Pflegefinanzierung – Wer die Pflege von morgen bezahlt

Was kostet ein Pflegeplatz? 10'900 Franken – diese Kosten kommen pro Monat auf eine Person zu, die in der Schweiz in ein Pflegeheim zieht. 44 Prozent der Kosten entstehen durch Pflegeleistungen. Über die Hälfte der Kosten entfallen auf sogenannte Pensions- und Betreuungskosten – wie etwa Zimmer, Verpflegung oder Freizeitaktivitäten.
Wer bezahlt das? Die Finanzierung von Pflegeleistungen wird unter drei Parteien aufgeteilt. Die Krankenkasse übernimmt einen fixen Beitrag pro Anzahl Pflegeminuten. Die pflegebedürftige Person beteiligt sich mit maximal 23 Franken pro Tag an den Pflegekosten. Den Restbetrag übernehmen Kantone und Gemeinden. Die Pensions- und Betreuungskosten müssen die Heimbewohnenden aus eigener Tasche bezahlen. Reichen die eigenen Mittel nicht aus, können sie Ergänzungsleistungen beantragen. Rund 60 Prozent aller Heimbewohnerinnen und Heimbewohner sind auf diese Unterstützung angewiesen.
Warum kostet es so viel? «Betreuung und Pflege kosten einfach», sagt Karin Schwiter, Professorin für Arbeitsgeografie an der Universität Zürich. «Das Personal lässt sich nicht wegrationalisieren wie in einem Industriebetrieb, in dem man eine neue Maschine kaufen kann.» Marc Boutellier leitet die Stiftung Hofmatt, ein Alters- und Pflegeheim in Münchenstein. Er beziffert die Personalkosten in seinem Betrieb auf 75 Prozent. Er brauche rund 98 Prozent Auslastung in seinem Heim, um die Kosten zu decken.
Wie sind die Zukunftsaussichten? Bis ins Jahr 2050 könnten sich die Kosten für Langzeitpflege verdoppeln. Laut Prognosen könnten dann über eine Million 80-Jährige in der Schweiz leben, die Pflege und Betreuung benötigen. Allein in den nächsten rund zehn Jahren könnte der Personalbedarf von Gesundheitsinstitutionen um bis zu ein Drittel steigen: Insgesamt müssten über 100'000 neue Mitarbeitende eingestellt werden.
Kann die künstliche Intelligenz entlasten? Vielfach ist die Rede von Pflegerobotern, die in Heimen die Menschen versorgen. Karin Schwiter von der Universität Zürich sieht in ihnen keine Lösung, sondern eine «Illusion». Das sei weder realistisch noch sinnvoll. Das sieht auch Marc Boutellier von der Stiftung Hofmatt so: «Das wird in der Betreuung und in der Pflege nicht helfen.» Aber KI könne in der häuslichen Pflege durchaus eine Entlastung sein, meint Marianne Pfister, Co-Geschäftsführerin von Spitex Schweiz: «Ich glaube, dass künftig in Wohnungen mit Sensoren ganz viel möglich sein wird – dass sie etwa zeigen, wenn jemand stürzt oder gestürzt ist, und Alarm schlagen.»
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