Cassis besucht Nordkorea – Was bringt der Schweiz ein Büro in Nordkorea?

Aussenminister Ignazio Cassis reist diese Woche nach Nordkorea. Er nimmt an der Wiedereröffnung des diplomatischen Büros in Pjöngjang teil. Bis 2020 war die Schweiz mit einem Büro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Nordkorea präsent, während der Covid-19-Pandemie wurde es geschlossen. Nun reaktiviert die Schweiz das Büro, jedoch nicht mehr als Büro für humanitäre Dienste, sondern als diplomatisches Büro, das den politischen Dialog fördern soll. Es ist der Botschaft in Peking unterstellt. Thomas Fisler, der das Büro der Deza in Nordkorea von 2013 bis 2017 leitete, ordnet ein, warum die Schweiz mit Nordkorea seit Langem spezielle Beziehungen pflegt.
Thomas Fisler
Ehemaliger Leiter des Kooperationsbüros in Pjöngjang
Thomas Fisler, Jahrgang 1952, arbeitete während 22 Jahren für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit Deza. Von 2013 bis 2017 leitete er das Schweizer Kooperationsbüro in Pjöngjang, Nordkorea.
SRF: Herr Fisler, warum pflegte die Schweiz überhaupt diplomatische Beziehungen zu Nordkorea?
Thomas Fisler: Die diplomatischen Beziehungen begannen 1974 und festigten sich in den 1990er-Jahren während der grossen Hungersnot, als die Schweiz in Nordkorea humanitäre Hilfe leistete. Seither war die Schweiz permanent vor Ort und baute grosses Vertrauen auf. Die Schweiz wurde von Nordkorea auch respektiert, weil sie im Gegensatz zu anderen Staaten keine «Hidden Agenda» hatte. Die humanitäre Hilfe war nicht politisch – man half dort, wo Not herrschte. Neben der humanitären Hilfe fand immer auch ein Austausch auf politischer Ebene statt. Ich denke, die humanitäre Hilfe und der politische Dialog haben sich auch gegenseitig Türen geöffnet.
In den ländlichen Gebieten ist die humanitäre Hilfe bitter notwendig, vor allem für Kinder.
Sehen Sie Chancen in dieser Wiedereröffnung des Schweizer Büros in Pjöngjang?
Dass man versucht, den politischen Dialog mit Nordkorea wiederaufzunehmen, und vor Ort ist, finde ich richtig. Weil das Büro aber nicht der humanitären Hilfe dient und die Schweiz auch kein entsprechendes Budget ins Land bringt, wird die Arbeit vor Ort ziemlich eingeschränkt sein. Das Reisen wird schwierig sein. In dieser Hinsicht halfen die humanitären Projekte damals natürlich sehr.
Das Vertrauen wieder aufzubauen, wird schwierig.
Ich konnte das Land ausgiebig bereisen und sah die Realitäten im Land. Ich hoffe zudem, dass vielleicht auch die humanitäre Hilfe wieder zu einem Teil mindestens aktiviert werden kann. In den ländlichen Gebieten ist sie bitter notwendig, vor allem für Kinder.
Das Büro soll nun aber dem politischen Dialog dienen. Wie schwierig wird es, diesen zu reaktivieren?
Das wird sicher nicht einfach. Denn Nordkorea wird sich genau überlegen, welchen Nutzen sie daraus ziehen. Das Vertrauen wieder aufzubauen, wird also schwierig. Auch die Äusserungen der Vertretung vor Ort in den Schweizer Medien werden genau beobachtet. Sind die Äusserungen für Nordkorea unvorteilhaft, wird der Handlungsspielraum jedes Mal kleiner.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.