Umsatzziel erneut gekappt – Hitzewelle trifft Lindt & Sprüngli hart – Preissenkungen möglich

- Die Konsumentinnen und Konsumenten hatten unter der glühenden Sonne keine Lust auf Lindor-Kugeln und Pralinen.
- Auch die hohen Preise schreckte die Kundschaft ab.
- Nun ist aber von Preissenkungen die Rede.
Bereits zum zweiten Mal muss der Premium-Schokoladenhersteller deshalb mit seinem Umsatzziel zurückrudern. So wird für das laufende Jahr 2026 nur noch mit einem organischen Umsatzwachstum von 0 bis 2 Prozent gerechnet, wie Lindt & Sprüngli mitteilte.
Bislang hatte das Unternehmen 4 bis 6 Prozent in Aussicht gestellt. Zum Jahresstart waren sogar noch plus 6 bis 8 Prozent angepeilt worden. Dieses Ziel hatte Lindt & Sprüngli allerdings bereits im März kassiert.
Neben den deutlichen Preiserhöhungen, die das Unternehmen wegen der gestiegenen Kakaopreise anordnete, habe sich in Europa insbesondere die extreme Hitze negativ ausgewirkt, hiess es zur Begründung. Besonders in den eigenen Spezialitäten-Geschäften sei die Nachfrage gesunken. «Niemand hatte Lust, bei 37 Grad in ein Geschäft speziell für Schokolade zu gehen», so CEO Adalbert Lechner. In den Supermärkten sei die Entwicklung nicht so deutlich gewesen.
Eine Alternative zu den höheren Preisen habe es allerdings nicht gegeben. «Wir haben versucht, die Preiserhöhungen zu begrenzen, allerdings waren sie durch die Rohstoffpreisentwicklungen nötig», sagte der Firmenchef.
Die nach ersten Rückgängen wieder gestiegenen Kakaopreise hätten auch mit den angepassten Preisen ihre Spuren bei der Bruttomarge hinterlassen. «Ohne die Preiserhöhungen wäre diese Entwicklung jedoch fatal gewesen», so Lechner. Nun soll gleichwohl auch an der Kostenbasis gearbeitet werden. Stellenstreichungen seien dabei aber kein Thema.
Preissenkungen nun möglich
Da sich die Rohstoffsituation mittlerweile etwas entspannt habe, fasst Lindt & Sprüngli ab Januar sogar breitere Preissenkungen ins Auge. Dadurch werde mit besseren Auftragsvolumina für das kommende Oster- und Weihnachtsgeschäft gerechnet.
Erste Senkungen habe es bereits gegeben. «Besonders in der Schweiz und Deutschland haben wir schneller reagiert, da dort eine gewisse Dringlichkeit bestand», so Lechner. Das habe sich auch direkt in höheren Volumina niedergeschlagen. Entsprechend zuversichtlich sei er für die kommenden Monate und 2027.
EBIT- und Mittelfristziele bestätigt
An seinem Ziel, die EBIT-Marge 2026 um 20 bis 40 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr zu verbessern, hält Lindt & Sprüngli derweil fest. Für 2027 erwartet der Schokoladenkonzern dann sogar wieder ein positives Volumenwachstum – gestützt auf eine angepasste Preisstrategie, höhere Markeninvestitionen und gesunkene Kakaopreise. Den Finanzausblick für 2027 wird Lindt & Sprüngli im ersten Quartal veröffentlichen.
Die mittelfristigen Ziele ab 2028, darunter ein organisches Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent jährlich, bestätigte das Unternehmen ebenfalls. Die EBIT-Marge soll weiterhin jährlich um 20 bis 40 Basispunkte verbessert werden.
EBIT-Marge und organisches Wachstum
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Die EBIT-Marge zeigt, wie profitabel ein Unternehmen im Tagesgeschäft arbeitet. Sie setzt den operativen Gewinn (EBIT = Gewinn vor Zinsen und Steuern) ins Verhältnis zum Umsatz. Je höher die EBIT-Marge, desto mehr verdient ein Unternehmen pro Umsatzfranken.
Von organischem Wachstum spricht man, wenn ein Unternehmen aus eigener Kraft wächst, also durch höhere Verkäufe, Preiserhöhungen oder neue Produkte. Zukäufe von anderen Firmen sowie Währungs- und Akquisitionseffekte werden dabei herausgerechnet. So wird sichtbar, wie stark das bestehende Geschäft tatsächlich wächst.
Aktie mit Kurssturz
An der Börse kam die neuerliche Umsatzwarnung nicht gut an. Im Vormittagshandel sacken die im Midcap-Index SMIM geführten Partizipationsscheine um 6.9 Prozent auf 7960 Franken ab. Damit wurde sogar erstmals seit 2021 die Marke von 8000 Franken unterschritten.
Analystinnen und Analysten befürchten mittlerweile einen gewissen Vertrauensverlust. Die Prognosefähigkeit von Lindt & Sprüngli werde durchaus angezweifelt. Auch habe das Unternehmen wohl seine Preissetzungsmacht überschätzt, so der Tenor.
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