Welt-Alzheimertag – 160’000 Demenzkranke in der Schweiz – zwei Drittel sind Frauen

Welt-Alzheimertag 160’000 Demenzkranke in der Schweiz – zwei Drittel sind Frauen
Frauen erkranken häufiger an Demenz und übernehmen einen Grossteil der Betreuungsarbeit, wenn es den Partner trifft.
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21.09.2026, 18:38
Wer ist meine Frau? Wie heisst meine Tochter? Ist das mein Bett? Was passiert nur mit mir? Fragen wie diese seien typisch für jemanden mit Demenz, sagt der Neurologe und Demenzexperte Ansgar Felbecker. Er leitet die Memory Clinic in der neurologischen Gemeinschaftspraxis Neuro im Zentrum von St. Gallen. Hier hat er täglich mit Demenzpatientinnen und -patienten zu tun.
«Das Gemeine ist, dass Demenz nicht immer typisch ist», erklärt Felbecker. «Denn es gibt auch atypische Fälle – und diese sind gar nicht so selten.»
Vergesslichkeit oder Demenz?
Gerade im frühen Stadium sei es schwierig zu erkennen, ob es sich um altersbedingte Vergesslichkeit oder um eine beginnende Demenz handle. Ein Indikator dabei: Wenn sich das Gedächtnis langsam aber stetig verschlechtere. Oder wenn, wie Felbecker weiter ausführt, Orientierungsschwierigkeiten dazukommen.
Pro Jahr erkranken hierzulande knapp 36’000 Personen an Demenz. Rund 166’000 Menschen sind es insgesamt, die in der Schweiz heute mit Demenz leben. Auffällig ist dabei: Zwei Drittel der betroffenen sind Frauen. Dafür gibt es laut Demenzexperte Felbecker im Wesentlichen drei Gründe.
Warum Frauen häufiger betroffen sind
Der erste Faktor ist die Demografie: «Frauen habe eine höhere Lebenserwartung. Was erstmal positiv ist, hat den negativen Faktor, dass Frauen in den Demenzstatistiken in jedem Alter ein bisschen überrepräsentiert sind.» Das erkläre aber bei Weitem nicht alles, sagt Felbecker. Auch die hormonelle Umstellung bei den Frauen nach der Menopause könne ein Auslöser sein.
Der dritte wichtige Faktor ist der gesellschaftliche: «Man weiss zum Beispiel, dass ein hohes Bildungsniveau ein gewisser Schutzfaktor vor Demenz ist.» Weltweit liesse sich rund fünf Prozent des Demenzrisikos mit reduzierter Bildung oder schlechtem Zugang zu Bildungssystemen erklären.
Wer aber intensiv gelernt und sein Hirn trainiert hat, bei dem ist das Gehirnvolumen in gewissen Bereichen grösser. Felbecker spricht von einer «kognitiven Reserve. Von ihr kann man im Alter ein bisschen zehren.» Die Demenzerkrankung kann das nicht verhindern, aber verzögern.
Ein weiterer wichtiger Aspekt: Frauen sind oft doppelt betroffen, da sie im Alltag einen grossen Teil der Care-Arbeit übernehmen, auch wenn sich die Rollen langsam ändern. Auch in Pflegeberufen und sozialen Berufen sind häufig Frauen tätig. Das kann sehr belastend und stressig sein.
Wissen über Demenzprävention gehört in Schulen, Universitäten und Berufsausbildung.
Und dieser Stress ist ein Problem: Wenn Stresshormone dauerhaft erhöht sind im Körper, führt das indirekt dazu, dass Hirnzellen verletzlicher und anfälliger für einen Abbau sind. Das Interessante daran: Viele der Faktoren wirken über Jahre oder Jahrzehnte – die Gesundheit unseres Gehirns wird also nicht erst im Alter geprägt.
45 Prozent des Risikos beeinflussbar
Darum ist für Felbecker auch klar: «Wissen über Demenzprävention gehört in Schulen, Universitäten und Berufsausbildung. Es wäre toll, wenn Menschen diesbezüglich informiert werden und wissen, was es für eine gute Hirngesundheit braucht.»
Denn 45 Prozent des Demenzrisikos gelten als beeinflussbar. Und vorbeugen kann, wer sich zum Beispiel regelmässig bewegt, sich früh und regelmässig bildet, sich mit anderen Menschen austauscht, wer immer wieder Herausforderungen annimmt, wer Hörverlust behandelt und auf einen gesunden und ausreichenden Schlaf achtet – für ein gesundes Hirn, bis ins hohe Alter.
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