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Monday, August 31, 2026

Trotz 13 Jahren in Thailand: «Die Schweiz bleibt meine Heimat»

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Der Waadtländer hat sein Glück im Heimatland seiner Mutter gefunden.

Der Waadtländer hat sein Glück im Heimatland seiner Mutter gefunden.DR

Darum gehts

  • Der Waadtländer Fussballprofi Chitchanok Xaysensourinthone spielt seit über 13 Jahren in Thailand.
  • Der 31-Jährige steht bis Juni 2027 bei Mahasarakham SBT FC unter Vertrag und erwartet bald seinen ersten Sohn.
  • Nach seiner Karriere will er in die Schweiz zurückkehren – und hofft auf eine Zukunft im Fussball im Kanton Waadt.

Chitchanok Xaysensourinthone. Ein Name, den wohl kaum ein Schweizer Fussballfan kennt. Der 32-Jährige ist ein Schweizer Kicker, der seit 13 Jahren im Ausland sein Geld verdient – in Thailand nämlich.  

Nach Asien wechselte Xaysensourinthone, nachdem er seine Ausbildung im Kanton Waadt absolviert hatte, mit einem kurzen Abstecher zur Sampdoria, wo er einen gewissen Mauro Icardi kennenlernte.

Der 31-jährige Flügel- oder Stürmerspieler hat viele Erfahrungen gesammelt und für Buriram, Muangthong, Rayong, Suphanburi sowie BG Pathum und Chiangrai gespielt. Heute steht er bis Juni 2027 bei Mahasarakham SBT FC im Osten Thailands unter Vertrag und spielt in der zweithöchsten Liga des Landes.

Ist das Gras auf den Fussballplätzen im Ausland Ihrer Erfahrung nach grüner als in der Schweiz?

Ehrlich gesagt war es immer mein Traum, in Europa erfolgreich zu sein. Ich ging sehr früh nach Italien. Schade war nur, dass ich damals auf Leihbasis mit Kaufoption wechselte. Stellen Sie sich vor: Ein kleiner Schweizer von Yverdon Sport, 16 Jahre alt, mit einer höheren Kaufoption als damals Mauro Icardi vom FC Barcelona.

Schweizer Kicker aus aller Welt

Es gibt nicht nur Granit Xhaka, Johan Manzambi und Co.: Nein, es gibt noch viel mehr! Rund 100 ingesamt. 20 Minuten stellt in einer Serie einige Schweizer Kicker vor, die niemand kennt.

Jeder Teil besteht aus den gleichen Fragen. So entsteht ein eindrückliches und intimes Bild von jenen Kickern, die abseits der grossen Öffentlichkeit ihr Geld verdienen.

Yverdon bleibt trotzdem ein besonderer Ort für mich. Dort durfte ich mein Debüt in der Challenge League geben, das ist wunderschön. Ich würde aber nicht sagen, dass das Gras anderswo grüner ist. Die Schweiz hat eine sehr gute Fussballausbildung. Meine Trainer haben mir geholfen, dorthin zu kommen, wo ich heute bin, und das schon vor dem Team Vaud. Auch meinem Vater bin ich dankbar, dass er mich früh bei La Sallaz angemeldet hat.

Meiner Meinung nach bietet die Schweiz hervorragende Bedingungen für den Fussball. Gleichzeitig ist Thailand zu meiner zweiten Heimat geworden. Ich bin seit mehr als 13 Jahren hier tätig, habe hier meine Frau kennengelernt und wir erwarten im Oktober oder November unser erstes Kind.

Rückblickend war es also ein Glücksfall. Natürlich hätte ich gerne auch in der Schweiz gespielt, aber es hat sich nicht ergeben. Ich bereue nichts. Die Schweiz bleibt meine Heimat.

Was haben Sie über die Fussballkultur in diesem Land gelernt?

Es ist völlig anders. Ich kam sehr früh in eine andere Kultur, zu einer Zeit, als mich viele Thailänder noch nicht wirklich als Thailänder wahrnahmen. Das prägte vor allem meine ersten Jahre hier. Damals war der Fussball im Land gerade im Aufbruch.

Der Schweizer sagt: «Ich bin seit mehr als 13 Jahren hier tätig, habe hier meine Frau kennengelernt und wir erwarten im Oktober oder November unser erstes Kind.»

Der Schweizer sagt: «Ich bin seit mehr als 13 Jahren hier tätig, habe hier meine Frau kennengelernt und wir erwarten im Oktober oder November unser erstes Kind.»Instagram/chitchaxaysens

Die thailändischen Spieler sind technisch stark und schnell. Gleichzeitig gab es trotz des grossen Talents deutlich weniger Disziplin. Ich habe gelernt, dass Thailand nicht die Schweiz ist, wo alles perfekt organisiert sein muss. Das gefällt mir nicht immer, aber ich habe mich daran gewöhnt.

