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Wednesday, November 4, 2026

Tabuthema Männergesundheit – Darum tragen Männer im November einen Schnauz

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Männer, die sich im November einen markanten Schnurrbart wachsen lassen, sind möglicherweise Teil einer weltweiten Bewegung namens «Movember». Sie will auf die Themen Männergesundheit und Vorsorge aufmerksam machen. Laut der Organisation «Movember» fungiert der Schnauz als Symbol für bessere Männergesundheit. «Ausserdem erregt er Aufmerksamkeit und regt wichtige Gespräche an.»

Facharzt Sergej Staubli spricht über ein veraltetes Rollenbild, das der Vorsorge im Weg steht und weshalb Befunde nicht nur schwarz oder weiss sind.

Sergej Staubli

Urologe

Sergej Staubli hat an den Universitäten Freiburg und Zürich Medizin studiert. Er war in verschiedenen Spitälern Assistenzarzt in der Chirurgie und Urologie. 2016 hat er in Zürich promoviert und 2019 die Prüfung zum Facharzt FMH für Urologie abgelegt. Er war Belegarzt in verschiedenen Spitälern in der Schweiz und eröffnete 2022 seine eigene Praxis in Wallisellen.

SRF: Stimmt der Eindruck, dass Männer nach wie vor Mühe im Umgang mit der eigenen Gesundheit haben?

Sergej Staubli: Sehr häufig trifft das zu. Der Mann, das archaische Bild des sogenannt starken Geschlechts, dem es schwerfällt, Schwächen einzugestehen. Zudem ist die Genitalregion stark mit Scham behaftet.

Jungen Männern fällt es leichter, gesundheitliche Probleme offen auszusprechen.

Diese zwei Faktoren erschweren es dem Mann, zu seiner Gesundheit zu schauen. Sie zeigen ungern ihre Schwächen oder schauen dorthin, wo es wehtut oder unangenehm ist. Es ist ein Tabuthema.

Hat sich in den vergangenen Jahren etwas getan im Umgang mit diesem Thema?

Ich sehe eine Entwicklung, insbesondere bei der jüngeren Generation. Jungen Männern fällt es leichter, offen auszusprechen: «Es juckt, es brennt» oder «Ich bin gerade verunsichert, weil ein Kollege an Hodenkrebs erkrankt ist». Die Scham geht zurück. Das hängt auch mit dem veränderten Männer- und Frauenbild zusammen. Männer trauen sich heute eher, auf ihre Gesundheit zu achten.

Welches sind die grossen medizinischen Themen, die immer wieder kommen und über die man sprechen sollte?

Ein Klassiker bei jüngeren Männern ist klar der Hodenkrebs sowie Infektionen und Geschlechtskrankheiten. Bei den älteren Patienten ab 50 Jahren ist es der Prostatakrebs.

Man könnte das Gefühl bekommen: Männer sind entweder krank oder gesund und etwas dazwischen gibt es nicht. Stimmt diese Vermutung?

Sie stimmt nicht ganz. Nicht nur in der Politik oder im Alltag, sondern auch in der Medizin greift ein Schwarz-Weiss-Denken zu kurz. Ein Beispiel ist die Prostata-Gesundheit. Manchmal entdecken wir Krebszellen. Die sind jedoch nicht aggressiv und stellen keine Gefahr dar. In solchen Fällen muss man trotz des Befundes keine Angst haben.

Was braucht es, damit wir mehr darüber sprechen?

So ein Interview, wie wir es gerade machen. Auch sollte man versuchen, mit einem Schmunzeln über Hodengesundheit zu sprechen. Das Eis brechen. Es geht darum, sich selbst und das persönliche Umfeld zu motivieren, über Männergesundheit zu sprechen und sich regelmässig abzutasten. Wenn man einen Freund trifft, kann man ihn auch mal fragen, wie es seiner Gesundheit geht und wie er zu ihr schaut.

  • 25.5 Prozent der Männer in der Schweiz waren noch nie bei einem Arzt, also jeder vierte Mann. Bei den Frauen sind es mit 11.9 Prozent deutlich weniger.
  • Männer leben durchschnittlich 82.7 Jahre, Frauen 86.3 Jahre. Die Lebenserwartung der Männer liegt also rund 3.6 Jahre tiefer.
  • Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 8'300 Männer neu daran, rund 1'340 sterben an den Folgen der Krankheit.
  • Pro Jahr erkranken durchschnittlich 484 Männer neu an Hodenkrebs. Durchschnittlich 13 Männer pro Jahr sterben daran.
  • Das mittlere Alter bei der Diagnose liegt bei nur 37.5 Jahren.

Sie setzen sich seit Jahren für das Thema Männergesundheit ein. Weshalb ist es Ihnen so wichtig?

Ich sehe die Fälle, die zu spät kommen. Jüngere Männer, die schon sehr lange einen verhärteten und vergrösserten Hoden haben und ich sagen muss: Schade, dass Sie sich nicht getraut haben, früher zu kommen. Die Behandlung ist einfacher, wenn man eine Erkrankung früh entdeckt. Dann geht es einfacher, diese zu beseitigen.

Was muss sich in der Gesellschaft und bei den Männern ändern?

Eine Krankheit sollte nicht als Schwäche betrachtet werden. Man sollte mit einer gewissen Leichtigkeit seiner Gesundheit Sorge tragen und keine Angst haben. Der Umgang mit sich selbst muss sich ändern. Stärke bedeutet auch, Schwäche zulassen zu können.

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