Zwei Polizisten per sofort entlassen: Spur führt zum Fall Gobbi

- Der Tessiner Staatsrat hat zwei Beamte der Kantonspolizei mit sofortiger Wirkung entlassen.
- Beiden werden unter anderem die Verletzung des Amtsgeheimnisses und die Weitergabe vertraulicher Informationen vorgeworfen.
- Die Infos sollen unter anderem den Unfall von Staatsrat Norman Gobbi in der Leventina betreffen.
Knall bei der Tessiner Kantonspolizei: Der Staatsrat hat zwei Beamte mit sofortiger Wirkung entlassen, wie der Kanton Tessin am Mittwoch in einer Medienmitteilung schreibt. Gegen beide Polizisten führt die Staatsanwaltschaft derzeit Strafverfahren. Interne Untersuchungen führten zum Schluss, dass das Vertrauensverhältnis zu den beiden Polizisten «endgültig und irreparabel» beschädigt sei.
Schwerwiegende Vorwürfe
Dem ersten Polizisten wird die Verletzung des Amtsgeheimnisses vorgeworfen. Er soll vertrauliche Informationen an Dritte weitergegeben haben. Zudem wird gegen ihn wegen Sachbeschädigung, Behinderung von Amtshandlungen sowie wegen eines Verstosses gegen das Bundesgesetz über Waffen und Munition ermittelt.
Auch der zweite Beamte steht wegen des Verdachts auf Verletzung des Amtsgeheimnisses und der mutmasslichen Weitergabe vertraulicher Informationen an Dritte im Fokus der Ermittler. Hinzu kommt ein Verfahren wegen Begünstigung.
«Offenkundige Unvereinbarkeit» mit Tätigkeit
Dem Entscheid gingen interne Ermittlungen in den vergangenen Monaten voraus. Nach Einschätzung des Kantons Tessin sind «die festgestellten Verstösse so schwerwiegend, dass sie die sofortige Beendigung der Arbeitsverhältnisse der betreffenden Personen rechtfertigen». Die vorliegenden Erkenntnisse bestätigten eine «offenkundige Unvereinbarkeit» mit den Pflichten und Verantwortlichkeiten eines Polizeibeamten.
Die Strafverfahren der Staatsanwaltschaft sind weiterhin nicht abgeschlossen. Auch die Entscheide der Regierung sind noch nicht rechtskräftig. «Daher werden zu diesem Sachverhalt keine weiteren Stellungnahmen abgegeben», heisst es in der Mitteilung.
Wurden Infos zur Causa Gobbi weitergegeben?
Ausgangspunkt der Ermittlungen waren Abklärungen gegen einen der beiden Polizisten. Er steht im Verdacht, in Monteggio TI eine Radaranlage mit Schüssen beschädigt zu haben. Im Zuge der weiteren Ermittlungen rückte auch die mögliche Beschaffung und Weitergabe vertraulicher Informationen in den Fokus, wie RSI im April dieses Jahres berichtete. Diese sollen unter anderem einen Unfall in der Leventina betreffen, in den der Tessiner Staatsrat Norman Gobbi verwickelt war. Gobbi war im November 2015 offizieller Bundesratskandidat der SVP für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf.
Der Fall Gobbi
Der Fall reicht mehrere Jahre in die Vergangenheit: Gobbi war in der Nacht auf den 14. November 2023 auf der A2 in der Leventina TI in einen Unfall verwickelt. Bei einem ersten Atemalkoholtest wurden 0,28 mg/l, bei einer zweiten Messung mehr als zwei Stunden später 0,24 mg/l festgestellt. Obwohl eine Blutprobe hätte angeordnet werden müssen, wurde darauf verzichtet. Der Fall war politisch besonders heikel, weil Gobbi damals als Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements für die Tessiner Kantonspolizei zuständig war. Die Ermittler gingen deshalb der Frage nach, ob Gobbi bei der Unfallaufnahme von den beteiligten Beamten begünstigt worden war.
Zwei Polizeikader wurden 2024 wegen Begünstigung angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, Gobbi durch den Verzicht auf die Blutprobe vor möglichen strafrechtlichen Abklärungen bewahrt zu haben. Im Oktober 2025 sprach das Strafgericht in Bellinzona beide nach dem Grundsatz frei: Zwar hätte die Blutprobe angeordnet werden müssen, eine absichtliche Begünstigung Gobbis konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Daher wurden sie nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» (auf Deutsch: im Zweifel für den Angeklagten) freigesprochen. Die Freisprüche sind seit Januar 2026 rechtskräftig.
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Alessia Rambaldi (ram), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin am Newsdesk.
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