Sexy und salonfähig – Stars zeigen Spitze

Spitze zeigt viel, aber nie alles. Bei der Paris Fashion Week setzen die Stars auf das sinnliche Material – transparent, verführerisch und ganz schön sexy. Doch wie trägt man den Look, damit er elegant wirkt – und nicht nach Schlafzimmer oder gar Bordell aussieht?
Publiziert: vor 20 Minuten
- An der Paris Fashion Week dominiert transparente Spitze
- Stars wie Deneuve, Bruni und Taylor-Joy tragen Lingerie-Looks
- Auch St. Galler Spitze machte Luxus zum Massenstoff
Katja RichardRedaktorin Gesellschaft
«Belle de Jour» ist zurück. Fast 60 Jahre nach dem Filmklassiker mit Catherine Deneuve erinnert die Paris Fashion Week wieder an dessen verruchte Eleganz: Models und prominente Gäste sehen aus, als kämen sie gerade aus dem Schlafzimmer – oder aus einem ziemlich schicken Nachtclub. Schwarze Spitze, transparente Tops und Négligé-Kleider, darunter oft wenig bis gar nichts. Und mittendrin sitzt die Belle de Jour höchstpersönlich: Catherine Deneuve (82) verfolgt die Saint-Laurent-Show in der ersten Reihe, stilecht im schwarzen Lackleder-Trenchcoat. Was sie wohl darunter trägt?
Besonders bei Saint Laurent wird der Lingerie-Look zelebriert: Rosie Huntington-Whiteley erscheint in schwarzer Broderie. Und sogar Carla Bruni, einst Première Dame im Élysée-Palast, wagt den sexy Auftritt. Bei Dior hüllt sich «Damengambit»-Star Anya Taylor-Joy in einen Umhang aus einem Hauch von Nichts. Genau darin liegt der Reiz: Man sieht viel, aber nie alles. Das heizt die Fantasie mehr an als nackte Tatsachen.
Verhüllen und Enthüllen
Nach Jahren von Oversize, Unisex und zurückhaltendem Quiet Luxury wird Mode wieder demonstrativ weiblich. Taille, Rüschen und Dessous-Details dürfen wieder gezeigt werden. «Spitze ist sehr klassisch. Jetzt trägt man sie cooler und kombiniert sie mit Casual-Garderobe», sagt Stylistin Luisa Rossi. Sie mag Broderie gerade wegen des Spiels mit Ver- und Enthüllen: «Transparenz zeigt vieles, ziert aber auch vieles.» Anders als ein Naked Dress stellt sie den Körper nicht gnadenlos aus – und funktioniert deshalb auch jenseits von Grösse 36 und jungen Jahren.
Wie viel Haut zum Vorschein kommt, entscheidet jede selbst. Paris Hilton kombiniert ihre Robe mit sichtbarer Unterwäsche – Busenblitzer ausgeschlossen. Auch Dakota Johnson, längst Stammgast in den Bestenlisten des Naked Dressing, trägt unter ihrem hellen Spitzenkleid schwarzen BH und Slip und setzt damit bewusst einen Kontrast. Die Dessous werden nicht versteckt, sondern gehören zum Outfit.
Dafür braucht es keine Designerrobe. Kleider, Bodys, Tops und Röcke aus Spitze gibt es für jedes Budget. Doch was trägt man darunter? «Die Dosis spielt eine grosse Rolle – und das Parkett, auf dem man den Look trägt», sagt Rossi. Ein BH darf bewusst hervorblitzen, mit einem Body lässt sich mehr kaschieren. Wer es dezenter mag, bleibt Ton in Ton – Schwarz unter Schwarz, Rot unter Rot. Die Hautfarbe kann unter dunkler Broderie dagegen stärker auffallen.
Madonna sei Dank!
Dass Dessous heute so selbstverständlich nach aussen getragen werden, verdanken wir laut Rossi nicht zuletzt Madonna. «Sie war unser Vorbild. Wir haben ihr viel zu verdanken, weil sie mit Tabus gebrochen hat.» In den Achtzigern machte die Sängerin BHs, Bodys und Korsagen zum sichtbaren Teil ihrer Garderobe. «Damals haben wir Spitze von Kopf bis Fuss getragen», erinnert sich Rossi. Sie selbst posierte in einem weissen Spitzenbody von Fogal – das Bild von damals zeigt sie heute noch. Wäsche war nicht länger nur für private Stunden bestimmt, sondern wurde zur selbstbewussten Inszenierung. «Heute können wir Dessous für uns selbst tragen, weil es Spass macht.»
Rossi weiss, wovon sie spricht: 20 Jahre arbeitete sie für die italienische Luxuswäschemarke La Perla. Für sie ist das Revival Teil eines bekannten Modezyklus: «Es ist wie beim Animalprint: Manchmal kommt es mit Gewalt zurück, dann wird es wieder dezenter.» Zum Achtziger-Feeling gehören für sie auch Broschen und Perlenketten. Rossi holt ihre von damals wieder hervor und kombiniert sie heute «einfach crazy». Ihr Rat: ruhig etwas wagen. «Man darf alles. Aber wenn es too much ist, kann es auch lächerlich wirken.»
Vom Statussymbol zur Massenmode
Während Spitze auf den Pariser Laufstegen ihr sexy Comeback feiert, zeigt sich im Modemuseum Palais Galliera ihre vornehme Vergangenheit. Dort sind derzeit historische Spitzen neben Stickereien und Haute-Couture-Arbeiten zu sehen. Denn einst war das Material ein Luxusgut: Ab dem 16. Jahrhundert schmückten sich Könige, Adel und Wohlhabende damit – an Kragen, Manschetten und Kleidern. Je feiner die Handarbeit, desto höher das Prestige.
Auch die Schweiz schrieb Spitzengeschichte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die St. Galler Spitze zum Exportschlager. Streng genommen handelt es sich meist um kunstvolle Stickerei, mit der die Ostschweizer Textilindustrie die kostbare Handarbeit imitierte. Das Textilmuseum St. Gallen besitzt heute rund 6500 historische Muster. Mit der industriellen Fertigung wurde aus dem Luxusgut schliesslich Mode für alle – vom Statussymbol zum sexy Massenphänomen.
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