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Monday, September 14, 2026

Godzilla-El-Niño sorgt für überraschendes Phänomen im Atlantik

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  • Ein aussergewöhnlich starker El Niño – der sogenannte Godzilla-El-Niño – sorgt in dieser Hurrikan-Saison für Rekordstille im Atlantik.
  • Bislang hat sich noch kein einziger Atlantik-Hurrikan gebildet – das ist die längste hurrikanfreie Phase seit Beginn der Satellitenbeobachtungen.
  • MeteoSchweiz geht davon aus, dass das El-Niño-Ereignis bis Februar 2027 anhält; welche Folgen es für die Schweiz hat, ist laut Meteorologe Peter Wick noch offen.

El Niño trocknet die Landschaften Mittelamerikas aus. Rekordverdächtig ruhig bleibt es aber auf dem Atlantik. Es ist Hurrikan-Saison, doch El Niño erstickt die Stürme, bevor sie richtig in Schwung kommen.

Bislang hat sich in diesem Jahr noch kein Atlantik-Hurrikan gebildet. Und auch mindestens für eine weitere Woche ist dem US-Hurrikanzentrum zufolge nicht damit zu rechnen, obwohl es normalerweise der Höhepunkt der Sturmzeit wäre. Nur fünf relativ schwache und kurzlebige tropische Stürme gab es demnach bislang in dieser Saison.

Das ist der Godzilla-El-Niño

Normalerweise wehen im Pazifik starke Passatwinde, die warmes Wasser nach Westen schieben: Bei El Niño schwächen sich diese Winde ab und es staut sich ungewöhnlich warmes Wasser vor der Küste Südamerikas. Es kommt zu einer mehrere Monate dauernden Strömungsumkehr. Typische Folgen sind zum Beispiel mehr Regen und Überschwemmungen in Teilen Südamerikas sowie Dürren oder Hitze in Australien, Indonesien und anderen Regionen. Das Klima in diesen Regionen kippt sozusagen von seinem normalen Zustand ins extreme klimatische Gegenteil. Der El Niño kann auch das globale Wetter für mehrere Monate beeinflussen. El Niños werden nicht durch den Klimawandel verursacht, können dessen Folgen aber zusätzlich verschärfen.

Ist das Wasser drei Monate lang im Mittel über 0,5 Grad wärmer als im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 30 Jahre, spricht die NOAA offiziell von einem El Niño. Liegt die Wassertemperatur aber über zwei Grad höher, kommt es zu einem starken El Niño. Das war bisher nur selten der Fall, etwa 2015/2016. Zuletzt 2023/2024. In diesem Jahr wurde die Zwei-Grad-Marke bereits im Juli überschritten. Manche Modelle rechnen mit drei Grad und mehr über dem Langzeitmittel, wie «Die Zeit» schreibt. Der Deutsche Wetterdienst DWD und einige andere Einrichtungen prognostizieren sogar einen El Niño mit einer Stärke von rund vier Grad. Unterhalb der Meeresoberfläche sei das Wasser bereits jetzt teils acht Grad wärmer als normal. All diese Punkte veranlassten Fachleute dazu, von einem Godzilla-El-Niño zu sprechen.

Aktivität auf Rekordtief

Am Samstag folgte ein Rekord der ausbleibenden Hurrikane, wie Nick Novella vom US-Wetterdienst erklärt. Es war die längste Zeit – zumindest seit Beginn der entsprechenden Satellitenbeobachtungen – während einer Saison, dass kein Hurrikan verzeichnet wurde, also ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 119 km/h.

Vor den 1950er-Jahren gab es zwar einige Jahre, in denen so spät noch keine Hurrikane verzeichnet wurden. Doch die Aufzeichnungen gelten als wenig zuverlässig, da damals die Überwachung der Ozeane lückenhaft war.

«Eine richtige Party»

Während El Niño im Atlantik die Hurrikane dämpft, ist im östlichen Pazifik die Sturmaktivität fast doppelt so hoch wie normal und die Hurrikane dauern länger als sonst. «Da draussen ist es eine richtige Party, ein Sturm jagt den nächsten im östlichen Pazifik», sagt Klotzbach von der Colorado State University. Dort wurden in dieser Saison schon 16 tropische Stürme mit Namen benannt, im zentralen Pazifik waren es 20.

Welche Folgen hat ein Godzilla-El-Niño?

Klar ist das noch nicht. «Bei einem Ereignis dieser Grössenordnung ist die Wahrscheinlichkeit, Auswirkungen zu spüren, die mit El Niño einhergehen, zwar grösser, aber nicht garantiert», halten Fachleute der NOAA in ihrer «El Niño-Warnung» fest. Ihnen zufolge kommt es in den kommenden Monaten mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent zu einem «sehr starken» Ereignis. Die Wahrscheinlichkeit für ein «historisch starkes Ereignis» wird mit 69 Prozent angegeben.

Laut MeteoSchweiz ist es «so gut wie sicher, dass dieses El-Niño-Ereignis bis im Februar 2027 anhält.» Die Folgen für die Schweiz sind laut Meteorologe Peter Wick ebenso wenig absehbar. «Für Europa kann ein sehr starker El Niño die Wahrscheinlichkeit bestimmter Grosswetterlagen verändern.»

Für die Schweiz spiele insbesondere die Lage des Jetstreams und die Druckverteilung über dem Atlantik und Europa eine entscheidende Rolle. «Wir haben einen sehr starken globalen Klimatreiber im System, der die Karten für den kommenden Winter neu mischen kann – welche Karten wir in Mitteleuropa tatsächlich bekommen, wird sich aber erst in den kommenden Monaten zeigen», so Wick.

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Justin Arber

Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.

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