שני תושבי מזרח ירושליםCNN Türk‘Daha 17’ benim için aile demek’Antara NewsTNI Chief urges inter-agency collaboration to address Papua conflict경향신문‘팔레스타인 해방’ 논란에 입 연 에드 시런 “가자지구 상황은 재앙”Wirtualna PolskaWojna z NATO to wyrok dla Putina? Słowa Sikorskiego pod lupąInteriaRekordowa wygrana w Lotto. Bajońska suma trafi na konto zwycięzcySportstarAsian Games LIVE, September 20: India wins two silver in shooting; India reaches women's cricket final; India beats Singapore in table tennis — Latest scores and newsRai NewsFenix, a Roma la premier Meloni ai giovani di Fratelli d'Italia: "Immensamente fiera di voi"
The Daily Newsstand · Free, Always
Sunday, September 20, 2026

Zu Hause bei der Bundesrätin: «Am Wochenende gibts Zopf – selbst gemacht!»

Translate

Die Bundesrätin steht in der gelben Küche ihres alten Bauernhauses, verteilt Maizena auf der Küchenzeile und rollt zwei dicke Teigstränge aus. Sie flicht mit geübten Handgriffen einen wuchtigen Bauernzopf. Dann gibt Elisabeth Baume-Schneider (62) die Regie ab: «So, und jetzt du.»

Pierre-André Baume (61) streicht ein verquirltes Ei mit dem Pinsel über den rohen Teig. «Hier noch ein bisschen», sagt sie. Er lacht. «Ja, ja.» Seit fast 40 Jahren sind die beiden ein Paar – und nicht nur in der Küche ein eingespieltes Team.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

Ein Zuhause mit Geschichte

Ihr Haus steht allein am Dorfrand von Les Breuleux JU. 1703 wurde es erbaut, die alten Holzbalken sind noch heute an der hohen Decke in der Stube sichtbar. 2003 kaufte das Paar das Bauernhaus und renovierte es von Grund auf. «Das war eine intensive Zeit», sagt Elisabeth Baume-Schneider. «Théo, unser jüngster Sohn, war drei Jahre alt. Und Luc war neun.»

2003 war auch das Jahr, in dem die SP-Politikerin in die jurassische Regierung einzog. 13 Jahre lang führte sie das Erziehungs-, Kultur- und Sportdepartement. Für die Familie begann damit ein neues Leben. Pierre-André Baume erinnert sich: «Das war ein wirklich grosser Umbruch für uns – mehr noch als Elisabeths Wahl in den Bundesrat, weil die Kinder noch klein waren, als sie Regierungsrätin wurde.»

Das Paar entschied sich damals für ein Lebensmodell, das sogar im aufmüpfigen Kanton Jura ungewöhnlich war. Während sie ihr politisches Amt antrat, reduzierte er seine Arbeit und übernahm einen grossen Teil von Haushalt und Kinderbetreuung. «Zu dieser Zeit war ich fast immer der einzige Vater unter all den Müttern. Zum Beispiel beim MuKi-Turnen», erzählt Pierre-André Baume.

Seine Frau schmunzelt: «Er hat es aber auch genossen. Alle Frauen wollten ihm helfen! Wenn es einen Anlass in der Schule gab und ein Kuchen gebraucht wurde, sagten sie: ‹Ah, Pierre-André, ich mache das für dich!›» Er lacht: «Die Leute fanden, ich hätte ein schönes Leben – was ja stimmte! Sie sagten: Er spaziert herum, während die anderen Väter arbeiten. Aber ich habe nicht nur gelernt, wie man Kuchen backt, sondern auch, wie anspruchsvoll es ist, eine Familie zu organisieren.» Als Regierungsrätin förderte sie derweil unter anderem den Ausbau der Tagesbetreuungsangebote oder setzte sich für einkommensabhängige Elterntarife ein, damit die Kinderbetreuung nicht am Geld scheitert.

Der Hof, der keiner wurde

Dabei hätte ihr Leben fast ganz anders ausgesehen! Elisabeth Baume-Schneider wuchs nur fünf Minuten entfernt im Dorf Les Bois JU auf einem Bauernhof auf, den ihre Eltern gepachtet hatten. Sie studierte, wurde Sozialarbeiterin. Pierre-André Baume war Pöstler. Als die Besitzer erwogen, aus dem Bauernhof einen Golfplatz zu machen, schmiedeten die beiden einen Plan: «Einer von uns hätte die Ausbildung zum Landwirt gemacht, um den Hof zu retten.» Doch die Stimmbürger entschieden sich knapp für den Golfplatz. «Es hat mich schon gestört, dass 52 Hektar gutes Kulturland für einen Sport geopfert wurden, der in unserer Region gar nicht verankert war. Einige im Dorf zeigten eine Geringschätzung für die wertvolle Arbeit der Bauern», sagt sie.

