Ski-Aus sorgt an GV für Eklat – darum sind die Aktionäre machtlos

- An der GV der Sportbahnen Braunwald AG in Braunwald GL ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Kleinaktionären und dem Verwaltungsrat gekommen.
- Der Streit dreht sich um den Entscheid, den Skibetrieb ab der Wintersaison 26/27 einzustellen – ein Beschluss, den viele Aktionäre nicht nachvollziehen können.
- Kleinaktionäre blieben trotz lautstarkem Widerstand chancenlos: Der Verwaltungsrat hält 52 Prozent der Aktien und hat somit Stimmenmehrheit und setzte sich entsprechend durch.
«Halt, stopp, ich will was sagen», ertönt es lautstark von einer Aktionärin während der Generalversammlung (GV) der Sportbahnen Braunwald AG am Mittwochnachmittag. Sie ist bei Weitem nicht die Einzige, die sich zu Wort meldet. Seit Wochen ist die Stimmung zwischen dem Verwaltungsrat und vielen Aktionären sehr angespannt. Der Grund für die Unruhe an der ordentlichen GV im Restaurant Grotzenbüel in Braunwald GL ist für alle Anwesenden klar: das Ski-Aus in Braunwald ab der Wintersaison 26/27.
Viele Aktionäre können den Entscheid der Sportbahnen Braunwald AG vom Juni nicht nachvollziehen. «Sie haben uns dieses Frühjahr noch erzählt, dass der Skibetrieb diesen Winter gesichert ist», so Stimmen der Aktionäre zu 20 Minuten. An der GV ist es nun zu deutlichen Ansagen gegen den Verwaltungsrat gekommen.

«Wir wollen einen klipp und klaren Bericht»
Bereits zu Beginn der GV stellt ein Vertreter der Kleinaktionäre folgende Forderung: «Wir möchten, dass jede Stimme ausgezählt wird, auch die Minderheit, und all unsere Fragen, welche wir vorab per Mail gesendet haben, geklärt werden.» Verwaltungsratspräsident Richard Bolt stimmt zu. Bezüglich der Fragen sagt er: «Einfache Fragen können wir an der GV beantworten. Komplexere Fragen werden wir innerhalb von 30 Tagen schriftlich beantworten.»
Bereits nach der ersten Abstimmung geht es hitzig hin und her. Der Bericht des Verwaltungsrates über das Geschäftsjahr 2025/2026 wird an der GV angenommen, obwohl die deutliche Mehrheit der anwesenden Personen dagegen ist. «Dieser Geschäftsbericht ist ein Schönwetter-Bericht. Wir wollen einen klipp und klaren Bericht, der zeigt, wo die Sportbahnen tatsächlich stehen», fordert ein Vertreter der Kleinaktionäre.
Kleinaktionäre sind chancenlos
Bolt erläutert den Entscheid: «Wir sind hier in einer Aktiengesellschaft. Die Aktienmehrheit hat überwogen.» Bolt hat dazu bereits vor der ersten Abstimmung erwähnt, dass von den 96 Prozent vertretenen Aktienanteilen der Verwaltungsrat die Stimmrechte von 52 Prozent hat. «Ich frage mich, warum wir die GV abhalten, obwohl der Verwaltungsrat 52 Prozent der Stimmen hat. Da können wir ja gerade alle nach Hause gehen», so eine Frau direkt anschliessend.

Die Wortmeldungen häufen sich im Laufe der Versammlung. Kein Traktandum wird stillschweigend durchgewunken. Nach jeder Wortmeldung der Kleinaktionäre wird geklatscht und gejubelt. Bei jeder Abstimmung fügt Bolt auf Wunsch der Kleinaktionäre hinzu: «Das Kopfmehr ist deutlich höher, jedoch hat die Aktienmehrheit überwogen.» Die Kleinaktionäre fordern, dass dies so protokolliert wird.
Verstehst du die Kleinaktionäre?
Die neuen Pläne für den Winter
Ivo Maissen, Geschäftsführer der Sportbahnen Braunwald AG, stellt der Versammlung die Pläne für den Winter vor. Unter anderem soll der Seilpark geöffnet bleiben, die Langlaufloipe sowie die Schlittelpiste sollen präpariert werden. Zusätzlich würde man eine Schlittelpiste vom Seblen einrichten und weitere Aktivitäten für junge Leute in der Nähe des Restaurants Grotzenbüel, dem Zentrum des einstigen Skigebiets, planen.

Schock: Gumenbahn wird eingestellt
Doch dann folgt der Hammer. Maissen erwähnt kurz: «Die Gumenbahn wird ab kommendem Winter, um Kosten zu reduzieren, nicht mehr in Betrieb sein.»

Die emotionale Stimmung hat spätestens jetzt ihren Höhepunkt erreicht. «Halt, stopp, ich will was sagen. Wenn die Gumenbahn nicht fährt, wie kommen Kleinkinder, alte Leute wie wir in die Höhe zum Gumen ohne Gumengondeln? Ich höre von allen meinen Freunden aus Zürich, dass Braunwald stirbt. Ohne Bahnen kommt niemand mehr. Ich bin dagegen. Ich akzeptiere dies nicht. Es sind nicht alle so fit wie du, Richi», stösst es aufbrausend aus einer Frau hervor. Bolt reagiert: «Vielen Dank für die emotionalen Worte. Ich gebe dir Recht, dass ein Sessellift für Leute mit bestimmten Einschränkungen sowie Kleinkinder und ältere Personen schwierig ist. Wir müssen nicht alle transportieren können.»
Zu spät für den alpinen Skisport
Ein Thema bei der GV ist die Marketingstrategie. «Das Produkt hätte angepasst werden müssen. Warum muss man jetzt eine Trasse für eine neue Schlittelpiste machen? Im Marketing vermisse ich die Präsenz. Braunwald ist eine Nische, die kann man locker füllen. Wie kann man etwas Bestehendes durch etwas Experimentierendes ersetzen?», so ein Wortmelder. Die Mehrheit möchte diesen Winter einen Skibetrieb und danach gemeinsam neue Wege finden. Bolt interveniert direkt: «Es ist zu spät, wir haben keine Leute für diesen Winter im Skibetrieb angestellt. Es wäre ein Hosenlupf. Wir können das Risiko nicht mehr tragen.»
Immerhin in einem Punkt sind sich alle einig: Braunwald hat ein wunderschönes Panorama und viel Potenzial. «Es ist ein naturnaher Ort zum Entschleunigen», so zahlreiche Anwesende zu 20 Minuten.
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