Kulturkampf im US-Militär – «Kriegsminister» Pete Hegseth krempelt das Pentagon um

Pete Hegseth hat aus seinen Absichten kein Geheimnis gemacht. 2024, vor seiner Zeit als Verteidigungsminister, sagte er in der Sean Ryan Show: «Zuerst müssen wir den Vorsitzenden des Generalstabs entlassen. Jeder General, jeder Admiral, der an der die DEI-Woke-Scheisse beteiligt war, muss gehen.»
Hegseth bewarb damals ein neues Buch, das sich heute wie eine Anleitung dafür liest, wie das Pentagon nun gesäubert wird. Hegseth schreibt, das Militär werde von linker Ideologie zugrunde gerichtet. Statt Leistung zähle DEI, also Diversität, die Förderung von Minderheiten, Frauen oder Transmenschen. Die Streitkräfte würden von Militärjuristen, «dämlichen Einsatzregeln» und einem überholten Völkerrecht zurückgehalten. Generäle und Admiräle hätten all das zugelassen.
«Schluss mit diesem Ballast»
Letztes Jahr bestellte Hegseth die hochrangigen Offiziere ein, um ihnen in einer öffentlichen Ansprache den Tarif durchzugeben: «Keine speziellen Monate mehr, in denen einzelne Minderheiten gefeiert werden. Keine DEI-Büros mehr. Keine Typen in Frauenkleidern. Keine Klimaschutzanbetung. Keine Spaltung mehr. Kein Genderwahn. Schluss mit diesem Ballast!»
Kurz nach Donald Trumps Amtseinführung fing die Säuberung an. Charles Q. Brown wurde entlassen, erster Schwarzer Vorsitzender des Generalstabs – und ranghöchster Offizier der Streitkräfte. Entlassen wurden auch die Admiralinnen Lisa Franchetti und Linda Fagan, die ersten Frauen an der Spitze von Marine und Küstenwache.
«Klima der Angst»
Gemäss «New York Times» wurden mehr als 80 Offiziere entlassen, oder ihnen wurde die Beförderung verwehrt. Das sind etwa 10 Prozent der hohen Offiziere. Besonders betroffen seien Schwarze und Frauen.
Frank Kendall war unter Präsident Joe Biden Luftwaffenminister. Gegenüber «PBS News» erklärte er: «Das ist unerhört. (…) Hegseth versucht, dem Pentagon eine Reihe von ‹Kulturkampf-Initiativen› aufzuzwingen, um die Führung umzustrukturieren. Das hat im Pentagon ein Klima der Angst geschaffen.»
Auch Ex-General Peter Chiarelli warnt. Zu NPR sagte er: «Ich fürchte, Hegseths Muster könnte Offiziere davon abhalten, ihre Meinung zu sagen, wenn sie nicht einverstanden sind oder wenn sie illegale Befehle erhalten.»
Einmal im Amt, entliess Hegseth den sehr respektierten Generalstabschef der Armee und lieferte sich einen Machtkampf mit einem Untergebenen: mit Armeeminister Dan Driscoll. Driscoll, der sich für Reformen und Innovationen einsetzte, etwa im Bereich der Drohnenkriegsführung, nahm vor Kurzem den Hut. Mehrere Topposten bei der US-Armee sind derzeit unbesetzt.
Ex-General Peter Chiarelli sagt: «Die Streitkräfte verlieren Leute, die seit 30, 35 Jahren im Dienst sind, mit ungeheurer Erfahrung, die entscheidend ist für die Kriege, die wir heute führen, und für jene, die wir in Zukunft führen werden.»
Zweifel an der Eignung von Pete Hegseth gibt es schon lange. Unter ihm führte das US-Militär rechtlich höchst fragwürdige Angriffe aus, etwa auf angebliche Drogenboote in der Karibik. Die US-Streitkräfte konnten den Iran bislang nicht in die Knie zwingen. Und gemäss Medienberichten schwindet der Bestand an Luftabwehrraketen.
Dass Hegseth jene Offiziere entlässt, die die USA auf den nächsten bewaffneten Konflikt vorbereiten sollten – die Folgen davon werden vielleicht erst vollständig sichtbar, wenn Pete Hegseth nicht mehr im Amt ist.
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