Autoersatzteilpreise – Unglaublich teure Autoersatzteile ärgern Kunden

Markus Henzi machte eine ärgerliche Entdeckung bei einem Onlinehändler: Die exakt gleiche Xenonbirne für seinen Skoda, wie sie ihm Amag zuvor für 338 Franken verkauft hatte, wurde dort für 38 Franken angeboten. Ein Fehler im System beim Generalimporteur? Nein, Amag bestätigt ihm, der Preis sei «korrekt». Gestiegene Lebenshaltungskosten, die Inflation, ja sogar «geopolitische Spannungen» seien unter anderem schuld am hohen Preis.
Gegenüber «Kassensturz» präzisiert Amag: «Solche Originalteile und deren Preise umfassen nicht nur das Bauteil selbst, sondern auch vom Hersteller klar definierte Qualitätsstandards, die schweizweite und langfristige Verfügbarkeit über das autorisierte Partnernetz sowie Garantie- und Beratungsleistungen.»
Doch rechtfertigt das einen neunmal so hohen Preis? Das Teil dürfte von der Produktion bei Osram mehrere Stellen des VW- und nachher des Amag-Konzerns durchlaufen. Dort werden Kosten und Margen draufgeschlagen, sodass aus dem Standardteil von wenigen Franken Produktionskosten am Schluss das teure «Originalersatzteil» wird. Amag will zur Lieferkette nichts sagen. Immerhin: Amag nahm die teure Birne schliesslich zurück – «aus Kulanz».
Für Leuchten und Scheinwerfer kaum Ersatzteile erhältlich
Ähnliches erlebte Michael Tschabold: Seine Markengarage tauschte eine Rückleuchte an seinem Hyundai gleich komplett aus, obwohl lediglich die äusserste Plexiglasscheibe einen kleinen Riss hatte. Kosten: satte 1550 Franken. Es gebe kein Ersatzteil für das Scheibchen, beschied ihm der Garagist.
Auch Astara als Generalimporteur schreibt gegenüber SRF, dies sei technisch bedingt: «Moderne Leuchteneinheiten sind hermetisch versiegelt und dadurch besonders widerstandsfähig gegenüber Feuchtigkeit, Schmutz und Umwelteinflüssen.»
Man schaut natürlich, dass man bei den Ersatzteilen und dem Service die entsprechenden Margen erwirtschaftet.
Experten bestätigen: Für hochpreisige Bauteile wie modernste LED-Scheinwerfer gebe es praktisch keine Ersatzteile. Stand heute gelten deren Gehäuse als kaum reparierbar, ausser bei Kratzern.
Starke Marktposition der Autohersteller
Die jährlichen Auswertungen der Versicherer zeigen: Autoersatzteile und Reparaturen werden immer teurer. Martin Eling, Professor für Versicherungswirtschaft, sagt, das liege an der starken Marktposition der Autokonzerne, aber auch an rückläufigen Verkaufszahlen bei Neuwagen bei tiefen Margen: «Dementsprechend schaut man natürlich, dass man bei den Ersatzteilen und dem Service die entsprechenden Margen erwirtschaftet.»
Die starke Marktposition der Autohersteller zeigt sich auch bei den markenunabhängigen Garagen. Hier beklagen Garagisten gegenüber «Kassensturz», dass es für sie einen besonderen Aufwand oder Kosten bedeute, die Steuergeräte gewisser Neuteile wie Scheinwerfer oder Klimakompressoren vor dem Einbau mit Software der Hersteller zu codieren.
Dies mache es den Freien schwerer, gegen die mächtigen Markengaragen zu bestehen. Dazu schreibt Auto-Schweiz, die Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure: «Ersatzteile werden aber durchaus von Markenbetrieben auch an freie Werkstätten verkauft. (...) Dass nicht angeschlossene Betriebe nicht über den gleichen Informationszugang verfügen, ist der Bedingung vorausgehender Investitionen geschuldet. (...) Insofern werden Drittbetriebe nicht ausgebremst.»
- Die sogenannten OEM-Teile aus dem freien Ersatzteilmarkt in der Schweiz: Das sind Teile mit identischer Qualität zu den Originalteilen der Autohersteller, hergestellt in der gleichen Fabrik. Ihre Logistikkette ist kürzer, daher kosten sie tendenziell weniger.
- OEM-Teile von ausländischen Händlern oder Onlineplattformen: Hier fällt der viel kritisierte Schweiz-Aufschlag weg. Auch diese Teile sind gleichwertig, doch teilweise deutlich günstiger. Der Nachteil: Wartezeiten, Frachtkosten und Verzollungsgebühren.
- Nachahmerteile irgendwelcher Marken oder «no name»: Hier gibt es bisweilen Schnäppchenpreise. Der Nachteil: Die Qualität reicht von exzellent bis erbärmlich.
- Occasionsteile von Autoverwertern sind oft nur die Hälfte oder ein Drittel des Neupreises. Gewisse Autoverwerter gewähren sechs Monate Garantie. Fragen Sie Ihren Garagisten, ob ein Gebrauchtteil bei einer bestimmten Reparatur Sinn ergibt.
- Reparaturen am Chassis oder von Teilen sind oft bedeutend günstiger als ein Austausch mit einem Neuteil. Garagen mit dem Label «Green Car Repair» führen prioritär Reparaturen aus. Reparaturen sind auch in Bezug auf die Ökologie besser: Jedes Teil, das nicht neu hergestellt werden muss, spart grosse Mengen an CO₂.
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