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Tuesday, October 27, 2026

Statt E-Schiff setzt Zürichsee-Fähre auf Diesel und erntet Kritik

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  • 55 Jahre lang war die Fähre «Schwan» zwischen Horgen und Meilen unterwegs, nun wird sie ausgewassert.
  • Ihre Nachfolgerin fährt mit Diesel statt wie geplant elektrisch, da die Mehrkosten nicht tragbar seien.
  • Während der Entscheid auf Linkedin von Gegnern kritisiert wird, verteidigen Befürworter die Entscheidung.
  • Die Baudirektion des Kantons Zürich bedauert den Entscheid, die Gemeinde Meilen kann ihn nachvollziehen. Grundsätzlich hätte sie eine vollelektrische Fähre aber auch begrüsst.

Der «Schwan» verabschiedet sich: Die Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG nimmt die Fähre «Schwan» nach 55 Jahren aus dem Betrieb. Sie entspreche nicht mehr den betrieblichen Anforderungen, wie das Unternehmen in einer Mitteilung ankündigte. Ersetzt wird sie durch eine dieselbetriebene Nachfolgerin, statt wie zuvor geplant durch eine elektrische Fähre.

55 Jahre war die Fähre «Schwan» in Betrieb. Nun wird sie ausgewassert.

55 Jahre war die Fähre «Schwan» in Betrieb. Nun wird sie ausgewassert.Tamedia

Eine elektrische Alternative sei umfassend geprüft worden: «Trotz intensiver Gespräche mit Behörden, Förderstellen und Finanzierungspartnern liessen sich die erheblichen Mehrkosten einer Elektrofähre nicht wirtschaftlich verantwortbar finanzieren.»

Dennoch halte die Firma an ihrer langfristigen Strategie fest: Die Flotte, die täglich zwischen Meilen und Horgen auf dem Zürichsee verkehrt, soll schrittweise elektrifiziert werden.

«Das darf und kann nicht sein»

Der Diesel-Entscheid sorgt jüngst für Diskussionen. So schreibt Nick Beglinger, CEO von Cleantech21, einer Zürcher Firma, die sich unter anderem mit erneuerbaren Energien beschäftigt, in einem Linkedin-Beitrag: «Das darf und kann nicht sein.»

Zu 20 Minuten sagt Beglinger: «Heute einen Dieselantrieb zu wählen, schreibt die damit verbundenen Klima- und Umweltbelastungen bis weit über 2050 hinaus fest. Das ist weder mit der Klimapolitik noch mit dem Anspruch vereinbar, Entscheidungen enkeltauglich zu treffen.» Weiter hinterfragt er die jetzige Schlussfolgerung, wonach eine vollelektrische Variante nicht finanzierbar sei.

«Schritt in die falsche Richtung» oder «Was ist das Problem?»

Deshalb will er eine Taskforce einrichten: «Es geht darum, gemeinsam innert kurzer Zeit eine solide Lösung zu finden. Wir brauchen Leute in Ämtern, die unterstützen können, genauso wie erfahrene Unternehmer.»

Seine Sichtweise scheint einen Nerv getroffen zu haben. «Gerade jetzt, wo die Preise wieder in die Höhe schnellen, finde ich diesen Entscheid weder nachhaltig noch zukunftsorientiert», gibt es unter seinem Linkedin-Beitrag etwa zu lesen.

Wie stehst du dazu, dass die Zürichsee-Fähre vorerst wieder auf Diesel setzt?

Andere können die Empörung nicht nachvollziehen. «Wir brauchen Fähren, die nicht schon nach vier Überfahrten schlapp machen und das Doppelte kosten», schreibt eine Person. Eine andere findet: «Was ist das Problem? Es ist ja eher so, dass jede Fähre mit einer Überfahrt Dutzende von Litern Treibstoff einspart.»

Kanton «bedauert den Entscheid»

Auf Anfrage äussert sich die Baudirektion des Kantons Zürich zur Thematik: «Wir bedauern den Entscheid der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG.»

«Eine elektrische Fähre hätte Signalwirkung gehabt.»

Baudirektion Kanton Zürich

Die Elektrifizierung im Verkehr diene nicht nur dem Klimaschutz, sondern reduziere auch die Abhängigkeit von importierten fossilen Treibstoffen, die sich aktuell in den hohen Dieselpreisen zeigt.

«Aktiv versucht, Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen»

«Die Baudirektion stand in regem Austausch mit der Fährgesellschaft und hat aktiv versucht, Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen oder zu vermitteln», heisst es. Konkret habe sie der Fährgesellschaft unter anderem einen Beitrag an die Finanzierung der Ladeinfrastruktur im Rahmen des Förderprogramms für Energie-Pilotprojekte in Aussicht gestellt.

Darüber hinaus sei die Baudirektion jederzeit bereit, die Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Elektrifizierung ihrer Flotte zu unterstützen.

Gemeinde Meilen hätte E-Fähre begrüsst

Die Gemeinde Meilen, die acht Prozent der Aktien an der Firma hält, hätte eine vollelektrische Fähre grundsätzlich begrüsst, wie sie auf Anfrage erklärt. Gleichzeitig gelte es, den ökologischen Nutzen des Fährbetriebs zu berücksichtigen – dieser sei insgesamt sehr hoch.

Daher sei der Entscheid der Fährgesellschaft vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Gemeinde nachvollziehbar. Da die möglichen Antriebsvarianten geprüft worden seien, sehe die Gemeinde derzeit keinen Anlass für eine Taskforce oder für zusätzliche Überprüfungen.

Die Gemeinde Horgen hat auf Anfrage auf eine Stellungnahme verzichtet. Bislang hat die Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG nicht auf eine Anfrage reagiert.

Andere elektrische Vorreiter

Zum Vergleich: Auf dem Bodensee verkehrt bereits seit 2019 zwischen Romanshorn TG und Friedrichshafen (DE) eine Elektro-Fähre. Der Elektrohersteller «Torqeedo» und der Fährbetreiber Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein schlossen sich dafür zusammen. Die Fähre ist mit einer Lithium-Ionen-Batterie ausgestattet, die eine Kapazität von 1300 Kilowattstunden hat. Über Nacht wird sie aufgeladen.

Doch auch in Zürich werden seit 2023 die elektrisch betriebenen Limmatboote «Fluvius», «Navalis» und «Pontus» betrieben. Im Jahr 2025 trat zudem das elektrisch betriebene Panoramaschiff EMS Uetliberg seine Jungfernfahrt an. Und das solarbetriebene Elektromotorschiff «MobiCat» des Bielersees hat 2019 sogar den Schweizer Solarpreis erhalten.

Lisa Arnold

Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.

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