Notfallchefin im Kantonsspital – «Ein Leben zu retten, ist die Königsklasse»

Was treibt jemanden in einen Job, in dem es täglich um Leben und Tod geht? Für Elke Schmidt ist die Antwort klar: «Ein Leben zu retten, ist die Königsklasse. Das ist das Tollste, wenn man das machen kann.»
Die Notfallmedizin fasziniert die 47-Jährige, weil sie alles enthält: Emotionen, Spannung, Zeitdruck. «Der Mensch – das ist wichtig. Er ist im Zentrum.»
Eine kleine Insel namens Luki
Der Notfall ist ihr Leben – aber fordert einen Tribut: «Mein Leben leidet darunter, dass ich meine Familie nicht viel sehe. Aber sie ist immer für mich da und sie ist meine Stütze.» Nach Nürnberg zieht es sie trotzdem nicht zurück.
«Im Einsatz» auf Play SRF
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Notärztinnen, Pfleger, Feuerwehrleute und Rettungsteams kommen zum Einsatz, wenn Menschen in Not sind. «SRF bi de Lüt – Im Einsatz» begleitet Mitarbeitende von drei Rettungsorganisationen bei ihrer täglichen Arbeit und zeigt die Wichtigkeit sowie die Bedeutung ihrer Arbeit. Jetzt auf Play SRF streamen.
Zu Hause bei ihrem Freund findet sie Ausgleich. «Meine kleine Insel mit Luki. Wo ich nicht stark sein muss und auch mal schwach sein darf.»
«Es ist nicht die Zeit zum Sterben»
Vor Kurzem passierte Elke Schmidt privat das, womit sie beruflich täglich konfrontiert war: Ihre Schwester, zehn Jahre älter, erlitt in Deutschland einen Schlaganfall und wurde in ein künstliches Koma versetzt.
Schmidt wusste, dass sie nicht helfen konnte. Dennoch traf sie die Situation besonders hart, und die wenigen Informationen über den Zustand ihrer Schwester machten sie zu Beginn kirre. «Das ist das, was mich auffrisst», sagte sie damals.
Die Wochen danach waren eine Berg- und Talfahrt. Eine Komplikation folgte der nächsten. Erst dann wurde der Familie klar, wie schwer krank die Schwester tatsächlich war. «Alle drei Tage gibt es eine neue Katastrophe, das beutelt uns sehr», sagte Schmidt.
Was danach kam, hatte die Familie geahnt, doch niemand wollte es laut aussprechen. Ihre Schwester starb. «Das ‹laut Aussprechen› war für uns wie Aufgeben», so Schmidt. «Meine Schwester ist nur zehn Jahre älter als ich, es ist also nicht die Zeit zum Sterben.»
Die Bilder, die bleiben
Beruflich hat Elke Schmidt gelernt, mit dem Tod umzugehen. Leicht ist es trotzdem nicht. Schlechte Nachrichten zu überbringen, gehört zu den schwersten Gesprächen, die sie führt. Sie bereite sich auf alles vor – von Stille bis zum Nervenzusammenbruch.
Besonders schwer wiegen die Schicksale junger Menschen. «Man denkt sich, was sie alles noch vor sich hatten.» Am tiefsten treffen sie Kinder. «Das sind die Bilder, die bleiben. Das sind die Situationen, die bleiben.»
Die wohl schwierigste Entscheidung überhaupt: lebensrettende und lebensverlängernde Massnahmen zu stoppen. Schmidt beschreibt, wie das Team dabei vorgeht: Krankengeschichte, Patientenwille, alle Bausteine werden sorgfältig zusammengefügt. «Ich frage mich immer auch selbst, ob ich so weiterleben möchte.» Das könne helfen, einen weiteren Aspekt in den Entscheidungsprozess einfliessen zu lassen. «Es ist aber nie ein Bauchentscheid.»
Eine Hassliebe
«Der Notfall ist eine Hassliebe», erzählt Elke Schmidt. «Es ist unheimlich anstrengend und stressig. Zwischendrin kommt der Gedanke, ob es anders nicht schöner wäre.»
Trotzdem komme sie immer wieder zum Entschluss: «Nein, hier will ich sein.» Auch wenn die Familie weit weg ist. Auch wenn die Schichten lang sind und die Entscheidungen schwer. Der Job macht Spass – und das schon lange.
SRF bi de Lüt – im Einsatz Rettungseinsätze hautnah – Zwischen Leben und Tod (Staffel 2026, Folge 1)
Dokus & Reportagen Staffel 2026 Episode 1. Laufzeit 45 Minuten.
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