So schädlich ist es, in eine Raucherwohnung zu ziehen

Hat dein Vormieter oder deine Vormieterin geraucht? Die Wohnung riecht zwar vielleicht nicht mehr nach kaltem Rauch – chemisch sauber muss sie deshalb noch nicht sein. Forschende nennen diese Rückstände «Thirdhand Smoke»: Nikotin und andere Stoffe aus Tabakrauch lagern sich an Wänden, Böden, Teppichen oder Möbeln ab und können später wieder in Staub und Raumluft gelangen.
Wie hartnäckig solche Rückstände sind, zeigt eine Meta-Analyse von 2026. Die Forschenden werteten 21 Feldstudien mit 3167 Nikotinmessungen aus. In Wohnungen, in denen früher geraucht wurde, fanden sie auf Oberflächen im Median deutlich mehr Nikotin als in langfristig rauchfreien Haushalten.
Rauchst du in deiner Wohnung oder deinem Haus?
Rauchstopp macht die Wohnung nicht sofort rauchfrei
Schon eine Studie im Fachjournal «Tobacco Control» untersuchte 90 Raucherhaushalte und führte bei erfolgreich Rauchfreien bis sechs Monate nach dem Rauchstopp weitere Messungen durch. Bei diesen Messungen fanden die Forschenden Nikotin und tabakspezifische Schadstoffe im Hausstaub. Nichtrauchende Mitbewohnerinnen und Mitbewohner waren ebenfalls weiterhin messbar Tabakrückständen ausgesetzt.
Dass Menschen solche Rückstände aufnehmen können, ist gut belegt. Wie gross das damit verbundene Krankheitsrisiko ist, deutlich weniger. Die bisherigen Humanstudien sind klein und untersuchen vor allem kurzfristige biologische Reaktionen.
Wie gesundheitsschädlich ist das?
In einer Studie waren vier Nichtraucherinnen drei Stunden lang Thirdhand Smoke ausgesetzt. Danach reagierten Zellen in ihrer Nase messbar auf die Belastung. Unter anderem veränderte sich die Aktivität von Genen, die bei der Reparatur und beim Schutz von Zellen eine Rolle spielen. Eine Studie von 2022 in «eBioMedicine» untersuchte zehn Personen, deren Haut mit Kleidung in Kontakt kam, die mit Rauchresten belastet war. Dabei stiegen unter anderem Messwerte an, die auf Stress und Entzündungsreaktionen im Körper hindeuten.
Solche Resultate zeigen, dass Thirdhand Smoke im Körper etwas auslösen kann. Sie beweisen aber nicht, dass das Wohnen in einer ehemaligen Raucherwohnung etwa Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht. Dafür fehlen bisher grosse Langzeitstudien mit Menschen.
Putzen hilft, aber nicht immer dauerhaft
Putzen kann die Belastung deutlich senken, entfernt die Rückstände aber nicht zwingend vollständig. In einer Studie in «Nicotine & Tobacco Research» reduzierte eine intensive Kombination verschiedener Reinigungsmethoden Nikotin auf Oberflächen um rund die Hälfte. Im Staub sank die Belastung zunächst um 60 Prozent, erreichte drei Monate später aber wieder ungefähr das Ausgangsniveau. Die Forschenden vermuten Rückstände in Materialien wie Teppichen, Polstern oder Wänden als mögliche Speicher.
Wie gross das konkrete Gesundheitsrisiko in einer einzelnen ehemaligen Raucherwohnung ist, lässt sich aus den bisherigen Studien nicht bestimmen. Die Forschung zeigt aber klar: Rauchreste können den letzten Bewohner überdauern – und frische Farbe oder fehlender Rauchgeruch sagen wenig darüber aus, wie stark eine Wohnung noch belastet ist.
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Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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