Von der Bretagne an die Front – Wie französische Fischernetze die Ukraine vor Drohnen schützen

Zahlreiche ukrainische Städte sind zunehmend mit der Notwendigkeit konfrontiert, sich gegen russische Drohnen zu verteidigen. Seit längerer Zeit behelfen sich lokale Behörden und die Bevölkerung auch mit handgestrickten Methoden: zum Beispiel mit Fischernetzen, die an Laternenpfählen und Gebäuden angebracht werden, um Strassenabschnitte und sensible Zonen zu schützen.
Viele dieser Netze kommen aus der französischen Region Bretagne. Seit 2004 lebt die Ukrainerin Mariya Nalin dort. Vor zwölf Jahren gründete sie eine kleine NGO, Ar vro Ukren (das heisst Ukraine auf Bretonisch), mit dem Ziel, Hilfe in ihr Herkunftsland zu senden. Mit der russischen Vollinvasion 2022 hat sich dieses Engagement verstärkt.
«Bereits zu Beginn des Konflikts hatte ich lokale Fischer kontaktiert, weil ich in der Ukraine Freundinnen hatte, die aus den Netzen Tarngeflechte herstellten», erzählt sie dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz RSI. «Sie befestigten an den Netzen Stücke von Camouflage-Stoff.»
Seeteufel funktioniert besonders gut
Bereits 2022 sei die Nachfrage gross gewesen. Weil Drohnen in diesem Krieg immer wichtiger wurden, ging es aber nicht mehr nur darum, sich zu tarnen. Es wurde notwendig, die Strassen und die Zivilbevölkerung zu schützen, sagt Nalin.
Es wurden mehr Netze gebraucht. Und andere: «Diejenigen für den Seeteufel funktionieren sehr gut: Es sind feine Netze, mit Quadraten, die gross genug sind, um Vögel durchzulassen – weil auch dieser Aspekt wichtig ist –, aber ausreichend eng, um Drohnen einzufangen.»
Mariya Nalin erklärt, warum Seeteufel-Netze am besten wirken:
Es sei nicht schwierig gewesen, auf die Hilfe der bretonischen Fischer zu zählen, erzählt Nalin, auch, weil die Netze nach einer Weile ausgewechselt werden müssen. Statt sie zu entsorgen, schickt man sie in die Ukraine und gibt ihnen so ein zweites Leben.
Ein Fischernetz wiegt bis zu 300 kg und für die kleine Vereinigung von Mariya Nalin wurde es kompliziert, die Sendungen zu organisieren. Einige Menschen aus der Bretagne stellten sich zur Verfügung, um das wertvolle Material nach Cherson zu bringen.
«Die Stadt wird sehr stark von russischen Drohnen angegriffen, die versuchen, Zivilisten zu treffen. Die Netze müssen oft ersetzt werden, weil die Drohnen grosse Löcher hineinreissen», erzählt Mariya Nalin.
Mehrere tausend Kilometer an verflochtenen Garnen sind bereits von der Nordwestküste Frankreichs nach Cherson gelangt. Letztes Jahr fragte Wolodimir Selenski bei einem Besuch in der Stadt, woher all diese Netze kämen: «Aus Frankreich!», war die Antwort. Später bedankte sich der ukrainische Präsident während eines Aufenthalts in Paris bei den bretonischen Fischern für ihre Unterstützung.
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