«Natürlich hassen sie uns»: Israelis wütend über Irland-Protest

- Beim Nations-League-Spiel zwischen Irland und Israel in Debrecen protestierte die irische Mannschaft mit mehreren Aktionen gegen den Gaza-Krieg.
- Die Iren spielten mit schwarzen Armbinden, senkten bei der israelischen Hymne die Köpfe und verweigerten das Abklatschen – Irland gewann 3:0.
- Israels Captain Manor Solomon reagierte wütend: «Natürlich hassen sie uns, wir mögen sie auch nicht.»
Am Sonntagabend standen sich Israel und Irland in der Nations League vor einer trostlosen Kulisse gegenüber. Vor wenigen Dutzend Fans gewann Irland im ungarischen Debrecen mit 3:0.
Der Sport stand und steht rund um diese Partie im Hintergrund. Die Iren protestierten mit diversen Aktionen gegen den Gaza-Krieg und stellten sich auf die Seite Palästinas. Irland gilt in Europa als einer der grössten Unterstützer des unterdrückten Staates im Nahen Osten. 2024 hatte Irland gemeinsam mit Spanien und Norwegen einen unabhängigen Staat Palästina anerkannt.
Sogar Boykott stand im Raum
Die Iren spielten mit schwarzen Armbinden, «um all derer zu gedenken, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben», hiess es vor dem Anpfiff. Bei der israelischen Hymne hielten die Iren ihre Köpfe gesenkt, zudem gab es keinerlei Abklatschen vor oder nach dem Spiel. Irland-Captain Dara O’Shea ignorierte den israelischen Captain Manor Solomon beim Handschlag nach der Seitenwahl mit dem Schiedsrichter. Jack Moylan, Torschütze zum 3:0, zog nach seinem Treffer die Armbinde ab und küsste sie.
Seine Spieler hätten «ihre Unterstützung für den Protest gezeigt» und «das Bewusstsein für das Thema geschärft», sagte Irlands Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson. Die Mannschaft hatte in den Tagen vor dem Spiel sogar einen Boykott erwogen, sich bis auf Ersatztorwart Gavin Bazunu letztlich aber dagegen ausgesprochen.
Israel-Captain: «Unser Land ist zehnmal besser als ihres»
Die Aktionen der Iren blieben nicht unkommentiert. Israels Torhüter Daniel Peretz, der gespielt hat, meinte dagegen nach dem Spiel: «Das alles beruht auf Unwissenheit.» Captain Solomon musste sich emotional gar zügeln. «Wenn ich sage, was ich von ihnen halte, würde ich wahrscheinlich für einige Spiele gesperrt werden. Natürlich hassen sie uns, wir mögen sie auch nicht. Ich freue mich schon auf das nächste Spiel gegen sie, das wird völlig anders.»
Zur Aktion, als die Iren ihre Köpfe senkten bei der israelischen Hymne, sagte er Folgendes: «Wir interessieren uns nicht für sie. Unser Land ist zehnmal besser und stärker als ihres. Wir sind stolz, das israelische Trikot tragen zu dürfen und stolz auf unser Land und unsere Soldaten. So wird es immer sein.»
Israels Aussenminister Gideon Saar warf Irland angesichts des Verhaltens der Spieler vor, «auf der falschen Seite der Geschichte» zu stehen. Auf X verwies Saar auf die irische Mannschaft von 1939, die damals vor einem Spiel gegen Deutschland in Bremen den Hitlergruss gezeigt hatte.
Er erinnerte zudem an Irlands Neutralität während des Zweiten Weltkriegs sowie daran, dass der damalige Premierminister Eamon de Valera dem deutschen Gesandten in Dublin nach dem Suizid von Adolf Hitler sein Beileid aussprach. «Fast 90 Jahre sind vergangen», schrieb Saar. Geblieben sei «Irlands einzigartige Begabung, sich auf der falschen Seite der Geschichte wiederzufinden».
Das Rückspiel am 4. Oktober findet in Serbien statt. Beide Nations-League-Spiele wurden aus offensichtlichen Gründen auf neutralem Boden angesetzt.
Nino Vinzens (nvi) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Seine Expertise verteilt sich hauptsächlich auf die Sportarten Fussball, Ski Alpin und Eishockey.
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