Auftakt Ski-Weltcup – Skirennen ohne Schnee – wie geht das?

In Sölden, wo am Wochenende der Skiweltcup startet, zeigt sich der Gletscher ungewohnt braun, auch wenn es in der Nacht auf heute einen Hauch Schnee gegeben hat. Der ehemalige Skirennfahrer und SRF-Experte Didier Plaschy ordnet die Situation ein und erklärt die Bedeutung von Snowfarming.
Didier Plaschy
SRF-Skiexperte und Trainer
Didier Plaschy (Jahrgang 1973) ist ein ehemaliger Schweizer Skirennfahrer. Als solcher gewann er zwei Weltcuprennen. Seit seinem Rücktritt ist er als Trainer tätig und seit der Saison 2018/2019 auch als Ski-Experte für SRF.
SRF: In Sölden startet der Weltcup auf konserviertem Schnee aus dem vergangenen Frühling. Ergibt Snowfarming aus Ihrer Sicht Sinn?
Didier Plaschy: Aus meiner Sicht ist Snowfarming sinnvoll. Es braucht Planungssicherheit. Man kann kein Rennen planen und dieses den Geschicken der Natur überlassen. Snowfarming hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Man kann das bei der Diavolezza sehen. Da entstand fast ein kleiner Gletscher.
Ich war vor acht Jahren in Adelboden beim Snowfarming dabei, da ging das noch nicht so gut. Heute verlieren sie dort über den Sommer nur noch 20 bis 30 Prozent der Schneemenge. In Sölden hat man mit 100'000 Kubikmetern Schnee Snowfarming gemacht. Das ist eine beachtliche Menge Schnee, der schon da ist und konserviert wird.
Beim Snowfarming wird im Frühjahr Schnee zu grossen Haufen zusammengeschoben und mit Holzschnitzeln oder Vlies isoliert. So übersteht ein Grossteil des Schnees den Sommer.
Im Herbst wird er verteilt, um frühzeitig Langlaufloipen oder Skipisten anzulegen. Dadurch können Wintersportgebiete die Saison oft schon vor dem ersten Naturschnee eröffnen.
Kritiker fordern, erst zu starten, wenn natürlicher Schnee gefallen ist. Wäre das überhaupt möglich?
Snowfarming ist aus Kunstschnee und das wird ohnehin gemacht. Für mich ist der Zeitpunkt jetzt richtig – alle sind «giggerig» aufs Skifahren und darauf, die Bilder zu sehen, wie sich Odermatt oder Maillard über den Sommer verbessert haben. Darum finde ich den Zeitpunkt für den Weltcup gut. Man kann darüber diskutieren, ob das für andere Niveaus Sinn ergibt.
Schneesituation in Sölden
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Bild 1 von 4. Ein Blick auf die Webcam zeigt: Das Zielgelände in Sölden ist am 20. Oktober fast schneefrei. Bildquelle: Screenshot Webcam 20.10.2026.
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Bild 2 von 4. Zwei Tage später ist das Zielgelände bereits etwas «eingezuckert». Bildquelle: Screenshot Webcam 22.10.2026.
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Bild 3 von 4. Schnee von gestern: Mittels Snowfarming wurde Schnee vom Frühling konserviert, um daraus die Piste zu präparieren. Bildquelle: Screenshot Webcam 20.10.2026.
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Bild 4 von 4. In den vergangenen 48 Stunden sind in Sölden etwa 10 bis 11 cm Neuschnee gefallen, wobei die Mengen je nach Höhenlage unterschiedlich ausfallen. Das würde für den Weltcup-Auftakt nicht ausreichen. Bildquelle: Screenshot Webcam 22.10.2026.
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Heisse Sommer, wenig Schnee und weltweite Reisen: Wie passt der Weltcup in Zeiten des Klimawandels noch ins Bild?
Dazu müssen sich generell alle Gedanken machen. Im Skisport und auch in anderen Sportarten ist das aber Teil des Business und letztlich Entertainment. Auf höchstem Weltcup-Niveau darf man diese Grundsatzfrage nicht stellen.
Aber man kann sinnvoll planen, um etwa Reisedistanzen zu reduzieren. Die FIS (der Internationale Skiverband) macht sich Gedanken, wie man durch gemeinsames Fliegen Kilometer einsparen kann.
Macht es für die Athletinnen und Athleten einen Unterschied, auf Altschnee statt auf Neuschnee zu fahren?
Entscheidend ist die Anpassungsfähigkeit über die ganze Saison. Die grosse Kristallkugel gewinnt derjenige, der mit wechselnden Bedingungen am besten umgehen kann.
Das Schöne ist immer, nicht zu wissen was kommt.
Ski, Bindung und Platte werden genau auf die Schneeverhältnisse am Rettenbachgletscher in Sölden abgestimmt. Am Ende zählt das Feingefühl des «Manoggels» auf dem Ski, um zu den Schnellsten zu gehören.
Wie steht es um das Schweizer Team mit Blick auf die kommende Saison und die Heim-WM 2027?
Bei den Männern im Speedbereich müssen wir uns keine Sorgen machen. Da gibt es viele Fahrer, die Rennen gewinnen können. Franjo von Allmen, der noch so jung und dreifacher Olympiasieger ist und sich entwickeln kann. Odermatt, der unbedingt Kitzbühel gewinnen will, Loïc Meillard, der in den technischen Disziplinen jedes Rennen gewinnen kann.
Bei den Frauen wird es mit dem Abgang von Lara Gut-Behrami etwas komplizierter. Camille Rast wird in den technischen Disziplinen liefern und im Speedbereich sind wir mit Corinne Suter und Malorie Blanc stark besetzt.
Relevant ist, ob die jungen Fahrerinnen den Schritt nach vorn machen können. Ich hätte gerne noch mehr Junge, die den alten Hasen Dampf machen können. Das Schöne ist immer, nicht zu wissen, was kommt.
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