Immer wärmere Ozeane – Biologe: «Das Mittelmeer wird nicht mehr so sein, wie es war»

Die Meere sind so warm wie noch nie. Das zeigt etwa eine Studie des EU-Klimadienstes Copernicus, aber auch eine internationale Studie über die europäischen Meere, an der auch der Klimaforscher Thomas Frölicher von der Universität Bern mitgearbeitet hat.
Diesen Sommer lagen die Temperaturen in manchen Gebieten bis zu sechs Grad über dem Normalwert. Die Forschung zeigt laut Frölicher deutlich, dass dieser Anstieg auf den Klimawandel zurückzuführen ist, insbesondere auf die anhaltende Verbrennung fossiler Brennstoffe.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 4. Der Rotfeuerfisch stammt aus dem westlichen Indopazifik. Diese zwei wurden allerdings in der Adria gefangen und schwimmen jetzt in einem Aquarium in Kotor, Montenegro (13. März 2024). Bildquelle: REUTERS/Stevo Vasiljevic.
-
Bild 2 von 4. Auch der Flötenfisch verbreitet sich im Mittelmeer. Hier ein Exemplar in seinem angestammten Habitat im Roten Meer (28. Juli 2009). Bildquelle: REUTERS/Asmaa Waguih.
-
Bild 3 von 4. Für den Fang von Hasenkopfkugelfischen gibt es sogar Prämien: Fischer in Misrata, Libyen (12. August 2026). Bildquelle: REUTERS/Ayman al-Sahili.
-
Bild 4 von 4. Die steigenden Temperaturen wirken sich auch auf die Beute mancher Meeressäuger aus, hier ein Delfin im zentralen Mittelmeer (2. Oktober 2018). Bildquelle: REUTERS/Alkis Konstantinidis.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Die Erwärmung hat Folgen für das Leben im Meer. Fachleute sprechen vom Phänomen der Tropikalisierung: eine langsame Veränderung, die seit Jahrhunderten vor sich geht und heute im Klimawandel einen kräftigen Beschleuniger findet.
Der Prozess habe vor langer Zeit mit der Zunahme des Schiffsverkehrs begonnen, erklärt Guido Gnone, Biologe und wissenschaftlicher Koordinator des Aquariums von Genua. Dadurch seien mehr Arten von einem Meer ins andere gelangt. Der Wendepunkt im Mittelmeer sei mit dem Suezkanal im Jahr 1869 gekommen, der es mit dem tropischen Roten Meer verband.
Zunächst hätten sich die neuen Arten im Mittelmeer nicht angesiedelt, so der Forscher, wohl aufgrund der unterschiedlichen Umweltbedingungen. «Mit dem Klimawandel hat sich auch diese ökologische Barriere abgeschwächt.»
Das Mittelmeer wird nicht mehr so sein, wie es war.
Das Mittelmeer gilt heute als Hotspot der Biodiversität, aber auch als hochsensibles Thermometer für den Zustand des Planeten und die laufenden Veränderungen. «Rekordtemperaturen von über 30 Grad wie diesen Sommer waren noch vor einigen Jahren undenkbar», sagt Guido Gnone.
Das habe direkte Folgen für die Fauna und Flora, warnt der Biologe: «Die Arten, die kalte Gewässer bevorzugen, leiden unter dem Temperaturanstieg und sind in einigen Fällen gleichzeitig der direkten Konkurrenz durch wärmeliebende Arten ausgesetzt.»
Dafür seien neue, exotische und manchmal gefährliche Arten auf dem Vormarsch. Als Beispiele nennt Gnone den Silberkugelfisch, den Rotfeuerfisch, den Kaninchenfisch oder den Flötenfisch. «Diese tropischen Arten werden bleiben», betont er. «Man versucht jetzt irgendwie, ihre Invasivität abzumildern. Aber das Mittelmeer wird nicht mehr so sein, wie es war.»
Auch die Meeressäugetiere sind betroffen, etwa die neun Walarten, die im Mittelmeer heimisch sind. Der Temperaturanstieg treibt ihre Beutetiere in tiefere Lagen des Schelfs, wo etwa der Grosse Tümmler Mühe hat, hinabzutauchen. In der Folge verkleinert sich das Gebiet, in dem er Nahrung findet.
Der Beitrag von RSI fasst einige Fakten zusammen:
Wärmeliebenden Arten hingegen eröffnen sich neue Möglichkeiten. «Einige heimische Arten können vom Klimawandel zumindest mittelfristig profitieren», erläutert Gnone. «Etwa die Unechte Karettschildkröte, die am weitesten verbreitete Schildkröte im Mittelmeer, die traditionell ihre Eier an den südöstlichen Küsten des Mittelmeers ablegte. Seit einigen Jahren breitet sie sich rasch gegen Norden aus, und sie nistet jetzt auch im Ligurischen Meer.»
Auch wenn gewisse Arten profitierten, bilanziert der Meeresforscher, sei der Klimawandel insgesamt eine Bedrohung für die Artenvielfalt, vor allem bei den typischen mediterranen Arten.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.