Ich mag dieses Land sehr und kann hier von meiner Leidenschaft leben, deshalb bin ich glücklich. Über die Jahre habe ich mich wirklich gut eingelebt. Thailand ist ein unglaubliches Land.

Hat diese Erfahrung in Ihnen den Wunsch geweckt, nach Ihrer Karriere in Thailand zu bleiben?

Nach meiner Karriere werde ich in die Schweiz zurückkehren. Ich denke, dass ich noch mehrere Jahre weiterspielen kann. Viel wird von den Bedingungen abhängen, aber körperlich fühle ich mich heute jünger als früher. Das Wissen über meinen Körper und mein heutiger Lebensstil helfen mir, länger durchzuhalten und meine Grenzen weiter zu verschieben.

Ich bin hier sehr glücklich. Trotzdem möchte ich, dass mein Sohn eine ähnliche Erziehung erhält wie ich. Und falls sich im Kanton Waadt noch jemand an mich erinnert und nach meiner Spielerkarriere eine Aufgabe für mich im Fussball sieht, wäre das für mich eine grosse Ehre.

DR

Muss ein Fussballer mindestens einmal im Ausland spielen, um sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln?

Was ich heute sehe: Viele Junge erhalten sehr früh ihre Chance, und das finde ich sehr gut. Ich spreche dabei vor allem von der Schweiz. Wer in Europa oder im eigenen Land keine Möglichkeit hat, sich zu zeigen, kann enorm davon profitieren, ins Ausland zu gehen. Eine solche Erfahrung lässt einen als Mensch wachsen, aber auch als Fussballer.

Chitchanok Xaysensourinthone will irgendwann wieder in der Schweiz leben.

Chitchanok Xaysensourinthone will irgendwann wieder in der Schweiz leben.Instagram/chitchaxaysens

Wenn du die Chance hast, deinen Traum zu leben und deinen Beruf anderswo auszuüben, weil sich diese Möglichkeit in deiner Heimat nicht bietet, dann ist meine Antwort klar: Ja.

Erzählen Sie eine lustige Anekdote, die Ihnen vor Ort gezeigt hat, dass es definitiv ganz anders ist als bei uns.

Vielleicht ist es die Pünktlichkeit in Thailand. Das ist wirklich nicht wie in der Schweiz. Ich ärgere mich oft, wenn Dinge nicht rechtzeitig erledigt werden. Ich sage meinen Freunden dann jeweils: «Schaut, wenn ein Zug in der Schweiz um 9.06 Uhr ankommen soll, dann ist er um 9.06 Uhr da und nicht erst um 9.30 Uhr.»

DR

Inzwischen habe ich viele thailändische Freunde, einige in meinem Alter, andere jünger. Am meisten Mühe hatte ich mit der Generation, die ich zu Beginn meiner Karriere hier kennenlernte. Für einige war es ungewohnt, dass da ein junger Spieler kam, der so hungrig war und alles für den Erfolg geben wollte. Das war ein kultureller Unterschied.

Noch etwas?

Als ich ankam, war ich im Training sehr aggressiv. Ich gab immer 100 Prozent und wollte jede Übung, jeden Zweikampf gewinnen. Doch ein grosser Star der thailändischen Nationalmannschaft rückte mir damals den Kopf zurecht. Er sagte mir klipp und klar: «Hier ist Thailand, das ist nicht dein Land.»

Ich habe geweint. Ich war jung und verstand nicht, weshalb er das sagte, obwohl meine Mutter Thailänderin ist. Das liegt inzwischen mehr als 13 Jahre zurück. Heute ist es nur noch eine Anekdote, und es ist längst verziehen.

Ich glaube an die Kraft des Universums. Seit meiner frühesten Jugend wollte ich Fussballspieler werden. Das Universum hat mir diese Chance gegeben, und dafür bin ich dankbar. Fussball ist mein Leben.

Bald werde ich aber in die Schweiz zurückkehren. Meine Eltern und mein kleiner Bruder warten auf mich. Ich habe sie mit nur 16 Jahren sehr früh verlassen. Nun kehre ich dorthin zurück, wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin, mit der Frau meines Lebens und unserem ersten Sohn. Das Leben ist wunderschön.

Robin Carrel

Robin Carrel (rca) ist Journalist und Leiter der Sportredaktion bei 20 minutes, wo er seit 2011 tätig ist. Er arbeitet ausserdem für lematin.ch.

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