Er wollte ihr eine «Galaxie kaufen» – dann kam der Absturz

- Der 24-jährige Investor Leopold Aschenbrenner musste kurz vor seiner Hochzeit seinen Hedgefonds Situational Awareness notverkaufen – dieser war bis Ende Juli um 67 Prozent eingebrochen.
- Den Grossteil seines Aktienportfolios übernahm Ken Griffins Fonds Citadel, der damit kräftig profitierte.
- US-Aufsichtsbehörden prüfen nun die Handelsaktivitäten von Situational Awareness, formelle Vorwürfe gibt es bisher keine.
Für Leopold Aschenbrenner (24) hätte der August turbulenter kaum verlaufen können. Der deutschstämmige Investor heiratete Anfang August im kalifornischen Carmel Avital Balwit. Nur Tage zuvor musste er notfallmässig einen Grossteil seines Aktienportfolios verkaufen – sein Hedgefonds war bis Ende Juli um 67 Prozent eingebrochen.
Krisenverkauf kurz vor der Hochzeit
Laut dem «Wall Street Journal» unterschrieb Aschenbrenner die Papiere für den Notverkauf an Ken Griffins Fonds Citadel an einem Donnerstagmorgen – wenige Tage vor der Hochzeit. Ein Gast erzählte von einem langjährigen Versprechen Aschenbrenners an seine Frau. Demnach wollte das KI-«Wunderkind» seiner Ehefrau eines Tages nicht eine Jacht oder Villa, sondern eine «ganze Galaxie» kaufen. Für Citadel entpuppte sich der Deal derweil als lukrativ: Die übernommenen KI-Aktien erholten sich rasch. Aschenbrenners eigener Fonds Situational Awareness dagegen sackte weiter ab.
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Aschenbrenner ist in Berlin aufgewachsen. Mit 15 begann er sein Studium an der Columbia University, mit 19 schloss er als Jahrgangsbester ab. Über das FTX Future Fund von Sam Bankman-Fried landete er 2023 bei OpenAI, wo er intern vor angeblichen chinesischen Spionen warnte. Später wurde er entlassen, weil er vertrauliche Informationen weitergegeben haben soll – ein Vorwurf, den er bis heute bestreitet. Statt eine Schweigepflicht zu unterschreiben, verzichtete er auf Firmenanteile im Wert von rund 870'000 Franken.
Ermittlungen laufen
2024 veröffentlichte Aschenbrenner das Manifest «Situational Awareness» und gründete daraus einen gleichnamigen Hedgefonds. Investoren wie Jane Street sowie die Stripe-Gründer Patrick und John Collison stiegen ein. Der Fonds wuchs auf umgerechnet 39 Milliarden Franken und setzte stark gehebelt auf KI-Aktien – pro Franken Eigenkapital wurden rund drei Franken geliehen. Das rächte sich, als die Tech-Aktien im Juli einbrachen.
Jane Street verlor im Juli rund 13 Milliarden Franken, den schlimmsten Monat der Firmengeschichte. US-Aufsichtsbehörden prüfen inzwischen die Handelsaktivitäten von Situational Awareness, formelle Vorwürfe gibt es bisher keine. Der Fonds erklärte, man werde vollumfänglich mit den Behörden zusammenarbeiten.
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Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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