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Saturday, October 3, 2026

Sarah: «Ich verurteilte Freundinnen, weil sie keine Zeit hatten»

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«Am Anfang hat mich das getriggert», erzählt Sarah (33). Schon mit etwa 28 habe sie gemerkt, wie sich ihre Freundschaften veränderten. Freundinnen fanden feste Partner und plötzlich sah sie sie immer seltener. «Sie gingen kaum noch raus, hatten andere Interessen und machten nur noch Dinge mit ihrem Freund.»

Zuerst habe sie das persönlich genommen und ihre Freundinnen verurteilt. Später kamen bei einigen Kinder dazu und gemeinsame Zeit wurde noch knapper. Gleichzeitig veränderte sich auch Sarahs eigener Alltag. «Mit 30 kommt man in einen anderen Workflow. Du gibst Vollgas, bist am Abend müde, gehst noch ins Gym und musst kochen. Dann fehlt dir einfach irgendwie die Zeit.»

Was zählt für dich mehr in einer Freundschaft: gemeinsame Zeit oder emotionale Nähe?

«Es ist eine sehr gesunde Selektion»

Heute sieht Sarah die Veränderungen gelassener. «Man darf nicht erwarten, dass eine Person immer gleich bleibt. Man muss mit ihr wachsen und die Veränderung annehmen.» Wer langfristig zu ihr passt, habe sich in schwierigen Zeiten gezeigt. «Die Leute, die dir zuhören und die Nerven und Geduld haben, für dich da zu sein, sind deine wahren Freunde.» Andere Beziehungen seien verschwunden. Sarah empfindet das nicht nur als Verlust: «Es ist eine gesunde Selektion.»

Gleichzeitig sind neue Menschen dazugekommen. Als Sarah nach Zürich zog, suchte sie gezielt Freundinnen mit ähnlichen Interessen. Menschen, die gerne ausgehen und teilweise wie sie im Social-Media- und Creator-Bereich arbeiten. Daraus sei ein zweiter enger Freundeskreis entstanden.

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Partnerschaft, Kinder, Karriere: Unterschiedliche Lebensphasen verändern Freundschaften

Dass sich Freundschaften im Erwachsenenalter verändern, hat laut Psychotherapeut Dirk Stemper mit unseren Lebensphasen zu tun. Schule, Studium und die ersten Berufsjahre schaffen gemeinsame Umgebungen, ähnliche Tagesabläufe und Lebensentwürfe. Später können diese auseinandergehen. «Man verliert nicht den Menschen, sondern den gemeinsamen Takt», beschreibt Stemper die Entwicklung.

Das zeigt sich auch bei Mario (34). «Zuerst kamen die Hochzeiten, dann die Kinder und jetzt die Beförderungen.» Er lebt mit seinem Partner kinderlos und merkt seit fünf Jahren, wie Treffen mit alten Freunden seltener werden. Während bei anderen Kinderthemen mehr Raum einnehmen, sprechen Mario und sein Partner lieber über Reisen oder planen spontane Getaways. Neue Menschen mit einer ähnlichen Lebensplanung seien dazugekommen. «Ich würde sagen, der Freundeskreis wird kleiner, aber qualitativ hochwertiger.»

«Zuerst kamen die Hochzeiten, dann die Kinder und jetzt die Beförderungen»: Bei Mario (34) haben sich Freundschaften aufgrund verschiedener Lebensphasen verändert.

«Zuerst kamen die Hochzeiten, dann die Kinder und jetzt die Beförderungen»: Bei Mario (34) haben sich Freundschaften aufgrund verschiedener Lebensphasen verändert.Getty Images

Manche Freundschaften versanden

Damit eine Freundschaft in die Brüche geht, braucht es keinen Streit. «Freundschaften vergehen nicht spektakulär, sondern unauffällig», so Stemper. Besonders anfällig seien Freundschaften, die stark mit einer gemeinsamen Lebensphase verbunden waren, etwa aus der WG, dem Studium oder einem früheren Job.

Das erlebt auch Laura. «Freundschaften, die nur da waren, weil man sich jeden Tag in der Schule, dem Studium oder auf der Arbeit gesehen hat, versanden.» Für sie brauchen Freundschaften «eine tiefere Basis, damit sie neben dem ganzen Trubel des Lebens nicht untergehen».

«Ich habe keine Freunde mehr»

Bei Astrid (41) hat sich eine Freundschaft verändert, die seit 26 Jahren besteht. Seit ihre beste Freundin einen neuen Partner habe, sei der Kontakt auf ein Minimum geschrumpft. «Keine Treffen mehr, kein Fragen, wie es einem geht, obwohl ich dieses Jahr mehrfach um das Leben meines Mannes bangen musste.»

Noch drastischer erlebt es User Fishboi. «Ab 33 habe ich so ziemlich alle Freundschaften verloren.» Heute ist er 37 und hat seit rund vier Jahren keinen Kontakt mehr zu seinen alten Freunden. «Ich habe keine Freunde mehr.»

200 Stunden gemeinsam verbrachte Zeit

Wie wichtig gemeinsame Zeit ist, zeigt eine Studie der University of Kansas. Demnach braucht es rund 40 bis 60 gemeinsame Stunden für eine lockere Freundschaft, 80 bis 100 für eine Freundschaft und über 200 Stunden, um richtig gut oder eng befreundet zu sein.

Genau diese gemeinsame Zeit wird im Erwachsenenleben schnell knapp. Nachrichten und gelegentliche Updates halten laut Stemper zwar den Kontakt aufrecht, ersetzen aber nicht die beiläufige gemeinsame Zeit im Alltag.

Weniger Treffen, gleiche Freundschaft

Dass unterschiedliche Lebensphasen eine Freundschaft nicht automatisch schwächen, erlebt J. (34). Einige ihrer Freunde haben Kinder, andere konzentrieren sich auf die Karriere oder reisen viel. «Manche Freundschaften sind je nach Lebensphase enger. Das heisst für mich aber überhaupt nicht, dass die anderen weniger wichtig sind.»

Mit dem Älterwerden seien bei ihr neue Freundschaften durch Hobbys, Umzüge, Jobs und Begegnungen entstanden. Bei langjährigen Freunden werde dafür «das ‹Was bisher geschah› zwischen zwei Treffen manchmal etwas länger». Stemper formuliert es so: «Wichtiger als Frequenz ist emotionale Echtheit.»

Was tust du dafür, dass deine Freundschaften trotz vollem Alltag bestehen bleiben? Schreib es uns in die Kommentare.

Carolina Lermann

Carolina Lermann (ler) arbeitet seit Mai 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Body & Soul im Lifestyle-Ressort und schreibt über Erziehung, Sport und Psychologie.

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