Nachfolge von Guy Parmelin – «Gmögig» vor kompetent: Wer schafft es eher in den Bundesrat?

Werbeagenturen und Coaches werden eingespannt, die den hoffnungsvollen potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten allerhand Tipps geben, worauf zu achten ist, bevor man sich in Position bringt.
Lorenz Furrer, Mitinhaber einer Beratungsagentur, hat den Durchblick beim Coaching in Bundesbern.
Bei einem Bundesrat werden (...) nicht per se die besten Leute gewählt, sondern die Leute, die am besten mit anderen umgehen können.
Wer in den Bundesrat will, sollte nicht nur fachlich kompetent und politisch durchsetzungsfähig sein – sondern auch sympathisch und gewinnend. «Bei einem Bundesrat werden namentlich aus den anderen Parteien nicht per se die besten Leute gewählt, sondern die Leute, die am besten mit anderen umgehen können», sagt Furrer. Der Begriff «gmögig» sei daher wohl ein guter gemeinsamer Nenner als Erfolgsfaktor für eine Bundesratskandidatur.
Kontakte, Timing – und Ecken und Kanten
2025 hatte Furrer den St. Galler Mitte-Nationalrat Markus Ritter bei seiner Kandidatur beraten. Wer intakte Wahlchancen haben will, müsse sich gut vernetzen und früh Kontakte zu anderen Parteien knüpfen. «Die Fähigkeit, gerade auch in andere Fraktionen, in andere Kreise gute Kontakte zu pflegen, dort Leute abholen und gewinnen zu können, ist enorm wichtig», so Furrer.
Als Aussenseiter kam Martin Pfister 2025 in den Bundesrat. Obwohl in Bern kaum bekannt, hatten er und sein damaliger Berater David Schärer ein patentes Rezept. «Die typischen Fallstricke sind eigentlich im Timing», sagt Schärer. Es stehe einem Bundesratskandidaten oder einer -kandidatin gut an, sich eher bitten zu lassen, bis man als die zwingende Lösung erachtet werde, und dann erst offiziell auf das Ticket zu kommen. Wer sein Interesse zu früh und ohne die eigene Basis im Rücken hinausposaune, könnte die Kandidatur verspielen.
Ein bisschen Ecken und Kanten ist gut, aber nicht zu viele Ecken und Kanten.
Wer auch bei anderen Parteien punkten wolle, dürfe nicht zu stark polarisieren. «Ein bisschen Ecken und Kanten ist gut, aber nicht zu viele Ecken und Kanten», sagt Schärer weiter. Und: «Die Kunst der Positionierung liegt immer darin, dass man klar ist in der Haltung, in der Persönlichkeit.» Aber diese Klarheit habe auch immer den Preis von Polarisierung. Da müsse man eine gute Balance finden.
Hinzu kommen die Konstellation im Bundesrat, kulturelle Herkunft oder Geschlecht – lauter Faktoren, die man mit noch so viel Coaching und Geld nicht beeinflussen kann.
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