50 Jahre Kermit und Co. – Die «Muppet Show»: Viel mehr als Filz und Fleece

Vor 50 Jahren flimmerten sie erstmals über die Fernsehbildschirme: Kermit, Miss Piggy und Gonzo aus der «Muppet Show». Dass die herzerwärmenden Filzfiguren bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben, zeigt nicht zuletzt ihr Auftritt während der Halbzeitshow des Fussball-WM-Finals.
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05.09.2026, 09:30
Am 5. September 1976 feiert die «Muppet Show» ihre TV‑Premiere. Bereits die ersten Folgen bringen Kultmomente hervor: die absurde «Mahna Mahna»-Nummer oder Rita Morenos «Fever»-Duett mit Schlagzeuger Animal.
Bis 1981 entstehen 120 Folgen in fünf Staffeln. Die Serie wird in über hundert Ländern ausgestrahlt und entwickelt sich zu einem globalen Fernsehphänomen. Kinofilme und TV-Specials sorgen dafür, dass die Muppets bis heute präsent bleiben.
Für Klein und Gross
Dank Übersetzungen und Synchronfassungen in zahlreiche Sprachen erreicht die «Muppet Show» ein Millionenpublikum. Auch in Deutschland und der Schweiz gehört die halbstündige Varieté-Show mit Kermit als Gastgeber zu den prägenden Fernseherinnerungen mehrerer Generationen.
Das liegt auch daran, dass sie sich nicht nur an Kinder richtet. Mit ihrem doppelbödigen Humor und ihren gesellschaftlichen Anspielungen spricht sie ebenso Erwachsene an, ganz im Sinne ihres Schöpfers Jim Henson.
Woher kommt das Wort «Muppet»?
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Der Begriff «Muppet» wurde von Jim Henson geprägt. Lange erklärte er ihn als Mischung aus den englischen Wörtern «marionette» und «puppet». Später sagte Henson allerdings, er habe den Namen schlicht erfunden, weil er ihm gefiel.
Der Mann hinter den Muppets
Bereits mit der Kindersendung «Sesame Street» («Sesamstrasse») revolutioniert der US-Puppenspieler Jim Henson ab den 1960er-Jahren das Puppenspiel. Statt auf einer fernen Bühne agieren seine Figuren dank des Fernsehens direkt vor den Augen des Publikums.
Mit innovativen Ideen, handwerklichem Können sowie einem feinen Gespür für Humor und Timing macht sich Henson rasch einen Namen. Nach zwei Pilotfilmen ebnet Produzent Lew Grade schliesslich den Weg für die «Muppet Show», die in Grossbritannien entsteht und von dort aus die Welt erobert.
Glanz und Glamour im Muppet-Theater
Zum Erfolg der «Muppet Show» tragen nicht nur ihre beliebten Figuren bei, sondern auch prominente Gäste aus Film, Fernsehen und Musik. Liza Minnelli, Harry Belafonte, Steve Martin, Diana Ross und viele andere geben sich die Ehre.
Die Stargäste haben sichtlich Spass am Zusammenspiel mit den Muppets und begegnen ihnen als gleichwertige Bühnenpartner. Komiklegenden wie Peter Sellers laufen zu Höchstform auf, während Musikstars wie Elton John gemeinsam mit den Filzfiguren ihre grössten Hits präsentieren.
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Bild 1 von 6. Elton John sang und spielte zusammen mit den Muppets den «Crocodile Rock». (1976). Bildquelle: IMAGO / Album.
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Bild 2 von 6. Liza Minnelli trat in der 4. Staffel der «Muppet Show» auf. (Ausgestrahlt 1979). Bildquelle: IMAGO / Everett Collection.
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Bild 3 von 6. «The Muppet Show» mit Harry Belafonte. (Staffel 3, ausgestrahlt 1978). Bildquelle: IMAGO / Everett Collection.
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Bild 4 von 6. Komiker Steve Martin bei den Muppets (Staffel 2, ausgestrahlt 1977). Bildquelle: IMAGO / Everett Collection.
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Bild 5 von 6. Gaststar Diana Ross mit Fozzie Bear. (Ausgestrahlt 1981). Bildquelle: IMAGO / United Archives.
