Angriffe in Riad – «Flughäfen sind für die Golfstaaten neuralgische Orte»

Ein Angriff der jemenitischen Huthi-Miliz auf den King Khalid Airport in Riad hat am Samstag 13 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Dann gab es am Sonntagabend erneut einen Angriff mit mindestens einem Todesopfer. Mutmasslich sind die Huthis auch dafür verantwortlich.
Sebastian Sons
Saudi-Arabien-Experte
Sebastian Sons ist Experte für Saudi-Arabien und arbeitet für Carpo, das Centre for Applied Research in Partnership with the Orient. Davor war er unter anderem als wissenschaftlicher Abteilungsleiter beim Deutschen Orient-Institut in Berlin und als Journalist tätig.
SRF News: Wie schwer treffen diese Angriffe Saudi-Arabien?
Sebastian Sons: Die Angriffe sind ein herber Schlag für Saudi-Arabien, vor allem auf drei Ebenen: Erstens geht es um die Sicherheitspolitik. Man sieht, dass man nicht alle Angriffe abwehren kann. Es gab Todesopfer. Zweitens ist es auch wirtschaftlich ein Nackenschlag. Zwei grosse Konferenzen mit internationalen Investoren sollten in Riad stattfinden.
Seit 2015 läuft eine von Saudi-Arabien angeführte und von anderen sunnitischen Staaten aus Afrika und Asien unterstützte Militäraktion im Jemen. Sie wird als Operation Decisive Storm (dt: Entscheidender Sturm) bezeichnet.
Die Huthi-Miliz kontrolliert seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter auch die Hauptstadt Sanaa. Die Huthi-Miliz wurde durch die Unterstützung des Irans zu einer militärischen und politischen Kraft.
Drittens trifft es auch die Vision 2030, die wirtschaftliche Transformationsstrategie Saudi-Arabiens. Was man weiter auch nicht unterschätzen darf, sind die psychologischen Auswirkungen auf die Menschen in Riad und in ganz Saudi-Arabien. Sie haben das Gefühl, vielleicht nicht mehr ausreichend geschützt werden zu können.
Gerade der King Khalid International Airport in Riad ist in den letzten Jahren noch modernisiert und ausgebaut worden.
Warum wählen die Huthis Flughäfen als Ziele?
Sie folgen damit in gewisser Art und Weise der Vorlage des Irans, mit seinen Angriffen auf die Golfstaaten im Februar und auch danach. Man greift strategische Ziele an, zivile Infrastruktur, aber eben auch kritische Infrastruktur bezüglich der Energieproduktion. Gerade Flughäfen sind für alle Golfstaaten, und auch für Saudi-Arabien, neuralgische Orte. Es sind Drehscheiben für den Handel, für den Tourismus. Sie sind ein bisschen das Tor zur Welt. Und gerade der King Khalid International Airport in Riad ist in den letzten Jahren noch modernisiert und ausgebaut worden. Von daher ist es auf der einen Seite ein symbolisches, aber auf der anderen Seite auch ein strategisches Ziel, das die Huthis ins Visier nehmen.
Wieso bleibt das saudische Königshaus so auffallend ruhig?
Es geht darum, Panik zu vermeiden und auch weiterhin Vertrauen in die eigene Führung zu erwecken. Ich gehe davon aus, dass man militärisch relativ hart zu reagieren versucht. Es ist wichtig, dass Saudi-Arabien sowohl auf Diplomatie als auch auf Druck setzt. Momentan ist es schwierig, mit den Huthis zu verhandeln, keine Frage.
Dass im Jemen Bodentruppen eingesetzt werden, das halte ich für unwahrscheinlich.
Erhält Saudi-Arabien Unterstützung – sei es von der Türkei, von Pakistan oder von den USA?
Die Unterstützung der Türkei und Pakistans wurde im Rahmen des Mekka-Verteidigungsbündnisses eingefordert. Das heisst, die Türkei und Pakistan haben Truppen nach Saudi-Arabien entsandt, um die Verteidigungskapazitäten des Landes zu stärken. Aber dass im Jemen Bodentruppen eingesetzt werden, das halte ich für unwahrscheinlich.
Wie wir wissen, ist Donald Trump nicht sehr berechenbar und auch nicht sehr verlässlich.
Und was ist mit den USA?
Für Donald Trump ist dies tatsächlich eine Situation, die er nicht auf sich beruhen lassen kann. Er hat zwar gesagt, er möchte vor den Zwischenwahlen da nicht zusätzlich eskalieren. Aber das, was jetzt im Jemen passiert, beeinträchtigt und gefährdet auch US-amerikanische Interessen. Es sind einerseits die Sicherheitsinteressen, aber auch wirtschaftliche Interessen im Roten Meer und am Horn von Afrika. Aber wie wir wissen: Donald Trump ist da nicht sehr berechenbar und auch nicht sehr verlässlich. Und dementsprechend ist er für die Saudis tatsächlich ein Unsicherheitsfaktor. Die Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den USA wurde in Mitleidenschaft gezogen und die Frustration der Saudis mit Donald Trump ist in den letzten Monaten gewachsen.
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