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Friday, October 23, 2026

Veteranen und der Iran-Krieg – US-Veteran: «Ich werde diesen ersten Typen nie vergessen»

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«Ich war verdammt gut darin, Menschen zu töten.» Garett Reppenhagen war Scharfschütze im Irak. Heute lebt der Veteran mit seiner Familie im US-Bundesstaat Maine. Doch der Krieg lässt ihn nicht los. Seit seiner Rückkehr kämpft der Veteran mit Suizidgedanken.

Person in Camouflage-Uniform hält ein Gewehr und steht im Freien vor einem Gebäude.
Legende: Garett Reppenhagen war im Irakkrieg Scharfschütze. ZVG

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erklärten die USA unter Präsident George W. Bush den «Krieg gegen den Terror». 2003 marschierten die USA gemeinsam mit verbündeten Staaten in den Irak ein. Die US-Regierung begründete den Angriff vor allem mit angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen, die jedoch nie gefunden wurden.

Rund 4500 US-Militärangehörige kamen zwischen 2003 und 2011 ums Leben, mehr als 32'000 wurden verwundet. Auf irakischer Seite waren die Verluste deutlich höher: Die unabhängige Organisation Iraq Body Count dokumentierte für denselben Zeitraum mehr als 114'000 gewaltsam getötete Zivilpersonen. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen. Ende 2011 zogen die US-Truppen ab. Die Gewalt im Irak dauerte jedoch an.

Ab 2014 kehrten US-Soldaten zurück, um gegen die Terrormiliz Islamischer Staat zu kämpfen.

Auf glückliche Momente folge oft ein tiefes Loch. Garett kämpft immer noch mit dem Gedanken, dass er die guten Dinge im Leben nicht verdient habe. «Menschen, die ich getötet habe, sind tot – und ich darf leben?» Der Veteran hat an der Atlantikküste einen Zufluchtsort gefunden. Seine Familie gibt ihm Halt, und die Gedanken werden weniger.

Menschen, die ich getötet habe, sind tot – und ich darf leben?

Reppenhagen erzählt von der ersten Person, die er tötete. «Ich werde diesen ersten Typen nie vergessen.» Der Mann wollte die Strasse überqueren, als Garett mit seinem M4-Gewehr auf ihn schoss. Das Gefühl der Genugtuung überkam ihn. Er erledigte seinen Job, um die «bad guys» zu erschiessen. Heute engagiert sich Reppenhagen als Aktivist gegen den Krieg und geht dafür auf die Strasse.

In den USA leben rund 17.3 Millionen Veteraninnen und Veteranen (2025). Für einige von ihnen hat der Militärdienst langfristige körperliche und psychische Folgen. 2024 nahmen sich 6488 Veteranen das Leben. Das entspricht durchschnittlich knapp 18 Suiziden pro Tag. Auch Obdachlosigkeit ist ein Problem: Im Januar 2025 waren rund 32'500 Veteranen obdachlos, davon lebten etwa 13'500 auf der Strasse oder an anderen Orten ohne Unterkunft. Viele kämpfen zudem mit psychischen Erkrankungen. Laut einer repräsentativen Studie von 2025/2026 waren 14.4 Prozent der Veteranen im Laufe ihres Lebens von einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) betroffen. Ursache können Kriegserlebnisse, aber auch andere traumatische Erfahrungen sein.

Die Rückkehr der endlosen Kriege

Als «Friedensstifter» wollte US-Präsident Donald Trump bei seiner zweiten Amtseinführung im Januar 2025 in die Geschichte eingehen. Doch 2026 begannen die USA einen Krieg gegen Iran. Trump begründet die Angriffe unter anderem damit, verhindern zu wollen, dass Iran eine Atomwaffe erhält. Für Garett Reppenhagen klingt das vertraut. Schon den Irakkrieg 2003 hatten die USA mit angeblichen Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt, die jedoch nie gefunden wurden. «Sie haben immer einen Vorwand, um uns in Kriege zu treiben», kritisiert der Veteran.

Am 28. Februar 2026 griffen die USA gemeinsam mit Israel den Iran an. Die Angriffe richteten sich unter anderem gegen militärische Einrichtungen, Raketenstellungen und die Führung des Landes. Dabei wurde der oberste Führer Ali Chamenei getötet. Die USA begründeten ihr Vorgehen mit Sicherheitsinteressen und dem Ziel, Irans militärische Fähigkeiten zu schwächen.

Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf US-Stützpunkte und weitere Ziele in der Golfregion. Der Konflikt weitete sich damit auf mehrere Länder des Nahen Ostens aus. Besonders schwerwiegend waren die Folgen der Blockade beziehungsweise der massiven Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus. Sie ist eine zentrale Route für den weltweiten Öl- und Gastransport. Die Energiepreise stiegen deutlich.

Anfang April vereinbarten die USA und der Iran eine Waffenruhe. Im Juni folgte eine vorläufige Vereinbarung, die den Weg zu einer umfassenderen Einigung ebnen sollte. Diese scheiterte jedoch wenige Wochen später. Bis in den Herbst 2026 kam es wiederholt zu militärischen Auseinandersetzungen und diplomatischen Bemühungen.

Bei einem Treffen von Republikanern in einem Vorort von Washington stösst Trumps Vorgehen dagegen grösstenteils auf Unterstützung. Viele sind hier überzeugt, dass die USA durch Iran existenziell bedroht sind. «Ich unterstütze Trumps Kurs vollkommen», sagt Brigitta Mullican, Vorstandsmitglied der Republikaner im Montgomery County. Es gehe dem US-Präsidenten nicht nur ums Öl, sondern auch darum, dass das iranische Regime Menschen töte und seine Macht ausbauen wolle. «Es ist noch kein endloser Krieg», sagt Dennis Melby, Vorsitzender der Republikaner im Montgomery County.

Der Iran-Krieg macht sich auch im Alltag bemerkbar. Vor allem die gestiegenen Benzinpreise belasten viele US‑Haushalte. «Höhere Benzinpreise sind ein kleiner Preis für die Freiheit», sagt ein Teilnehmer des Treffens. Dazu gehöre es, die Welt von einem Übel zu befreien und Amerika sowie den Westen zu schützen.

Höhere Benzinpreise sind ein kleiner Preis für die Freiheit.

Der Iran-Krieg ist auch im Wahlkampf vor den Zwischenwahlen am 3. November ein grosses Thema. Die Kritik am Militäreinsatz kommt dabei nicht nur von Trumps politischen Gegnern, sondern auch aus den eigenen Reihen.

Viele Amerikanerinnen und Amerikaner stehen dem Iran-Krieg skeptisch gegenüber. Laut Pew Research Center sind 65 Prozent unzufrieden mit Trumps Kriegsführung. 47 Prozent rechnen mit über einem Jahr Krieg. 73 Prozent sorgen sich über steigende Treibstoffpreise, 71 Prozent über mögliche Verluste unter US-Truppen.

Im Irak-Krieg war sich Veteran Garett Reppenhagen fast sicher, dass er sterben würde. Heute führt er eine Crêperie und Gelateria in einem kleinen Küstendorf. Sein Jahr im Irak war eines der verlustreichsten für die US‑Streitkräfte. Er hat Freunde verloren und viele Menschen getötet. Seine letzte grosse Aufgabe besteht darin, zu lernen, sich selbst zu verzeihen. «Sie bringen dir das Töten bei – aber nicht, wie man damit weiterlebt.»

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