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Bild 6 von 6. Komiker Peter Sellers mit der Figur Gonzo. (Ausgestrahlt 1978). Bildquelle: IMAGO / United Archives.
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Von Anfang an greifen Jim Henson und sein Team gesellschaftliche Themen auf, darunter Umweltfragen, Geschlechterrollen sowie Vorurteile aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft. Ein bekanntes Beispiel ist Kermits Lied «Bein’ Green», das später unter anderem von Ray Charles, Frank Sinatra oder Diana Ross interpretiert wird.
Darin hadert Kermit zunächst mit seiner grünen Hautfarbe und damit, leicht übersehen zu werden. Im Verlauf des Songs erkennt er jedoch die Vorzüge des Grünseins und kommt zum Schluss, dass er genau so sein möchte, wie er ist. Das Lied wird damit zu einer einfühlsamen Metapher für Anderssein, innere Zufriedenheit und den Wert der eigenen Identität.
Spiegel für die Gesellschaft
Dass die Botschaften der Muppets bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren auf breite Akzeptanz stossen, hat auch mit der Art zu tun, wie sie mit ihrem Publikum in Verbindung treten. Entscheidend sei, dass die Botschaften nicht von Menschen, sondern von Puppen vermittelt würden, sagt die US-Amerikanerin Anna Paniccia, die während zwölf Jahren an Muppet-Produktionen mitarbeitet.
«Dadurch fallen Barrieren weg. Zuschauerinnen und Zuschauer sind eher bereit, zuzuhören und sich auf neue Perspektiven einzulassen», sagt Paniccia.
Zu den Inhalten, dem Können der Puppenspielerinnen und Puppenspieler sowie den kreativen Produktionsideen kommt ein weiterer Faktor hinzu, der wesentlich zum Erfolg der Muppets beiträgt: die Figuren selbst. Ihre Gestaltung spielt eine entscheidende Rolle dabei, dass sie so lebendig und nahbar wirken.
Aus Material werden Persönlichkeiten
Anna Paniccia, die heute in Basel lebt, kennt diesen Prozess aus erster Hand. Ab 2006 arbeitet sie während zwölf Jahren als Puppenbauerin in der Muppet-Werkstatt in New York und an mehreren Film- und Fernsehproduktionen mit.
Wie lebendig die Figuren wirken können, wird ihr bewusst, als sie Kermits Hand reparieren soll: «Da lag Kermit allein auf meinem Arbeitstisch. Ich steckte meine Hand in die Puppe, und plötzlich schauten wir uns gegenseitig an. Für einen Moment war da nicht einfach eine Figur aus Stoff und Schaumstoff, sondern eine Persönlichkeit, die mich seit meiner Kindheit begleitet.»
Ausdruck durch Bewegung
Manche Muppets verfügen über zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten. Fozzie Bear etwa kommuniziert nicht nur mit Sprache und Mimik, sondern auch mit seinen wackelnden Ohren und Handgesten. Anders als bei vielen anderen Figuren stecken in seinen Armen die Hände eines Puppenspielers. Möglich machen dies weiche Materialien wie Fleece, Filz und Schaumstoff, die den Figuren ihre organischen und lebendigen Bewegungen verleihen.
Die Herstellung solcher Puppen ist jedoch aufwendig und erfordert höchste Präzision. Selbst kleinste Nähte werden in den Nahaufnahmen der Kamera sichtbar.
Die Muppets heute
Auch nach 50 Jahren und in Zeiten von Computeranimation und digitalen Spezialeffekten haben die Muppets nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Das zeigt ihr jüngster Auftritt auf der grössten Bühne des Weltsports: Bei der Halbzeitshow des Fussball-WM-Finals 2026 tritt «The Electric Mayhem», die Hausband der «Muppet Show», vor einem Millionenpublikum ins Rampenlicht. Pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum erscheint zudem ein neuer «Muppet Show»-Special mit Popstar Sabrina Carpenter als Stargast.
Die Filzfiguren mögen einem anderen Fernsehzeitalter entstammen. Ihr Humor, ihre Herzlichkeit und ihre Botschaften sind jedoch zeitlos.
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