Bienenmedizin: Sind die Preise zu hoch?

Kleinste Nutztiere der Schweiz
Bienenmedizin: Sind die Preise zu hoch?
Die wichtigen Bienenmedis gegen die Varroa-Milbe sind in der Schweiz in den letzten Jahren teurer geworden. Grund genug für uns, genauer hinzuschauen.
Publiziert: vor 11 Minuten
In letzter Zeit haben mich zahlreiche Meldungen von Imkerinnen und Imkern erreicht: Die Preise der Varroa-Mittel seien massiv gestiegen. Ein erster Blick auf die Zahlen bestätigt den Eindruck. Die meisten untersuchten Präparate wurden in den letzten drei Jahren zwischen 13 und 33 Prozent teurer. Besonders ins Auge sticht dabei ein Mittel, dessen Packung vor drei Jahren noch 17.50 Franken kostete und heute mehr als das Doppelte, nämlich 39.05 Franken, kostet.
Diese Preissteigerungen haben wir genauer angeschaut. Nach der Auswertung der erhobenen Daten ergab sich folgendes Bild: Der Schweizer Markt umfasst knapp 200'000 Bienenvölker und ist damit im Vergleich zu anderen Ländern sehr klein. Gleichzeitig verursachen Herstellung, Zulassung und Qualitätssicherung beträchtliche Kosten. Diese fallen auch dann an, wenn nur geringe Mengen verkauft werden. Sinken die Absätze, verteilen sich die Fixkosten auf immer weniger Packungen.
Unsere Prüfung zeigte, dass die Preiserhöhungen im Wesentlichen auf höhere Kosten und rückläufige Absatzmengen zurückzuführen sind – und nicht auf übermässige Margen. Auch die absoluten Mehrkosten relativieren das Bild: Sie betragen schätzungsweise 5 bis 10 Franken pro Bienenvolk und Jahr.
Also kein Problem in diesem Markt? Keineswegs.
Bei den wichtigsten Mitteln gibt es in der Schweiz kaum Wettbewerb. Im Ausland liegen die Preise bei den meisten verglichenen Präparaten bis zu 40 Prozent tiefer. Doch unsere Imkerinnen und Imker dürfen diese Mittel nicht einfach dort bestellen.
Weil Bienen rechtlich als Nutztiere gelten, ist die private Einfuhr entsprechender Tierarzneimittel grundsätzlich verboten. Gleichzeitig ist der Schweizer Markt für ausländische Anbieter wenig attraktiv. Sie müssten für kleine Absatzmengen ein aufwendiges Zulassungsverfahren durchlaufen.
So bleiben den Imkerinnen und Imkern kaum legale Alternativen.
Es gibt also keinen Preismissbrauch, aber Hürden, die preistreibend wirken. Aus meiner Sicht wäre es angezeigt, für Tierarzneimittel in solchen kleinen Nischenmärkten einfachere Zulassungsverfahren zu prüfen – ohne Abstriche bei Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit.
Präparate, die in vergleichbaren Ländern bereits zugelassen sind, sollten möglichst unkompliziert auch in der Schweiz angeboten werden können. Ausserdem müssen wir aufpassen, dass heilmittelrechtliche Vorgaben in der Praxis nicht umgangen werden, damit die ohnehin sehr kleinen Absatzmengen nicht noch kleiner werden.
Unsere Untersuchung ergab keine Hinweise auf missbräuchliche Preise. Damit ist das Problem aber nicht gelöst. Nun sind die Politik und die zuständigen Bundesstellen gefragt: Sie sollten prüfen, wie sich der Marktzugang erleichtern und der Wettbewerb stärken lässt. Denn auch in einem kleinen Markt braucht es sichere Medikamente, eine zuverlässige Versorgung und faire Preise.
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