Geburtshelfer Jupiter – Was hat Asteroid Bennu mit dem Leben auf der Erde zu tun?

Geburtshelfer Jupiter Was hat Asteroid Bennu mit dem Leben auf der Erde zu tun?
Direkt neben dem sich bildenden Jupiter lag die Wiege des Asteroiden Bennu, das haben Zürcher Forschende herausgefunden. Dort entstanden wohl auch die Asteroiden, die die Grundsteine des Lebens auf die Erde gebracht haben könnten.
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29.09.2026, 16:49
Mit über 100’000 Kilometer pro Stunde rast er durchs All, der Asteroid Bennu. Genau so ein Asteroid könnte vor Milliarden von Jahren in die Erde geknallt sein – und eventuell sogar das Leben auf unseren Planeten gebracht haben. Kein Wunder interessiert er die Forschenden brennend. So auch Geologin Maria Schönbächler und ihr Team von der ETH Zürich.
Sie konnten ein halbes Gramm schwarze Krümel analysieren, die direkt von Bennu stammen. Doch wie holt man eine Gesteinsprobe von einem Asteroiden? Dieses Kunststück gelang der Nasa-Raumsonde Osiris-Rex. Sie brachte vor drei Jahren 120 Gramm Bennu-Krümel zur Erde.
Die Reise von Osiris-Rex
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Die Nasa-Raumsonde Osiris-Rex (Origins Spectral Interpretation Resource Identification Security – Regolith Explorer) startet 2016 vom Weltraumbahnhof Cape Carneval. Ihr Ziel ist der Asteroid Bennu.
Zwei Jahre nach dem Start, also 2018, gelangt die Sonde in Kamerareichweite des Asteroiden.
Weitere zwei Jahre später dann erfüllt sie ihre primäre Mission: Osiris-Rex berührt 2020 für kurze Zeit den Asteroiden und dringt circa 50 Zentimeter in den Asteroiden ein. Sie entnimmt erfolgreich Proben von dessen Oberfläche, das Material wird in einer Rückkehrkapsel aufbewahrt.
2021 tritt die Sonde die Rückreise zur Erde an. Am 23. September 2023 wird die Rückkehrkapsel – und in ihr das gesammelte Probenmaterial – in Erdnähe von Osiris-Rex abgetrennt und abgeworfen. Geschützt in der Kapsel und von einem Hitzeschild durchdringt sie die Erdatmosphäre unbeschadet. Sie landet in der Wüste in Utah.
Die Reise der Sonde geht weiter. Nächstes Ziel von Osiris-Rex ist der Asteroid Apophis.
Die Analyse überraschte Geologin Maria Schönbächler: «Bennu ist ein Mischling: Das Material passt weder eindeutig zum inneren noch zum äusseren Sonnensystem». Erwartet hatte sie eine Herkunft vom Rand unseres Sonnensystems.
Doch die chemische Analyse von Titan, Eisen und Chrom zeigte: Bennu enthält Gesteinsstaub von der inneren Region sowie Eis von der äusseren Region des Sonnensystems.
Geburtshelfer Jupiter
Ohne Jupiter hätte es diese Mischlings-Zusammensetzung nicht gegeben. Und Jupiter schirmte Bennu auch von grossen Brocken aus dem Weltall ab. So konnte der Gesteinsstaub mit dem Eis verkleben und Bennu entstand.
Der Clou am Ganzen: Das Eis ist gespickt mit kleinsten Bausteinen des Lebens. Also ersten Molekülen, die es für den Bau von Eiweissen und DNA braucht.
Transportvehikel des Lebens
Somit entstand dank Jupiter in der Mitte unseres Sonnensystems mit Bennu eine Art Transportvehikel des Lebens. Und ein weiterer so entstandener Asteroid könnte vor Milliarden von Jahren in die Erde gedonnert sein – im Gepäck die Ingredienzien für Leben und Lebewesen. Respektive der Sternenstaub, aus dem wir alle bestehen.
Und das alles auf einem winzigen fliegenden Geröllhaufen, auf dem man nicht mal richtig stehen könnte. «Das wäre, wie wenn man im Gotthardmassiv auf einem sehr instabilen Geröllfeld zu stehen versucht», so beschreibt es Geologin Maria Schönbächler. Die Grösse von Bennu kommt erst zum Ausdruck, wenn man ihn sich auf der Erde vorstellt. Da würde er mit 500 Metern Durchmesser den Eiffelturm und das Empire State Building in seinen Schatten stellen.
Berühmt-berüchtigter Asteroiden-Star
Bennu als möglicher Lebensbringer ist so etwas wie der Star unter den Asteroiden – allerdings mit berühmt-berüchtigtem Ruf. Denn er kommt der Erde alle sechs Jahre sogar näher als der Mond. Somit hat die Nasa ihn auf dem Radar.
Eine Kollision hätte laut koreanischen Forschenden verheerende Auswirkungen mit einem Temperatursturz um vier Grad und 15 Prozent weniger Regen. Es würde sehr kalt, sehr trocken und sehr ungemütlich werden. Zum Glück stehen die Chancen für eine Kollision im Jahr 2182 nur bei 0.037 Prozent.
Wir müssen also vor Bennu keine Angst haben. Und eventuell hat ein direkt neben ihm entstandener Asteroid die Erde zu dem gemacht, was sie heute ist.
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