Der neue «Rafa»: Zwischen Attraktion und Pulverfass

Basel-Mitfavorit Jodar will «aus Fehlern lernen»
Der neue «Rafa»: Zwischen Attraktion und Pulverfass
Rafael Jodar verblüfft mit seiner Power alle: Der spanische Jungspund ist der Aufsteiger der Saison, muss aber auch schon einem Reputationsproblem entgegenwirken.
Publiziert: vor 16 Minuten
- Rafael Jodar ist der Aufsteiger des Jahres im Männertennis
- Der junge Spanier ist plötzlich Mitfavorit an den Swiss Indoors
- Ein Eklat in Schanghai brachte ihm viel Kritik ein
Marco PescioReporter Sport
Knapp zwei Jahre ist es her, seit Rafael Nadal (40) der Tour «Adiós» gesagt hat. Der Abschied der Tennis-Legende fiel in eine Zeit, in der mit Superstar Carlos Alcaraz (23) die spanische Thronfolge längst geklärt war. Nun mischt aber auch noch ein anderer Iberer die Szene auf: Der neue «Rafa».
Der Aufstieg von Rafael Jodar (20) verläuft derart wundersam, dass er beinahe einen Uralt-Rekord von Boris Becker (58) ausgelöscht hätte. Die deutsche Tennis-Ikone benötigte zwischen 1984 und 1985 bloss 210 Tage, um nach dem erstmaligen Einzug in die Top 100 auch die Schallmauer der Top 10 zu durchbrechen. Jodar kann diese Marke nicht mehr knacken. Trotzdem ist er jetzt schon die Weltnummer 11, was in Anbetracht seiner Ausgangsposition im Januar – Platz 165 (!) – eine Sensation darstellt.
Der Youngster aus Madrid steht vor seinem Debüt bei den Swiss Indoors und zählt direkt zum Kreis der Favoriten. Zuletzt stürmte er beim Masters-Turnier in Shanghai bis in den Final. Davor verblüffte er mit einer Konstanz auf höchstem Niveau, die kaum ein Neuling an den Tag legt: In Marrakesch gewann er das 250er-Turnier, in Madrid, Rom und Roland Garros stand er im Viertelfinal, in Washington im Final, in Montreal im Halbfinal. Jodar selbst sagt dazu: «Ich bin happy. Vor allem, weil ich zu Beginn des Jahres ja gar nicht wissen konnte, welche Turniere ich spielen würde.» Dann jedoch schiebt er nach: «Ich will noch mehr.»
Der Balljungen-Vorfall
Experten sind sich einig: Dieser neue «Rafa», der grossen Respekt vor seinem prominenten Namensvetter hat, aber nicht viel von Vergleichen hält («Ich möchte meinen eigenen Weg gehen»), wird einer der aufregendsten Spieler der Zukunft. Der Rummel um ihn ist schon jetzt gewaltig. Aber nicht nur wegen seiner brutalen Vorhand, seines horrenden Spieltempos oder seiner bemerkenswerten Beweglichkeit trotz 1,91 m Körpergrösse.
Auch, weil er mit seinem Temperament negativ von sich reden gemacht hat. Shanghai stand im Schatten eines Eklats um sein flegelhaftes Verhalten einem Ballbuben gegenüber. Weil Jodar das Kind mit den Worten «Gib mir endlich das verdammte Handtuch» angefaucht hatte, kassierte der Hitzkopf vom Stuhlschiedsrichter eine Verwarnung, gegen die er sich dann auch noch lautstark und vor laufender Kamera wehrte.
«Nicht die Art, wie man sich benimmt»
Es war nicht das erste Mal, dass er in dieser Saison im Zusammenhang mit seinem Auftreten auffällig wurde. Darunter war etwa die Kritik von anderen Spielern, die ihm wiederholtes Spielverzögern durch angebliche Schuhbändel-Probleme in kritischen Phasen vorwarfen.
Für Shanghai hat sich Jodar hinterher in aller Form entschuldigt. Und auch nun in Basel sagt er: «Das ist nicht die Art, wie man sich benimmt. Ich bin ein junger Spieler und muss noch viel lernen. Auch aus meinen Fehlern. Es geht nicht immer nur um Vor- und Rückhand, sondern auch um andere wichtige Dinge.»
Die unrühmliche Aktion hatte ihm in der internationalen Medienlandschaft viel Schelte eingebracht. Jodar aber gibt sich geläutert: «Shanghai war mir eine Lektion.» Er weiss: Er steht nun nicht nur wegen seines Spektakel-Tennis im Fokus, sondern auf dem Verhaltens-Prüfstand. Auch in Basel, wo er zum Auftakt auf den Chilenen Alejandro Tabilo (29) trifft.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.