Norwegen-Star: «Die Rivalität mit der Schweiz ist sehr gross»

- Der Norweger Atle Lie McGrath spricht vor dem Saisonstart in Sölden über die Rivalität mit der Schweiz.
- Im Slalom sieht er Norwegen vorne, im Riesenslalom seien die Schweizer schneller.
- Wengen und Alta Badia sind seine Lieblingsorte im Weltcup.
- Sein Tipp für den Slalom-Weltmeister von Crans-Montana 2027: er selbst.
Atle Lie McGrath, zweimal in Folge wurden Sie in Sölden Dritter. Wenn es am Sonntag wieder «nur» für den dritten Platz reicht, sind Sie dann glücklich darüber oder doch eher genervt?
Da wäre ich sicher glücklich darüber. Klar, besser als Dritter zu werden, wäre natürlich schön. Aber einen soliden Start in die Saison zu haben, ist schon einmal sehr gut. Wenn ich jetzt ein Angebot bekommen würde, Dritter zu werden am Sonntag, würde ich es mit Freuden unterschreiben.
Der erste Sieg im Riesenslalom lässt aber nach wie vor auf sich
warten …
Das ist eines meiner grossen Ziele für die Saison. Mein erster Weltcup-Podestplatz war 2020 im Riesenslalom. Da fehlten mir nur sieben Hundertstelsekunden auf den Sieg. Da dachte ich, einen Sieg in dieser Disziplin zu holen, werde einfach – jetzt bin ich aber viel reifer und auch schneller als damals.
Letztes Jahr waren die Norweger in den Technik-Disziplinen sehr stark. Wie stufen Sie sich und Ihre Kollegen im Vergleich zu den Schweizern ein?
Wir sind besser als sie im Slalom und sie sind im Riesenslalom schneller als wir – so würde ich es etwa sagen. Ich liebe das Duell mit den Schweizern. Es macht sehr viel Spass, gegen sie zu fahren. Vor allem, weil es ein paar Dreifach-Siege gab auf beiden Seiten. Drei Norweger gewannen 2025 in Wengen, darauf siegten drei Schweizer in Hafjell. Das war wie ein Schlagabtausch! (lacht)
Früher war der Zweikampf zwischen der Schweiz und Österreich sehr gross. Besteht nun zwischen der Schweiz und Norwegen eine neue grosse Rivalität?
Ja, im Slalom und Riesenslalom sicher. Besonders im Slalom sind die Rivalität und das Duell unserer beiden Länder sehr gross.
Sie haben den Slalom in Wengen angesprochen. Mit zwei Siegen in Folge scheinen Sie es dort sehr zu mögen.
Wengen ist unglaublich, wahrscheinlich der für mich schönste Ort im Weltcup. Wengen und Alta Badia sind meine beiden Lieblingsorte im Skizirkus. Aufgrund der spektakulären Bergkulisse, aber auch wegen der Piste. Es sind beides altmodische Hänge mit sehr viel Geschichte.
Letztes Mal standen in Wengen zweieinhalb Norweger auf dem Podest. Vermissen Sie Lucas Pinheiro Braathen in Ihrem Team?
Ich vermisse Lucas als Freund, wenn es darum geht, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Aber ehrlich gesagt haben wir viel mehr Ruhe im Team, seit Lucas für Brasilien fährt. Kurz bevor er den Verband gewechselt hat, gab es einen medialen Sturm, der uns ungewollte Aufmerksamkeit brachte. Das hat auch er damals gespürt. Jetzt kann er in einem ruhigeren Umfeld arbeiten – wir genauso. Ich sehe ihn viel lieber glücklich in seinem Team als unglücklich in unserer Mannschaft.
Haben Sie noch viel Kontakt zu ihm?
Ja, sicher! Wir schreiben uns und sprechen sehr häufig miteinander. Es ist immer wieder schön, ihn in den Trainings zu sehen und sich auszutauschen.
Letzte Frage: Ich würde gerne auf den Slalom-Weltmeister von Crans-Montana 2027 wetten. Wer wirds?
Du kannst dein Geld auf mich setzen. Bei der WM in Saalbach lag ich keine drei Zehntelsekunden hinter Loïc Meillard. Darum bin ich extrem hungrig auf diese Goldmedaille! Aber Loïc wäre natürlich sicher auch eine gute Wette. Zu Hause nochmals Slalom-Weltmeister zu werden, wäre für ihn unglaublich.
Nino Vinzens (nvi) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Seine Expertise verteilt sich hauptsächlich auf die Sportarten Fussball, Ski Alpin und Eishockey.
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