Viola Calligaris blickt zurück – Aus «Alles, bloss nicht Fussball» wurde eine Natispielerin

Erfolgreiche Fussballerkarrieren fussen nicht selten auf dem Ehrgeiz der Eltern. Die Sprösslinge werden gepusht, um mitunter auch die eigene, verpasste Profi-Laufbahn wettzumachen. Im Fall von Viola Calligaris war dies nicht der Fall – im Gegenteil.
«Meine Eltern sagten dazumal, es wäre das Schlimmste für sie, wenn sie jedes Wochenende auf Fussballplätzen stehen müssen», verriet die Nationalspielerin am Sonntag im «Sportpanorama». Ihre Mutter pflichtete ihr bei: «Jede Sportart, nur nicht Fussball», sei das Motto gewesen. Von der Aversion gegenüber dem Spiel mit dem runden Leder ist nun aber nicht mehr viel zu spüren. Calligaris' Eltern sind an fast jedem Nati-Spiel anzutreffen, um ihre Tochter zu unterstützen.
Kein Wechsel nach Deutschland
So richtig ernst wurde es für Calligaris mit 14 Jahren, als sie zu einer Gastfamilie zog, um in der Frauenfussballakademie in Huttwil den nächsten Schritt zu machen. Obwohl die temporäre Heimat nur eine knappe Autostunde von ihrem Zuhause in Sachseln weg war, hatte Calligaris zu Beginn mit Heimweh zu kämpfen. Vor allem der Abschied am Sonntagabend fiel ihr jeweils schwer.
Nach vier Jahren bei YB folgte 2017 der Schritt ins Ausland. Der Entscheid, sich ohne Spanisch-Kenntnisse Atletico Madrid anzuschliessen, sei ein bewusster gewesen. Ein Wechsel in die deutsche Bundesliga – damals das Mass aller Dinge im Frauenfussball – habe sie kategorisch ausgeschlossen. «Ich wollte etwas für mein Leben lernen, eine neue Kultur, eine neue Sprache.»
Glück bei der Auslosung
Der Anfang in Madrid sei aber schwer gewesen, «da bleibe ich sicher nicht», waren die Worte, die sie noch am Tag ihrer Ankunft nach Haus schickte. Die Startschwierigkeiten legten sich aber dank guten Kontakten zu den Mitspielerinnen schnell. Und auch die Sprache lernte sie schnell. Nach Stationen in Valencia, Levante, Paris und Turin ist Calligaris in diesem Sommer übrigens wieder bei Atletico Madrid gelandet.
Mit der Nati steht Calligaris nun vor wegweisenden Spielen auf dem Weg an die WM 2027. In den Playoffs trifft die Schweiz in der 1. Runde auf Israel, im Erfolgsfall wartet danach Österreich oder Kosovo. Die 30-Jährige verzichtet darauf, den Gegner starkzureden. «Klar müssen die Spiele zuerst gespielt werden, aber wir sind die klaren Favoritinnen. Wir hatten sehr viel Glück mit der Auslosung.»
Die WM findet kommenden Sommer in Brasilien statt. Anpassungsschwierigkeiten wie damals in Huttwil oder Madrid hätte Calligaris wohl kaum.
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