Trump kann sich Luxusanzug leisten, trägt aber «günstigen Import»

Donald Trump (80) öffnet bei einer Wahlkampfveranstaltung in Grand Island im US-Bundesstaat Nebraska sein dunkelblaues Jackett – und gibt den Blick aufs Innenfutter frei. Dort ist ein Detail zu sehen, das man beim luxusliebenden US-Präsidenten kaum erwartet hätte: ein Etikett der vergleichsweise günstigen Anzugmarke Jos. A. Bank.
Das überrascht. Schliesslich wurde Trump lange mit der italienischen Luxusmarke Brioni in Verbindung gebracht. Bereits in seinem 2004 erschienenen Buch «Trump: Think Like a Billionaire» schrieb er, dass Brioni ihn für seine TV-Show «The Apprentice» mit Anzügen ausgestattet habe. Er trage Brioni-Anzüge, die er von der Stange kaufe, erklärte Trump damals.
Wie bewertest du es, dass Trump offenbar auch einen günstigen Anzug trägt statt nur Luxusmarken?
Trumps Anzug kostet einen Bruchteil eines Brioni-Anzugs
Nun also Jos. A. Bank – und damit eine völlig andere Preisklasse. Anzüge der Marke kosten laut «The Independent» zwischen 250 und 580 US-Dollar (rund 210 bis 480 Franken), einzelne Modelle sind im Sale deutlich günstiger. Ein in den USA gefertigter Anzug der ebenfalls zu Tailored Brands gehörenden Marke Joseph Abboud kostet 700 US-Dollar (rund 580 Franken).
Brioni spielt dagegen in einer ganz anderen Liga: Aktuelle Modelle kosten mehrere Tausend Franken, einzelne Anzüge liegen bei über 10’000 Franken.
Mehr zu diesem Thema
«Vernünftige Wahl, wenn man aufs Budget achten muss, aber er ist Milliardär»
Für Trump dürfte als Milliardär der Preis kaum ausschlaggebend sein. Genau das beschäftigt auch die X-Userinnen und -User. Journalist James Surowiecki fragt dort, weshalb Trump überhaupt Anzüge von Jos. A. Bank trage: «Eine völlig vernünftige Wahl, wenn man aufs Budget achten muss, aber er ist Milliardär.»
Während die einen User über Trumps Modegeschmack spotten – jemand schreibt etwa: «Trump war schon immer schlecht angezogen. Glaubt ihr, dass er mit 80 plötzlich damit anfängt?» –, vermutet ein anderer scherzhaft: «Er kann bei einem Gratisgeschenk einfach nicht Nein sagen.» Andere können die Kritik hingegen nicht nachvollziehen und verteidigen den US-Präsidenten. Ein User kommentiert etwa: «Bescheidene Männer brauchen keine Tausend-Dollar-Anzüge.»
Kommt Trumps Anzug aus China?
Für Gesprächsstoff sorgt allerdings nicht nur der Preis, sondern auch die Herkunft von Trumps Anzug. Jos. A. Bank gehört zum US-Konzern Tailored Brands. Dieser gibt in einer Börsenmitteilung an, auf ein globales Lieferantennetzwerk zu setzen, das sich hauptsächlich in Asien befindet. Zu den wichtigen Beschaffungsländern gehören Vietnam, Indonesien, Bangladesch und China.
Modejournalist Derek Guy greift deshalb auf X Trumps «America First»-Politik auf. «Interessant. Anzüge von Jos. A. Bank werden alle im Ausland hergestellt, typischerweise in Ländern wie China und Bangladesch», schreibt er. Die Schwestermarke Joseph Abboud produziere dagegen auch in den USA. Guy fragt: «Warum hat Trump den günstigen Import dem in den USA hergestellten Anzug vorgezogen?»
Der Seitenhieb kommt nicht von ungefähr. Trump wirbt seit Jahren dafür, Produktion und Arbeitsplätze zurück in die USA zu holen und Importe mit Zöllen zu verteuern. Entsprechend fallen einige Kommentare aus. «So viel zur Unterstützung amerikanischer Produkte, Trump», schreibt ein User. Andere erinnern daran, dass auch Produkte mit Trumps eigenem Namen in der Vergangenheit im Ausland hergestellt wurden.
In welchem Land genau Trumps Anzug tatsächlich gefertigt wurde, lässt sich anhand des sichtbaren Labels allein nicht zweifelsfrei feststellen. Sicher ist aber: Bei mehreren aktuellen Jos.-A.-Bank-Anzügen bezeichnet der Händler die Herkunft lediglich als «Imported».
Was sagt die Kleidung von Politikerinnen und Politikern für dich über sie aus – oder ist dir ihre Kleiderwahl egal?
Vanessa Büchel (vab) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Fashion-Redaktorin im Lifestyle-Ressort und schreibt über Trends und Styling-Tipps.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
