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Monday, October 19, 2026

Gast wünscht Nazi-Song – dann kommt es zur tödlichen Schlägerei

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  • Nach einer Schlägerei in einem Eventlokal in Tuggen SZ ist ein 27-Jähriger gestorben.
  • Im Eventlokal trat zuvor die deutsche Punkband Krawallbrüder auf.
  • Im Publikum sollen sowohl linke Fans als auch Rechtsextreme gewesen sein.
  • Laut einem Insider eskalierte es, als der DJ an der Afterparty einen Song der Nazi-Band Landser spielte.
  • Die Kantonspolizei Schwyz hat einen 42-jährigen Schweizer festgenommen.

Nach einer Schlägerei in einem Eventlokal in Tuggen ist ein 27-jähriger Mann im Spital verstorben. Wie Recherchen von 20 Minuten zeigen, handelt es sich bei dem Veranstaltungsort um die Eventhallen im Industriequartier. In den Hallen findet unter anderem das Bar- und Pubfest Tuggen statt.

In den Hallen findet auch das Bar- und Pubfest statt.

In den Hallen findet auch das Bar- und Pubfest statt.20min/Vanessa Figi

Beim Event am Samstag soll es sich jedoch um eine Fremdveranstaltung gehandelt haben. Die deutsche Punkband Krawallbrüder wurde gebucht, um in Tuggen ihren einzigen Schweizer Tourstopp zu machen. Zudem spielten zwei deutsche Vorbands. Die drei Bands stammen aus der Oi-Szene, einem Musikstil der Skinhead- und Punkbewegung.

Was ist Oi?

Oi! ist eine musikalische Stilrichtung, die aus der linken Arbeiterklasse stammt. Ursprünglich aus Grossbritannien stammend, ist sie sowohl die Musik der Pub-Gänger als auch der Punkrocker. Zeitweise vermischte sich die eigentlich unpolitische Bewegung jedoch mit der rechten Skinhead-Kultur, wovon sich ein Grossteil der Oi-Szene distanzierte.

Laut einem Insider war das Publikum sehr durchmischt: Es waren linke Fans der drei Bands im ausverkauften Eventlokal anwesend, im Publikum bewegten sich aber auch einzelne klar erkennbare Rechtsextreme. «Einige trugen ‹Blood-and-Honour›-Pullis, Kollegen sagten mir, sie hätten auch Hakenkreuz-Tattoos gesehen.»

Bereits während des Konzertes sei es zu Störungen gekommen. Die Krawallbrüder schreiben auf Tiktok: «Die Störenfriede aus dem rechten Lager wurden umgehend und fachgerecht entsorgt! Bleibt nächstes Mal einfach gleich zu Hause!» Damit bezieht sich die Band jedoch aufs Konzert, an dem einzelne Rechtsextreme rausgeworfen wurden.

Krawallbrüder schreiben von rechten «Störenfrieden»

Zur tödlichen Schlägerei kam es allerdings erst an der Afterparty, die ein Stockwerk höher im «Bandits» stattfand und deren Eintritt gratis war. Sie wurde vom Eventlokal selber veranstaltet. Auf Anfrage von 20 Minuten schreiben die Krawallbrüder, dass sie nicht mehr vor Ort gewesen seien, als es zur Schlägerei kam. «Es waren keine Bandmitglieder mehr vor Ort von keiner Band. Eine Disco-Veranstaltung nach dem Konzert wurde uns zu keinem Zeitpunkt kommuniziert», so die Krawallbrüder.

«An der Afterparty legte ein lokaler DJ auf», sagt der Insider. «Als er einen Song von der Nazi-Band Landser abspielte, zeigten Leute im Publikum den Hitler-Gruss.» Andere Gäste hätten interveniert und gar versucht, dem DJ die Anlage auszuschalten – dann soll es zur verheerenden Schlägerei gekommen sein. Das Opfer sei in der Nähe des DJ-Pultes mit einem einzigen Schlag niedergestreckt worden und sei regungslos liegen geblieben.

Ein junger Mann, dessen Kollege dort war, sagt zu 20 Minuten: «Der Mann fiel nach hinten und erlitt eine Kopfverletzung.»

DJ: «Nicht gewusst, dass es ein Nazi-Lied ist»

Der DJ bestätigt gegenüber 20 Minuten einen Grossteil dieser Darstellung. Sein Auftritt im Eventlokal sei eine Ausnahme gewesen. Er habe weder die Acts noch die Gäste gekannt.

Wie der DJ erzählt, habe ihn ein Gast gebeten, ein Lied von Landser zu spielen. Diesem Wunsch sei er nachgekommen. Der DJ beteuert allerdings: «Ich wusste nicht, dass das Lied von einer Nazi-Band ist. Hätte ich gewusst, dass der Song derartige Reaktionen auslösen würde, hätte ich ihn nie gespielt.» Ein ihm unbekannter Gast habe nämlich versucht, seine DJ-Anlage auszuschalten. Die darauffolgende Auseinandersetzung habe er aber nicht gesehen.

Sicherheitsdienst beendete den Abend

Obwohl sein Set erst um 22.40 Uhr gestartet war und bis circa 0.30 Uhr friedlich verlaufen war, habe ihn kurz vor 1 Uhr ein Sicherheitsmann angewiesen, abzubrechen. Die Veranstaltung müsse beendet werden. Er habe kurz davor gesehen, wie mehrere Personen aus dem Eventlokal geführt worden seien. Erst draussen habe er Krankenwagen, Polizei und Rettungshelikopter entdeckt und sich gedacht: «Da muss wohl etwas Gröberes passiert sein.»

Die Kantonspolizei Schwyz bestätigt den Ablauf nicht. In Absprache mit der fallführenden Staatsanwaltschaft teilt Polizeisprecher Roman Gisler jedoch mit, dass es gemäss den vorliegenden Erkenntnissen nach einem Konzert zur Auseinandersetzung kam. «Die Umstände, welche zur Auseinandersetzung geführt haben, sind Bestandteil der nun laufenden Ermittlungen», so Gisler. Die Polizei konnte einen 42-jährigen Schweizer festnehmen.

Céline Trachsel

Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.

Lisa Arnold

Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.

Vanessa Figi

Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.

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