In ihrem Garten zeugt ein altes Holzhäuschen von der Vergangenheit. Es stand einst auf dem Hof der Familie. Die beiden liessen den Kornspeicher abtransportieren und bei sich wieder aufbauen. Den Golfplatz hat Elisabeth Baume-Schneider nie betreten.

Das Wochenende gehört ihnen

Beide sind stark verwurzelt in ihrer Heimat. «Ich versuche, jedes Wochenende nach Hause zu kommen. Ich brauche das. Dann bin ich am Montag auch angenehmer für meine Mitarbeitenden», sagt die Innenministerin. Ihr Mann bleibt meist hier und besucht sie höchstens zwei-, dreimal im Monat in Bern. Im Sommer nimmt er für die 70 Kilometer gerne das Rennvelo. «Ich geniesse zu Hause eine gewisse Freiheit: Ich kann in die Berge gehen, Velofahren oder meine Freunde treffen», sagt er.

Wenn sie hier ist, verbringt die Bundesrätin gerne viel Zeit im Garten, sie hat etwa Bohnen, Lauch, Zwiebeln und Tomaten angepflanzt. Pierre-André Baume ist Fahrlehrer und führt eine eigene Fahrschule. In der Region kennt ihn jeder. Und jeder weiss, wo das Ehepaar wohnt. Seit Elisabeth Baume-Schneider im Dezember 2022 in den Bundesrat gewählt wurde, wird das Anwesen vom Fedpol überwacht. Es gab bereits ungebetene Besucher vor der Haustür. Trotzdem haben die beiden ihr Leben nicht dem Amt untergeordnet. «Ich bin froh, dass ich trotzdem meinen Beruf weiterführen kann. Ich mag meine Arbeit sehr», sagt Pierre-André Baume.

In Bern warten nach dem Sommer derweil die politischen Dossiers auf die Innenministerin. Im November steht die Volksabstimmung über die Finanzierung der 13. AHV-Rente an. Nachdem das Stimmvolk im März 2024 Ja zu einer 13. Auszahlung der AHV sagte, entschied das Parlament, diese über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zu finanzieren. Höhere Lohnbeiträge wurden vom Nationalrat abgelehnt.

Baume-Schneider verteidigt die Mehrwertsteuer-Lösung. «Ein Beitrag von etwa 15 Franken pro Monat und Haushalt ist verkraftbar, wenn man bedenkt, dass man dafür ab 65 Jahren dauerhaft eine 13. Rente erhält.» Ihr geht es dabei um mehr als um Zahlen – es geht um das Fundament des Schweizer Sozialstaats. «Die AHV ist gelebte Solidarität. Unsere Senioren waren auch einmal jung und haben für ihre Eltern und Grosseltern einbezahlt. Unsere Jungen werden auch einmal eine AHV beziehen. Wir dürfen die Generationen nicht gegeneinander ausspielen», hält Baume-Schneider fest. Die AHV basiere seit ihrer Gründung auf gegenseitigem Vertrauen und Zusammenhalt.

Die Politik bleibt draussen

Wenn die Gesundheitsministerin am Freitagabend in den Jura fährt, hat sie oft gewichtige Dossiers im Gepäck. Arzttarife, steigende Medikamentenpreise wegen Trumps Zollpolitik, Gesundheitskosten, häusliche Gewalt – die Themen sind heikel. «Die Arbeitswochen sind intensiv und geprägt von engem Austausch mit Fachleuten. Darum debattiere ich zu Hause nicht gerne mit meinem Mann über spezifische Dossiers.» Pierre-André nickt. «Wir sprechen über wichtige Abstimmungen. Aber man muss auch über andere Dinge als Politik reden können.»

Über Politik diskutiert Elisabeth mit Sohn Luc Baume (33). Der Finanzexperte sitzt für die SP im Gemeinderat von Les Breuleux. Ihr anderer Sohn Théo Baume (26) arbeitet im Marketingbereich in Lausanne VD. Und auch Pierre-André Baume hat eigene Projekte. 2024 fuhr er mit einer Rennradgruppe durch Äthiopien und sammelte 20'000 Franken für das Spital des Basler Chirurgen Jörg «Pele» Peltzer.

Der Zopf im Ofen ist fast fertig. Pierre-André Baume schaut rein. Elisabeth Baume-Schneider holt ihn raus und klopft auf die Unterseite. «Fertig!» Hier ist sie eben nicht nur Bundesrätin, sondern auch die Frau, die den Teig knetet, den Zopf flicht und irgendwann sagt: «So, und jetzt du.»

View the original on Blick

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.