QR-Code statt Speisekarte in der Beiz: Praktisch oder Ärgernis?

- Ein Reddit-Nutzer kritisiert in der Community «AskSwitzerland» QR-Code-Speisekarten als nervig und unnötig kompliziert.
- Damit trifft er einen Nerv. Mehrere User kommentieren und regen sich über die erzwungene Handynutzung auf.
- Das bestätigt auch die Forschung: Eine Studie zeigt, dass QR-Menüs als umständlicher wahrgenommen werden und die Kundenbindung schwächen können.
Du sitzt im Restaurant, willst etwas bestellen – und statt einer Speisekarte liegt ein QR-Code auf dem Tisch. Also Handy hervornehmen, Kamera öffnen und durch die digitale Karte scrollen. Genau davon hat ein Reddit-Nutzer genug. In der Schweizer Community «AskSwitzerland» macht er seinem Ärger Luft.
«Bin ich der Einzige, der QR-Code-Speisekarten absolut hasst?», fragt der Nutzer «GreenStarC» auf Reddit. Er finde die digitalen Menüs unglaublich nervig und unnötig kompliziert. «Ich hätte viel lieber eine einfache Speisekarte aus Papier, als mich durch eine schlecht gestaltete Website kämpfen zu müssen.»
Besonders störe ihn, dass alle am Tisch sofort zum Smartphone greifen müssten. «Ich will einfach eine Mahlzeit geniessen, ohne auf mein Handy starren zu müssen, bevor ich überhaupt etwas bestellt habe.» Sein Fazit: «Dieser Trend muss aufhören.»
«Ich habe deswegen schon Restaurants verlassen»
Mit seiner Meinung ist er nicht allein. In der Schweizer Reddit-Community erhält der Beitrag viel Zustimmung. «Das hat dazu geführt, dass ich in den letzten zehn Jahren zahlreiche Restaurants verlassen habe», schreibt ein Nutzer. «Ich will am Tisch nicht an meinem Handy sein.»
Ein anderer kommentiert: «Ich verabscheue sie. Wenn ich ein Restaurant mit QR-Codes besuche, frage ich immer nach einer Speisekarte aus Papier. Meistens haben sie eine.»
Auch die technische Umsetzung sorgt für Ärger. «Meistens muss einem der Kellner trotzdem sagen, dass etwas ausverkauft ist oder welche Allergene enthalten sind. Es dauert ewig, bis die Seite lädt, die Navigation ist schlecht oder es ist einfach nur ein PDF», kritisiert ein Nutzer.
Schweizer Restaurantgruppe kehrt zu Papier zurück
Dass digitale Speisekarten nicht überall gut ankommen, zeigt auch ein Beispiel aus der Schweiz. Die Wiesner Gastronomie, die rund 30 Restaurants wie Nooch, Negishi und Miss Miu betreibt, hat ihre QR-Code-Speisekarten wieder abgeschafft.
Was hältst du von QR-Code-Speisekarten im Restaurant?
Wie Geschäftsführer Daniel Wiesner im August gegenüber Watson erklärte, habe das Unternehmen während der Coronapandemie vollständig auf digitale Karten umgestellt. Die Vorteile schienen zunächst offensichtlich: Preise liessen sich sofort anpassen, Gerichte unkompliziert austauschen und Druckkosten einsparen.
Doch inzwischen sieht Wiesner die Entscheidung kritisch. Die Digitalisierung sei für die internen Abläufe ein Segen gewesen, «für den Gast aber nicht». Menschen würden nicht ins Restaurant kommen, um auf ihr Smartphone zu starren. «Sie kommen für ein soziales, analoges Erlebnis», erklärt der Gastronom.
QR-Codes können Kundenbindung schwächen
Auch die Wissenschaft hat sich mit digitalen Speisekarten beschäftigt. Eine in einem Fachjournal veröffentlichte Untersuchung kommt zum Schluss, dass QR-Code-Menüs die Kundenbindung beeinträchtigen können.
In zwei Studien mit insgesamt 408 Teilnehmern verglichen die Forscher digitale und klassische Speisekarten. Die Teilnehmer sollten sich dabei einen Restaurantbesuch vorstellen. Das Ergebnis: QR-Code-Menüs wurden als umständlicher wahrgenommen. Diese wahrgenommene Umständlichkeit wirkte sich negativ auf die Kundenbindung aus. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Personen, denen der persönliche Kontakt zum Servicepersonal wichtig ist.
Digitale Speisekarten haben auch Vorteile
Die Forschung zeigt jedoch nicht nur Nachteile. Eine weitere Untersuchung, die 2025 im «International Journal of Hospitality Management» veröffentlicht wurde, untersuchte die Zufriedenheit von Restaurantgästen mit QR-Code-Menüs.
Dabei zeigte sich, dass insbesondere die Qualität der Informationen und die interaktive Gestaltung der digitalen Speisekarten eine wichtige Rolle spielen. Auch eine einfache Bedienung beeinflusst, wie Gäste die Technologie wahrnehmen.
Für Restaurants können QR-Codes zudem praktische Vorteile bieten: Speisekarten lassen sich schnell aktualisieren, Informationen zu Allergenen ergänzen und Gerichte in verschiedenen Sprachen anzeigen.
Und wie siehst du das? Nervt es dich, wenn du im Restaurant erst einen QR-Code scannen musst, oder findest du digitale Speisekarten praktischer? Diskutiere in den Kommentaren mit!
Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.
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