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Monday, August 31, 2026

Von Zürich bis Genf – Auf dem Skateboard wird die Stadt zum Spielplatz

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Zürich. Wer skatet, liest die Stadt anders. Unterwegs in Zürich mit dem Skate-Fotografen und Kulturvermittler Alan Maag. In einer Durchfahrt zum Sihlquai weist er auf Spuren an der Wand hin, die wenig speziell wirken. «Die könnten von einem Skateboard stammen», sagt Maag. Er hat den Skaterblick.

Person in rotem Pullover macht Skateboard-Trick neben Fahrrädern unter Brücke.
Legende: Skaten in der City: Lifestyle, Freiheit – und ein bisschen Rebellion. Alan Maag erwischt hier Michael Brunner «mid air» – bei einem Switch Backside Flip unter der Hardbrücke in Zürich. Alan Maag

Dieser Blick gibt Alan Maag eine Idee, welche Art von Skate-Trick hier geübt wurde. Seiner Schätzung nach gebe es in Zürich ungefähr 15 bis 20 Leute, die so skaten können, dass an einer geraden Wand solche Spuren entstehen. Zum geübten Blick kommt ein grosser Schatz an Erfahrung.

Genf. Eine Wohnstrasse in Vernier. Wohnblocks, dazwischen ein kleines Haus, halb versteckt hinter Sträuchern. Hier befindet sich das Geneva Skateboard Museum. Im Innern ist es bis zur Decke vollgestopft mit Skateboards. Manche schäbig und zerbrochen. Andere nagelneu.

Jim Zbinden, der das Museum eingerichtet hat, ist ein ehemaliger Skater und passionierter Sammler. Die Skatboards in seinem Museum stammen aus Brockenstuben und Wohnungsauflösungen, aus Sammlungen und Onlineshops. Aus der Schweiz und aller Welt. Wie viele es sind, das weiss er selbst nicht so genau.

Vom Asphaltsurfen zum Skaten

Zürich. Die Pavillon-Skulptur von Max Bill an der Bahnhofstrasse, Ecke Pelikanstrasse. Modulare Kunstwerke wie dieses sind beliebt bei Skatern. Ihre Blöcke und Flächen bieten viele Möglichkeiten. An diesem Nachmittag sitzen zwei, drei Menschen im Schatten. Kinder laufen umher. Kein Skateboard weit und breit. «Man geht nicht zur Rushhour um 17 Uhr hin», sagt Alan Maag. Skaterinnen und Skater suchen öffentliche Plätze lieber in Randzeiten auf.

Genf. Skateboarden kommt aus Kalifornien. Ursprünglich war es etwas wie der kleine Bruder des Surfens. Ein Trockentraining. Es hiess zunächst auch «Sidewalk Surfing» oder «Asphaltsurfen». Im ersten Raum des Geneva Skateboard Museums häufen sich Bretter aus den 1950er- und den 1960er-Jahren.

Sie waren deutlich kleiner, kürzer und dicker als heutige Skateboards. Mit Rollen aus Metall und Kautschuk. Sie waren schwer und relativ teuer. «Asphaltsurfen» war (noch) nichts für Mittelklasse-Teenager.

Das änderte sich ab den 1970er-Jahren, als mit neuen Materialien und Herstellungsverfahren experimentiert wurde. Die wichtigste Änderung betraf die Räder, deren Laufflächen heute aus Polyurethan sind. Ein Material, dem die kalifornische Band Fu Manchu einen Song gewidmet hat.

Zürich. Auch der Werdmühleplatz mit seinen gemauerten Bänken und Simsen bietet viele Möglichkeiten für Skater. Irgendwo hier in der Innenstadt habe er als kleiner Bub die ersten Skater gesehen, erinnert sich Alan Maag. Wenig später begann er, zu skaten und zu fotografieren.

Als 12-Jähriger machte er die ersten Fotos von Freunden. Die erste richtige Kamera bekam er mit 16 oder 17. In jeder Skate-Clique sei damals jemand mit einer Foto- oder Videokamera dabei gewesen. Das Dokumentieren, das in Bilder fassen der Tricks: Das war Teil der Skaterszene. Es war eine Möglichkeit, sich auszutauschen, aber auch dem eigenen Lebensgefühl über den Moment hinaus Ausdruck zu verleihen.

Eigene Ästhetik und Skatedynamik

Genf. Skaten ist eine Lebensart. Für Jim Zbinden bedeutet Skateboarden Freiheit. «Ich war immer ein Rebell», sagt er. Ein Sportverein mit verbindlichen Regeln, einheitlicher Clubkleidung, das war nichts für ihn. Zum Skateboard kam Jim Zbinden durch Zufall. Er war sieben oder acht Jahre alt, als sein Vater ein Skateboard mitbrachte, das er auf der Strasse gefunden hatte.

Jim Zbinden war sofort begeistert. Und träumte bald von einer Profikarriere in den USA. Doch Mitte der 1990er-Jahre stoppte ein Unfall seine Träume. Seither skatet er nicht mehr. Er besann sich auf seine Sammelleidenschaft und eröffnete 2004 das Geneva Skateboard Museum.

Zürich. Viele Skatebegeisterte gingen später in Designberufe, sagt Alan Maag. Er selbst machte eine Ausbildung zum Fotodesigner und einen Master in Transdisziplinarität in den Künsten an der ZHdK. Eine Auswahl seiner Fotos ist zurzeit im Musée d’ethnographie in Neuenburg zu sehen.

