«Unsere Sicherheit ist wichtiger als jede Sehenswürdigkeit»

- Wegen der Krawalle in Frankreich sagen einige Schweizer Reisende ihre Trips nach Paris und ins Elsass ab.
- Andere wie Philipp (51) und Fabio (47) halten an ihren Plänen fest, meiden aber Menschenansammlungen und die Innenstadt.
- Reiseveranstalter wie DERTOUR Suisse und Globetrotter melden bisher keine Stornowelle.
Die Bilder aus Frankreich lassen auch Schweizer Reisende nicht kalt. Das historische Rathaus von Limoges wurde von Krawallmachern zerstört, in Paris blockieren Demonstrierende den Zugang zum berühmten Louvre-Museum.
Stefan (37) hat seine geplante Zugfahrt nach Colmar und Strasbourg für nächstes Wochenende sogar abgesagt – obwohl er sich seit Monaten darauf gefreut hatte. «Mein Herz weint – immerhin war die Stornierung kostenlos», sagt er. Er war bereits im März in Frankreich. Besonders schockiert habe ihn, was mit einem Ort passiert ist, den er damals besuchte: «Das Tourismusbüro in Lyon ist nun ausgebrannt.»
«Haben Angst hinzufahren»
Auch Elisabeth (76) hat ihre für nächstes Wochenende gebuchte Paris-Reise «schweren Herzens» storniert. Andere sind sich noch nicht sicher. Julian (27) bangt um seine teure und unstornierbare Reise am Dienstag zum Champions-League-Spiel in Paris. Und Enzo (36) fragt sich mit seiner Frau, ob die bereits gekauften Disneyland-Tickets im November nun noch lohnen: «Wir haben echt Angst, ob wir überhaupt hinfahren sollten.»
«Gehen mit gemischten Gefühlen nach Paris»
Fabios (47) Familie hält hingegen an ihrem Disneyland-Trip am kommenden Montag fest: «Wir bleiben im Parkgelände und gehen nicht wie geplant in die Innenstadt.» Sie hoffen nun auf eine Beruhigung der Lage in den nächsten Tagen: «Sollte das Gegenteil der Fall sein, werde ich die Reise verschieben.» Philipp (51) reist am Dienstag mit seiner Partnerin im TGV nach Paris. «Wir reisen mit gemischten Gefühlen», sagt er. Grosse Menschenansammlungen wollen die beiden meiden: «Unsere Sicherheit ist wichtiger als jede Sehenswürdigkeit.» Eigentlich stehen Eiffelturm, Moulin Rouge und der Louvre auf dem Programm. «Natürlich wäre es schade, wenn wir den Louvre nicht besuchen könnten. Aber Paris hat zum Glück noch einiges mehr zu bieten.»
Patrizia (40), die am Sonntag aus Paris zurückgekehrt ist, erlebte in Montmartre einen grossen Demonstrationszug – da er friedlich gewesen sei, habe sie sich nicht gefährdet gefühlt. Einzig nach einer Show im Moulin Rouge kam ihr Reisebus am Abend wegen der Ausschreitungen nicht mehr durch: «Ich musste auf ein Taxi ausweichen.» Franziska (62), die sich derzeit rund eineinhalb Autostunden von Paris entfernt am Canal de Briare aufhält, beobachtet auch keine Krawalle: «Hier ist es glücklicherweise ruhig, Demonstrationen haben wir keine erlebt.»
Reiseveranstalter sehen bisher keine Stornowelle
Bei den Reiseveranstaltern zeichne sich derzeit noch keine unmittelbare Auswirkung auf die Nachfrage ab. Janine Zimmerli, Mediensprecherin der DERTOUR Suisse, der auch Kuoni, Hotelplan und Helvetic Tours untergliedert sind, gibt an: «Bislang beobachten wir keine Veränderungen bei Neubuchungen für Frankreich.»
Auch vermehrte Fragen zur Sicherheitslage sowie mehr Umbuchungen oder Stornierungen seien bisher nicht festgestellt worden: «Für eine belastbare Einschätzung ist es aber noch zu früh, da sich Auswirkungen solcher Ereignisse auf das Buchungsverhalten oft erst mit Verzögerung zeigen», so Zimmerli. Touristen empfiehlt sie, die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten zu beachten.
Das rät das EDA
Nach den aktuellen Ereignissen hat das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) seine Reisehinweise für Frankreich angepasst. Reisen ins Land gelten grundsätzlich weiterhin als sicher. Das EDA weist jedoch ausdrücklich auf mögliche Demonstrationen, Ausschreitungen und Verkehrsbehinderungen hin.
Das sollten Reisende beachten:
Demonstrationen meiden:
Im ganzen Land, besonders in Grossstädten, kann es zu Kundgebungen kommen. Diese können in gewalttätige Zusammenstösse, Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und Strassenblockaden münden.
Anweisungen befolgen:
Reisende sollen die Vorgaben der lokalen Behörden beachten – etwa bei Sperrungen oder möglichen Ausgangssperren.
Mehr Zeit einplanen:
Streiks können den Reiseverkehr beeinträchtigen und zu Verspätungen führen.
An belebten Orten vorsichtig sein:
Frankreichs Behörden verweisen weiterhin auf die Terrorgefahr. Das EDA rät insbesondere in Restaurants, Einkaufszentren, bei Sport- und Kulturveranstaltungen, auf Märkten, in Nachtlokalen sowie bei öffentlichen Versammlungen zu erhöhter Aufmerksamkeit.
Lage laufend verfolgen:
Vor und während der Reise sollten Feriengäste die Entwicklung beobachten und auf die Empfehlungen der Behörden achten.
Für Korsika sowie die französischen Überseegebiete gelten zusätzliche, teils deutlich weitergehende Hinweise:
- Korsika:
Demonstrationen und Strassenblockaden können vorkommen. - Neukaledonien:
politische Spannungen, teils gewaltsame Unruhen, Plünderungen und Versorgungsengpässe. - Mayotte, Guadeloupe, Martinique und Französisch-Guayana:
je nach Gebiet erhöhte Kriminalität, soziale Unruhen, Strassenblockaden oder Versorgungsprobleme.
Auch Claudio Cesarano, Geschäftsleitungsmitglied der Globetrotter Group, berichtet bisher von keinen Stornierungen oder Anfragen wegen der Krawalle. Die von ihnen angebotenen Hausbootferien seien kaum betroffen, da sie meist ausserhalb der Ballungszentren stattfinden. Auch in ihrem anderen Kerngebiet, Sprachreisen nach Paris und Lyon, hätten die von ihnen kontaktierten Gäste mitgeteilt, dass sie sich in ungefährdeten ruhigeren Quartieren aufhielten. Sollten die Krawalle länger anhalten, könnte sich das laut Cesarano aber ändern. Dann dürfte die Lage auch das Buchungsverhalten beeinflussen.
Wie würdest du mit einer geplanten Reise nach Frankreich umgehen, wenn dort Krawalle ausbrechen?
Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.
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