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Saturday, September 12, 2026

«Fast hätte ich einen Vergewaltiger geheiratet»

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  • Christopher Malcolm wurde von einem schottischen Gericht wegen mehrfacher Sexual- und Gewaltdelikte zu 16 Jahren Haft verurteilt.
  • Seine Ex-Partnerin schildert der BBC, wie er sie körperlich und psychisch misshandelte und ihr das Handgelenk brach.
  • Erst nachdem vier Personen unabhängig voneinander Anzeige erstatteten, kam der Fall ins Rollen.

Amy* und Christopher Malcolm lernten sich Ende August 2023 über die Dating-App Tinder kennen. Bereits vier Monate später sollte das Paar heiraten. Doch Amys Familie und Freunde verhinderten die Hochzeit: Sie wussten, dass Amy während eines Grossteils der Beziehung körperlich und psychisch von Christopher misshandelt worden war.

Heute, wenige Wochen nachdem der 37-Jährige von einem schottischen Gericht wegen mehrfacher Sexual- und Gewaltdelikte zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde, kann Amy der BBC ihre Geschichte erzählen.

Bald durfte Amy nicht mehr mit der Familie telefonieren

«Alles ging sehr schnell», erinnert sich die Britin. Schon in der ersten Woche stellte Christopher ihr seine Eltern vor, wenige Monate später zog das Paar zusammen. «Wenn wir glücklich waren, war er wie mein bester Freund. Er wusste, was ich dachte – das war schön, aber zugleich auch beängstigend.»

Malcolm begann früh, Amys Leben zu kontrollieren. Er verlangte, dass sie ihre Social-Media-Konten lösche, damit die Beziehung «nur zwischen uns» bleibe. Auch Anrufe ihrer Familie durfte sie zu Hause nicht entgegennehmen, weil er «ihre Akzente nicht mochte». Er versteckte ihr Handy oder nahm es ihr gewaltsam weg.

Christopher Malcolm kontrollierte und misshandelte vier Frauen. Im Juli 2026 wurde der 37-Jährige zu 16 Jahren Haft verurteilt.

Christopher Malcolm kontrollierte und misshandelte vier Frauen. Im Juli 2026 wurde der 37-Jährige zu 16 Jahren Haft verurteilt.Scotland Police

Mehrfach tauchte er an ihrem Arbeitsplatz auf und forderte sie auf, früher Feierabend zu machen. Dabei drohte er, eine Szene zu verursachen. Weigerte sie sich, stellte er ihr eine «schreckliche Nacht» in Aussicht.

«Als hätte er einen Schalter umgelegt»

Auch körperliche Gewalt wurde Teil der Beziehung. Zunächst geschahen die Übergriffe nur gelegentlich, doch sie häuften sich zunehmend. Amy erinnert sich an eine dreitägige Attacke, während der Christopher das Sofa mit einem Teppichmesser aufschlitzte. Bei einem weiteren Angriff brach er ihr das Handgelenk und hinderte sie anschliessend daran, ins Spital zu gehen. Die Verletzung hinterliess bleibende Schäden.

Manchmal habe er sie unvermittelt angegriffen, «als hätte er einen Schalter umgelegt», sagt Amy. In anderen Fällen kündigte er die Gewalt an. «Dann spielte er morgens um sechs Uhr Heavy Metal. Er wusste, dass es eine Foltermethode war: ‹Mach dich auf das gefasst, was heute passiert.›»

Warum Amy ihren Ex nie anzeigte

Solange Malcolm auf freiem Fuss war, fühlte sich Amy nicht sicher genug, ihn bei der Polizei anzuzeigen. Erst als vier Personen unabhängig voneinander ihre Sorgen bei den Behörden meldeten, kam Bewegung in den Fall. Ohne Amys Wissen übergaben Angehörige und Freunde den Ermittlern Beweismittel, darunter Textnachrichten und Fotos ihrer Verletzungen.

Malcolm wurde nach der ersten Meldung festgenommen und gegen Kaution freigelassen. Doch die Beweislast wuchs weiter, und die Beamten drängten Amy dazu, selbst auszusagen. «Wenn Sie keine Anzeige gegen ihn erstatten, werden wir Sie irgendwann in einem Strassengraben finden», sagte ein Beamter zu ihr. «Das traf mich sehr hart, denn noch nie zuvor hatte mir jemand etwas so unverblümt gesagt.»

Delikte begannen beim Täter im Teenageralter

Amy ist überzeugt, dass ihr Umfeld ihr vier Wochen vor der Hochzeit das Leben gerettet hat. Nach einem Prozess mit 56 Zeugen wurde der 37-jährige Christopher Malcolm auch wegen Straftaten an drei weiteren Frauen verurteilt. Die Delikte reichen bis ins Jahr 2008 zurück, als er noch ein Teenager war. Kürzlich legte er Berufung gegen seine 16-jährige Haftstrafe ein.

Amy ist der Ansicht, ihr Ex-Partner zeige eine tief verwurzelte Frauenfeindlichkeit und könne niemals resozialisiert werden. Nach Malcolms Verurteilung im Juli erklärte Chefermittlerin Jade Wardell von Police Scotland: «Malcolm hat vier Frauen über Jahre hinweg entsetzlichem Missbrauch ausgesetzt. Dies hat bleibende Traumata hinterlassen und ihr Leben tiefgreifend beeinträchtigt. Ich möchte alle Menschen, die sexuellen Missbrauch oder Gewalt erlebt haben, dazu ermutigen, dies der Polizei zu melden. Jede Meldung wird ernst genommen und gründlich untersucht.»

* Amy ist ein von der BBC gewählter fiktiver Name, um die Identität des Opfers zu schützen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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