Skater in der Stadt, aber auch im ländlichen Raum. Architektonische Strukturen, die fürs Skaten interessant sind. Und aufgeschrammte Hände. Das Stürzen, das immer wieder Probieren gehören zum Skaten dazu.

Alan Maag nutzt gern Gestaltungselemente wie das Fisheye-Objektiv, das in der Skatekultur einen hohen Stellenwert geniesst. Der Verfremdungseffekt, der durch das Fischauge entsteht, gleiche einer Annäherung an die Wahrnehmung beim Skaten, erklärt Alan Maag: Absprung, Sprung, Landung – alles sei in einem Bild drin.

Genf. Ästhetik spielt auch bei der Gestaltung der Boards eine grosse Rolle. Die ersten Bretter waren schlicht, wie man in Jim Zbindens Sammlung sehen kann. Designelemente fanden sich auf der Oberseite des Bretts. Ab den 1970er-Jahren rutschten die Designs auf die Unterseite. Durch die Tricks wurde diese Unterseite immer häufiger sichtbar und gewann dadurch an Bedeutung.

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  • Bild 1 von 4. Skateboards bedienen sich keiner starren Designsprache, sondern vielmehr einer subkulturellen Ästhetik, stark geprägt von Popkultur, Street-Art, Comics, Punkrock und der Surfkultur. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.

  • Bild 2 von 4. Das Geneva Skateboard Museum widmet sich dem Fortbewegungsmittel, seiner Kultur und Kunst. Bildquelle: Jim Zbinden/Geneva Skateboard Museum .

  • Bild 3 von 4. Der Ansatz des Museumsgründers Jim Zbinden: ein vollständiges Panel zur Geschichte des Skateboardings zu präsentieren – von den 1950er-Jahren bis zu zeitgenössischen Werken. Bildquelle: Jim Zbinden/Geneva Skateboard Museum .

  • Bild 4 von 4. Der Eintritt ins Museum ist kostenlos, unterstützende Spenden zu tätigen, ist aber möglich. Bildquelle: Jim Zbinden/Geneva Skateboard Museum .

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In Jim Zbindens Skateboardmuseum finden sich zahlreiche Skateboards mit auffallenden Designs. Es gibt Serien zu Themen wie den «Marvel»-Helden oder «Star Wars». Die Designs spiegeln die Interessen der Leute, die die Boards kaufen. Und das waren lange Zeit vor allem junge, weisse Männer. Heute skaten auch junge Frauen und Menschen in aller Welt.

Die Seele des Skateboards

Zürich. Skaten bleibt in Bewegung. 2020 war es als Gast an den Olympischen Spielen dabei, seit 2024 offiziell. Skaten werde sicher eine olympische Disziplin bleiben, sagt Alan Maag: «Es hat für Traumeinschaltquoten gesorgt.» Der Erfolg führe zu einer Verschiebung im Verhalten junger Skater, sagt Alan Maag. Viele junge Menschen skaten heute nur in Skateparks, nicht mehr auf der Strasse.

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  • Bild 1 von 2. Damals, als noch mehr auf der Strasse geskatet wurde: Alan Maag fotografierte Luc Kämpfen auf der Bahnhofstrasse in Zürich. Bildquelle: Alan Maag.

  • Bild 2 von 2. Und fernab der Strasse: Cedric Oosterhoff zeigt einen Backside Disaster am Crap Sogn Gion in der Bergwelt von Laax. Bildquelle: Alan Maag.

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Genf. Jim Zbinden sammelt nicht nur Skateboards. Auch Schuhe. Oder Steinstücke aus Skateparks, denn: «Ein Skateboard hat eine Seele.» Die ersten Skateparks entstanden in den USA bereits Mitte der 1960er‑Jahre. Seit den späten 1970er-Jahren wurden auch in vielen grösseren (und manchmal auch kleineren) europäischen Städten Skateparks gebaut. Und es werden immer mehr. Das Strassenskaten nimmt dagegen ab. Jim Zbinden glaubt: Der Underground werde schwächer.

Ausstellungshinweis

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Person in Shorts und Basecap fährt Skateboard in Innenraum.
Legende: Jakob Mueller/Julien Glauser/Musée d’ethnographie de Neuchâtel

Im Musée d'ethnographie in Neuenburg (MEN) ist derzeit – und bis zum 7. März 2027 – die Ausstellung «Skate of Mind» zu erleben.

In der Schau geht es um das Skateboard als Zeichen von Coolness, Freiheit – und auch ein bisschen Rebellion. In Neuenburg ist es sogar möglich, mit dem Skateboard durchs Museum zu fahren. Und das, ohne rausgeschmissen zu werden.

Zürich. Alan Maag ist optimistischer. Es gebe noch eine eigenständige Skateszene. Und die wird heterogener. Zudem gibt es eine ausgeprägte DIY‑Bewegung. Zum Beispiel in der Lettenhalle, einem Zwischennutzungsprojekt in Zürich. Dort haben verschiedene Gruppierungen sich Freizeitmöglichkeiten eingerichtet. Es gibt etwa Tischtennisplatten. Und Rampen für Skatebegeisterte. Skaten hat also Zukunft.

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