Grünen-Fraktionschefin skeptisch: Dröge sieht bei Linke Voraussetzungen für Koalition nicht erfüllt

Grünen-Fraktionschefin skeptischDröge sieht bei Linken Voraussetzungen für Koalition nicht erfüllt
01.10.2026, 11:13 Uhr
In Berlin loten Linke, Grüne und SPD aus, ob sie gemeinsam regieren könnten. Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katharina Dröge, sieht die Bedingungen für Sondierungen beim Thema Antisemitismus noch nicht erfüllt.
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge fordert von der Berliner Linken ein härteres Vorgehen gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen. "Das sind keine Einzelfälle, das ist ein strukturelles Problem. Und wenn die Linke nicht deutlich macht, dass sie da wirklich mit aller Entschlossenheit und aller Härte auch gegen vorgeht, dann kann es diese Gespräche aus unserer Sicht so nicht geben", sagte Dröge in der ntv-Sendung Frühstart mit Blick auf eine Koalition zwischen Linke, Grünen und SPD in Berlin. Vertreter der drei Parteien treffen sich am Donnerstag zu einem ersten gemeinsamen Vorgespräch.
Im Falle einer Annäherung, sollen kommende Woche offiziell die Sondierungen beginnen. Die Linke war bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September mit 25,7 Prozent mit deutlichem Abstand zur CDU mit 18,8 Prozent stärkste Kraft geworden. Die Spitzen von SPD und Grünen stellen aber die Regierungsfähigkeit der Linken infrage, weil es vermehrt Berichte gibt über personelle Verflechtungen der Partei mit Israel-Hassern und dem kriminellen Milieu der Hauptstadt.
Dass es überhaupt zu Gesprächen mit der Linken und der SPD kommt, unterstützt Dröge nach eigenem Bekunden, da es insbesondere beim Thema Gerechtigkeit eine Schnittmenge zwischen den Parteien gebe. "Und gleichzeitig muss Berlin eine Stadt bleiben, wo alle Menschen frei und sicher leben können", so Dröge. Schaffe die Linke keine Klarheit, sei das ein Signal an die jüdischen Menschen in der Stadt, dass ihr Leben unsicherer werde.
Was die Linke in diesem Zusammenhang bislang angeboten hat, reicht Dröge nicht: "Ich kenne die Vorschläge der Linken bislang noch nicht. Und das ist das Problem an der Stelle." Nach ihrer Wahrnehmung wolle die Linke Personen aus der Partei, die sich antisemitisch geäußert haben, etwas unterschreiben lassen. "Aber ich erwarte von den Linken, die können dann auch nicht Teil einer Fraktion sein. Als Beispiel", so die Grünen-Politikerin. "Das sind notwendige Mechanismen, die eine Klarheit schaffen könnten. Aber so ist es bislang noch nicht." Das Dreierbündnis hätte mit 95 von 159 Sitzen eine deutliche Mehrheit im Abgeordnetenhaus.
Dröge fordert Klarstellung von Eralp
Unter Druck steht auch Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp. Sie war bis 2025 Mitglied der Roten Hilfe, die der Verfassungsschutz als linksextremistisch einstuft. Dröge verwies darauf, dass der Verein anwaltliche Beratung leiste. "Jeder Mensch hat in einem Rechtsstaat das Recht auch darauf, einen Anwalt zu bekommen, egal welche Straftat er macht", sagte sie.
Eine Erklärung erwartet sie von Eralp dennoch. "Sie hat selber gesagt, sie wollte offensichtlich nicht mehr Mitglied des Vereins sein. Das heißt, sie hat ja ein Problem gefühlt, und sie muss beantworten, warum sie in dem Verein Mitglied war, den sie dann selber im Nachhinein nicht mehr richtig fand", so Dröge. Dass die Grünen im Vergleich zur AfD mit zweierlei Maß messen, wies sie zurück: "Man kann die Rote Hilfe und die AfD nicht auf eine Stufe stellen."
"Lars Klingbeil redet sich echt mit schlechten Ausreden raus"
Mit Blick auf die Bundespolitik übt die grüne Fraktionschefin Kritik am SPD-Finanzminister. Ab Oktober gilt der von Schwarz-Rot beschlossene Tankrabatt, trotz vieler Warnungen von Experten. Dröge plädierte dafür, pauschal Energiegeld auf die Konten der Menschen zu zahlen und zur Finanzierung den Mineralkonzernen eine Übergewinnsteuer aufzuerlegen. "Lars Klingbeil redet sich echt mit schlechten Ausreden raus, wenn er behauptet, das Geld könnte nicht ausgezahlt werden", so Dröge. Der in der Ampel begonnene Auszahlmechanismus sei inzwischen fertig. "Er könnte genau diesen Weg jetzt nutzen. Er will es offensichtlich nicht."
Beim Tankrabatt lande dagegen ein relevanter Anteil der Mindereinnahmen bei den Mineralölkonzernen. Zudem profitierten Haushalte mit verbrauchsstarken Autos am stärksten. "Wenn der Bund 2,5 Milliarden Euro ausgibt, dann sollte er es doch nicht so ausgeben, dass ausgerechnet die obersten zehn Prozent am meisten profitieren", so Dröge. An CDU und SPD gerichtet sagte sie: "Es ist einfach schlechte Politik, das muss ich ganz ehrlich sagen. Einfallslos. Ein schlechter Kompromiss und am Ende kein Mut, mal was Neues auszuprobieren."
Zugleich habe die Regierung einen Preisanstieg des Deutschlandtickets nicht verhindert. "Ich finde es eine absolute Unverschämtheit, den Bahnfahrern gegenüber", so Dröge. Der Bund gebe 2,5 Milliarden Euro für den Tankrabatt aus, nehme aber kein Geld in die Hand, um den Preis des Tickets stabil zu halten. "Das Deutschlandticket hat mal 49 Euro gekostet. Das wäre ein fairer Preis gewesen", erklärte die Grünen-Politikerin: "Und das jetzt teurer zu machen und zu sagen, für die Autofahrer ist Geld da, das wird niemand verstehen."
Dröge forderte eine Preisgarantie für das Ticket. Weil Arbeitgeber und Pendler nicht wüssten, ob der Preis jedes Jahr weiter steige, entschieden sich viele gegen das Abo. "Würde man eine Preisgarantie aussprechen, so wie wir Grünen das vorschlagen, dann bin ich fest davon überzeugt, würden sich auch noch mehr Menschen für ein sehr cooles Ticket entscheiden", sagte Dröge. Mit mehr Abonnenten könne der Preis auch weiter sinken.
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